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Man stelle sich das Geschrei vor, wenn jemand an einem Liter Milch stürbe

Lebensmittel sollen also zu teuer sein? Der Kerl auf Facebook regt sich dermassen auf mit dem Schlegel in der einen und der Red-Bull-Dose in der andern Hand, dass ich fürchte, er erstickt gleich. Das schreibt Daniela Joder in der Kolumne "Hühnergegacker".


Publiziert: 24.05.2017 / 17:43

«Saufts Milch», ruft er eins übers andere Mal, bevor er die Dose auf den Spaltstock stellt und ihr mit dem Spalthammer eins überzieht. «Wo sind denn jetzt deine Flügel du Sauhund», rufts noch, bevor er ein Glas Milch anstürzt.

Der Zufall wills, dass Red Bull gerade diese Woche in Aktion ist. 24 Dosen à 250 ml kosten nur noch 25.40 statt 40.80 – Franken, nicht Lira. Da husten jetzt die Milchbauern, wenn sie von einem Literpreis von 4 Franken und 30 Rappen lesen, beziehungsweise ganzen 6 Franken und 80 Rappen ohne Aktion. Und das für Zuckerwasser. Das ist wohl der Unterschied zwischen Agromarketing und Marketingprofis. Kosten tut beides viel, wirken tut scheinbar nur das eine. Oder was genau macht es aus, dass der Konsument für ein Gesöff, das nach Hundepisse riecht und auch nicht besser schmeckt, bereit ist, so tief in die Tasche zu greifen? Jedenfalls Tierschutzargumente scheinen wirkungslos am geneigten Fleisch- und Milchfresser vorbeizugehen. Man will Fleisch, viel Fleisch und günstiges Fleisch. 10 Franken und ein paar Rappen kosten diese Woche Chicken Nuggets im Grossverteiler, ein ganzes Kilo wohlgemerkt. Dafür wurden sie gar aus Südamerika hergekarrt. Muss wohl ein Billigflug gewesen sein. Und Südamerika ist ja gross. Das wäre etwa so, wie wenn ich ins Auslaufjournal schreiben würde, dass meine Geissen in Europa ihren Winterauslauf geniessen. Aber ich muss ja in der Auslaufskizze millimetergenau festhalten, wo sich meine Geissen aufzuhalten hätten. Und dann sind sie ja eben eh nie dort. Zäune sind ja für diese Spezies nur eine grobe Empfehlung, wo man in etwa weiden sollte. Nachbars Tanndli oder die Tomaten der Schwiegermutter sind eine gangbare Alternative. Und eben, Zäune sind zum Überwinden da. Aber das ist ok. Meine Ziegen lassen mich auch im hohen Alter noch aufmerksam und flexibel bleiben. Wer sich aufregt, hat verloren. 1:0 für die Ziegen.

Was mich aber aufregt, ist, dass unsere Verbände dem Konsumenten seit Jahren nicht erklären können, dass ein Kilo Cervelat gopfridstutz mehr als Fr. 5.85 kosten muss, wenn das Säuli ein schönes Leben führen soll. Die sind jetzt auch gerade zum halben Preis in der Migros zu haben – also die Cervelat. Und erst noch Terra Suisse. Vermutlich mussten diese Schweine nur jeden zweiten Tag RAUS oder hatten nur die halbe Laufhoffläche. Oder wer streicht sich genau was ans Bein, wenn die Cervelat nur die Hälfte kostet? Und wie viel von den Fr. 10.60 für ein Kilo Chicken Nuggets kommt genau beim Hühnerbauer in Südamerika an? Wohl nicht genug, dass er das Hühnchen auch nur annähernd anständig behandeln konnte. Also behandeln schon, aber wenn, dann mit Antibiotika. 

Dem Konsumenten sind also sechs Liter Red-Bull-Zuckerwasser gleich viel wert wie acht echte, nicht mehr lebendige Hühner. In Amerika ist wieder einmal ein Teenager nach dem «Genuss» von drei Energydrinks an einer Koffeinüberdosis gestorben. Man stelle sich das Geschrei vor, wenn man auch nur annähernd vermuten würde, dass jemand an einem Liter Milch gestorben wäre oder nach dem Verzehr eines Hühnchenbeins. Bhüet mi Gott am Schatten, dann würde man aber subito sämtliche Hühner- und Kuhställe ausräuchern, da bin ich sicher.

Daniela Joder

Die Kultkolumne Hühnergegacker von wechselnden Autorinnen des Regionalteils Nordwestschweiz, Bern, Freiburg finden Sie allwöchentlich in der gedruckten Ausgabe der BauernZeitung. Sollten Sie kein Hühnergegacker mehr verpassen wollen, empfehlen wir Ihnen ein Abo oder mindestens ein Probeabo der BauernZeitung. Bestellung hier oder per Telefon 031 958 33 37.

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