Drei Viertel der Fliessgewässer im Kanton St. Gallen sind kleine Bäche. Ihnen gilt im Hinblick auf die Ökologie und Biodiversität ein besonderes Augenmerk. Von 2018 bis 2020 erfasste das Amt für Wasser und Energie (AWE) des Kantons St. Gallen an 14 Bächen die Belastung durch organische Spurenstoffe. Am Mittwoch wurden die Messergebnisse den Medien vorgestellt. Die Veranstaltung fand am Bergerbach in Steinach statt. Er steht exemplarisch für die 14 Bäche. Hier wurde eine ganze Palette von Stoffen gefunden: Arzneimittel, Industriechemikalien und Pflanzenschutzmittel.

27 Substanzen gefunden

Jürg Wüthrich, Abteilung Gewässerqualität, berichtete, dass die Überschreitungen in den 14 Bächen durch insgesamt 27 Substanzen verursacht wurden: 14 Herbizide, sieben Insektizide, zwei Fungizide, drei Arzneimittel und die Industriechemikalie Perfluoroctansulfonsäure. Bei zwölf Bächen war das Risiko für eine chronische Schädigung von Gewässerorganismen während mehr als zwei Dritteln der Beobachtungsdauer von Frühjahr bis Herbst erhöht. In allen Bächen wurden zudem die Anforderungen der Gewässerschutzverordnung oft vielfach überschritten.

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Quasi als Antwort darauf, rief das AWE zusammen mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) 2019 ein Pilotprojekt ins Leben. Für die Bäche Äächeli (Au-Berneck) und Zapfenbach (Kriessern) wurden zwei runde Tische einberufen. Gemeinsam mit den elf Landwirten, die Boden im Einzugsgebiet der zwei Bäche haben, wurde diskutiert, wie es zu den Pflanzenschutzmittel-Einträgen kommen konnte und was man dagegen tun kann.

Der Erfolg ist messbar

Noch im gleichen Jahr setzten die Bauern verschiedene Massnahmen um. Sie reparierten etwa defekte Schächte auf den Feldern oder richteten Waschplätze für die Spritzgeräte ein. Die Messungen im Jahr 2019 und 2020 zeigten bereits wesentliche Verbesserungen. «Diese Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Landwirte der Problematik bewusst sind. Sie haben ein grosses Engagement an den Tag gelegt», bilanzierte Daniela Büchel vom LZSG Salez. 

Vereinzelt gab es noch Überschreitungen der Grenzwerte. Bei einem Wirkstoff (Diazinon, verboten seit 2011) konnte sich aber niemand erklären, woher er kam. «Weil auch Haus- und Schrebergärten direkt an die Bäche angrenzen, liegt die Vermutung nahe, dass diese Nutzgruppe auch zu den Wirkstoffeinträgen beiträgt», meinte Büchel.

Auch Hobbygärtner sind in der Pflicht

Michael Eugster, Leiter des AWE, kündigte in diesem Zusammenhang an, dass der Kanton eine Informationskampagne für Hobbygärtner und private, nichtlandwirtschaftliche Anwender von Pflanzenschutzmitteln plane. Auch diese Gruppe müsse man sensibilisieren, um nachhaltig eine Verbesserung zu erreichen.

Der ebenfalls anwesende Chef des Landwirtschaftsamts, Bruno Inauen, hielt fest, dass die Branche bereits viel mache. Sicher gebe es Bereiche mit noch mehr Handlungsbedarf. Er sei aber überzeugt, dass die Landwirtschaft willens sei, ihren Teil zu leisten.

Ergebnisse der Messkampagne 2018 bis 2020

Die aktuellen Publikationen des Amts für Wasser und Energie zu den Messkampagnen sowie weitere Faktenblätter sind hier einsehbar.