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Landwirtschaft zwischen Hammer und Amboss

Die Schweiz ist ein teures Pflaster - auch für die Bauern: Für Dünger und Pflanzenschutzmittel müssen sie mehr bezahlen, derweil ihre Abnehmer die Preise mehr oder weniger nach Belieben steuern können.


Dass die Schweiz ein teures Pflaster ist, weiss jedes Kind. Nicht umsonst ist der Einkaufstourismus für die Schweizer Landwirtschaft und für den Detailhandel ein ständiges Problem. Dennoch kann der Einkaufstourismus auch als Anzeichen dafür interpretiert werden, dass die Preisdifferenzen zum Ausland zu gross sind. Der Schuldige ist in den meisten Fällen schnell gefunden: es sind die Zölle und die hohen Kosten in der Landwirtschaft.

Dass diese Sicht stark verkürzt und teilweise falsch ist, zeigt die Strukturberichterstattung vom Staatssekretariat für Wirtschaft. So befinden sich die Landwirte gewissermassen zwischen Hammer und Amboss - zwischen teuren Produktionsmittel und Abnehmern, die über verhältnismässig viel Marktmacht verfügen.

Grenzschutz wird von anderen Akteuren mitbenützt

Die insgesamt fünf Berichte, die am Montag publiziert wurden, weisen laut Seco insgesamt darauf hin, dass der Grenzschutz und «das komplexe Direktzahlungssystem unbeabsichtigte Folgen haