Das Smartphone hat man in der Regel immer bei sich und kann sich dank entsprechender Apps jederzeit über das Wettergeschehen in naher Zukunft informieren (lassen). Karten, Prognosen in Text und Bild sowie Benachrichtigungen bei z. B. Hagel- oder Frostgefahr gehören zur Standardausrüstung dieser Programme. Welche App das Wetter am besten vorhersagt, lässt sich nur sehr schwer beurteilen – zu gross können die Unterschiede je nach Region oder Wetterphänomen sein und zudem müssten die Vorhersagen über einen langen Zeitraum verglichen werden. Was bei der Wahl der passenden App aber auch entscheidend ist: wie leicht ist sie zu bedienen und wie schnell bekommt man die Information, die man gerne hätte?

Grosser Bekannt- und Beliebtheit erfreuen sich die Wetterapps von Landi, SRF Meteo und dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie Meteo Schweiz. Der Vergleich fördert bei der Benutzerfreundlichkeit und den Charakteristiken der Apps deutliche Unterschiede zu Tage.

Landi: Die einzige mit Kuhglocken und Werbung

Im bekannten Landigrün kommt die App aus dem Hause Fenaco daher. Nach Auskunft von Landi Schweiz handelt es sich dabei um eine «übersichtliche und verständliche» Darstellung der Daten und Prognosen von MeteoNews. Zuoberst prangt das derzeitige Wetter an einem selbst definierten Ort, wahlweise in einer nach der Temperatur abgestuften Hintergrundfarbe. Speziell ist hier die lange Prognose, die 11 Tage weit in die Zukunft blickt. 

In der Detailansicht lassen sich die als Liste aufgeführten Informationen wie Wind, Sonne und Mond, allgemeine Wetterlage, Aussichten usw. personalisiert zusammenstellen und sortieren. Wer will, kann über die Option «Teilen» ein eigenes Bild mit den aktuellen Wetterdaten des gewählten Standorts an andere verschicken, z. B. per Whatsapp. 

Einzigartig  machen das Landiwetter der Wetteralarm mit Kuhglocken-Gebimmel und die Werbeinhalte. Die Top-Angebote der Landi kann man zwar ausschalten, wer die Prognose-Videos schaut, kommt aber nicht um Hinweise auf Sponsoren herum. Dasselbe gilt für das Werbeband ganz unten. 

Die monatlichen Wettbewerbe in der App habe man aufgegeben, heisst es bei der Medienstelle von Landi Schweiz. 

 

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Einzigartig:

  • Liefert die Wetteralarme besonders frühzeitig (am Morgen wird vor einem abendlichen Gewitter mit Hagelgefahr gewarnt).
  • Dafür sind die Angaben zur Tageszeit in den Alarmen sehr weit gefasst.
  • Wer will, findet schnell die nächste Landi.
  • Kuhglocken als Alarmton
  • Option, ein Bild mit Wetterinfo zu teilen.

Nachteile:

  • Werbung nicht überall ausschaltbar.
  • Die Wochenprognose lässt sich nicht vergrössern und auch nicht quer anschauen.

SRF Meteo: Besonders hoher Detailgrad

Die Startseite der SRF-Meteo-App ähnelt jener des Landiwetters, präsentiert sich aber allgemein etwas übersichtlicher. Vor allem die Wochenprognose ist dank der Anordnung als Liste einfacher lesbar. Das Menü befindet sich bei SRF oben links statt unten wie bei der Landi und die App ist in dunklen Blautönen gehalten, auf denen sich die Wölckchen und Temperaturangaben gut abheben. 

Eine Stärke von SRF Meteo und der zugehörigen App sind Lokalprognosen. Wie SRF-Redaktionsleiter Thomas Bucheli gegenüber der BauernZeitung erklärt, füllen die Meteorologen die Lücken zwischen realen Messstationen mit gezielten Berechnungen. Diese «virtuellen Messpunkte» ermöglichen es «für praktisch jeden Ort, jedes Güpfi, jeden Chrachen eine eigene Prognose zu erstellen», wie es Bucheli ausdrückt. Eine solche Dichte an separat berechneten Punktprognosen finde man in keiner anderen App. Besonders fein aufgelöst sei auch das Regenradar bei SRF Meteo.

Aussergewöhnlich an dieser App ist ausserdem die Möglichkeit, ein Wetterbild oder -Video als «Augenzeuge» einzusenden. Aus den Einsendungen wählt das SRF-Meteo-Team jeden Abend die Top 3 aus. Zudem werden einzelne davon in der TV-Sendung gezeigt oder in Onlineartikeln verwendet – jeweils unter Angabe des Bildautors.  

Wer sich für Wetterphänomene interessiert, dem seien die Meteo-Stories empfohlen. Dort wird etwa erklärt, wie Hagel entsteht oder das aktuelle Wettergeschehen genauer erläutert. 

 

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Einzigartig:

  • Virtuelle Messpunkte für bessere Lokalprognosen.
  • Besonders fein aufgelöstes Regenradar mit blinkender Standortmarkierung.
  • Formular zum Einsenden von Bildern oder Videos als Augenzeuge.
  • «Meteo-Stories».
  • Kurze Porträts der SRF-Meteorologen, die man aus dem Fernsehen kennt.
  • SRF-Meteo-Quiz mit diversen Preisen.

Nachteile:

  • Warnungen nur einzeln für die persönlichen Favoriten (Orte), keine Darstellung als Karte.
  • Keine Video-Prognosen.

 

Woher kommen die Prognosen?

Neben den unterschiedlichen Darstellungsweisen unterscheiden sich auch die Prognosen der verschiedenen Apps. Sie nutzen Daten von sehr vielen Quellen, z. T. auch eigenen Messnetzen und verwenden eigene Wettermodelle. 

Gemeinsame Satellitennutzung ist günstig

Für das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteo Schweiz) gehört die Beobachtung der Atmosphäre und der Wetterentwicklung zu den Kernaufgaben und ist ein gesetzlicher Auftrag. Daher betreibt es das nationale Messnetz (Radar, automatische Messstationen, Niederschlagstationen, Radiosondierungen, usw.), schreibt Meteo Schweiz auf Anfrage.

Um Kosten und Aufwand zu sparen nutzen 30 europäische Länder zusammen Wettersatelliten, deren Daten auch der Schweiz vollständig zur Verfügung stehen. Nach Auskunft von Meteo Schweiz tragen wir dafür nur einen Kostenanteil von 3,6 Prozent. 

Vollständig automatisierte Prognosen

Thomas Bucheli von SRF Meteo erklärt gegenüber der BauernZeitung, dass neben den zu Land, zu Wasser, aus der Luft und aus dem All erhobenen Daten bei SRF auch die lokalen Eigenheiten berücksichtigt werden. Dazu nutze man Messdaten aus der Vergangenheit, um zu beurteilen, wie sich eine Grosswetterlage lokal auswirken wird. Hinzukommen gemäss Bucheli Höhe, Lage, Exposition und örtliche Topografie, Sonnenstand, Tageslänge und Unsicherheiten die ebenfalls in die Berechnung miteinfliessen. Das alles laufe automatisiert für jeden Ort viermal pro Tag, um dann in der SRF-Meteo-App dargestellt zu werden. «Weltweit werden alle App-Prognosen automatisiert berechnet, basierend auf rein Physikalisch-mathematischen Algorithmen», erläutert der Meteorologe. 

 

Meteo Schweiz: Übersichtlich mit individuellen Kacheln

Im Gegensatz zu den Apps von Landi und SRF Meteo ist Meteo Schweiz vollständig in Kacheln organisiert. Deren Inhalt, Anordnung und Grösse sind individuell einstellbar. Dank Ortung kann man sich das «Wetter vor Ort» anzeigen lassen, mit Wölckchen und Sünneli sowie einer Prognose für die nächsten Stunden in einem Satz (z. B. : In den nächsten Stunden trocken). für den Kachelinhalt stehen neben den üblichen Angeboten wie der Lokalprognose «Wetter vor Ort» Gefahrenkarten, Radar oder schweizweite Wochenprognose auch von Meteo Schweiz ein eigener Blog zur Auswahl. Mit einem Tippen auf die Kachel gibt es mehr Informationen, ebenso schnell ist man wieder zurück. Da verirrt man sich kaum.

Ein grosser Pluspunkt der Meteo-Schweiz-App, die vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie betrieben wird, ist neben der Übersichtlichkeit das Niederschlagsradar. Dort werden nämlich neben Regen auch Hagel und Blitze dargestellt. Man kann auch selbst unkompliziert Hagelmeldungen innerhalb der App machen. Ausserdem wird auf allen Karten der Schweiz von MeteoSwiss der eigene Standort markiert. 

 

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Einzigartig:

  • Lokalprognose «Wetter vor Ort».
  • Standortmarkierung auf allen Karten der Schweiz.
  • Blitze und Hagel im Regenradar angezeigt.
  • Personalisierbares Kacheldesign.
  • Blogs zum Wettergeschehen. 
  • Ein Bild der nächsten Webcam wird beim «Wetter vor Ort» in der Detailansicht gezeigt.
  • Verzeichnis von Messstationen mit Hintergrundinfos (was wird gemessen und seit wann).
  • Ganze App geht auch im Querformat.

Nachteile:

  • Keine Video-Prognosen.

Fazit: Herumtippen lohnt sich

Welche Wetterapp man am besten findet, ist natürlich eine sehr individuelle Sache. Mich persönlich überzeugt Meteo Schweiz am meisten. Die App schafft es, das Wichtigste auf einen Blick darzustellen – dies vor allem auch deshalb, weil der Benutzer grosse Gestaltungsmöglichkeiten hat. 

 

 

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Die Meteo-Schweiz-App zeigt auf dem Radar auch Hagel und Blitzaktivität. Ausserdem ist der eigene Standort mit einem Stern markiert. 

 

 

 

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Je nach Vorliebe kann man sich den Homescreen selbst zusammenstellen. 

 

 

 

 

 

 

 

Bei allen Apps ist es empfehlenswert, sich in einer ruhigen Minute mal ausgiebig durchzutippen. Vieles ist personalisier- und einstellbar. Ausserdem entdeckt man je nach App und Interesse an der Meteorologie viel Spannendes. 

Da das Landiwetter wie auch SRF Meteo und Meteo Schweiz sämtlich gratis sind und vergleichsweise wenig Speicherplatz beanspruchen, muss man sich im Endeffekt gar nicht entscheiden. Mit allen drei Apps bekommt man vielleicht etwas mehr Wetteralarme, dafür ist der Vergleich manchmal durchaus unterhaltsam. Und am Ende bleibt immer noch der Blick zum Himmel, wo aufmerksame und erfahrene Beobachter die zuverlässigsten lokalen Kurzzeitprognosen machen.  

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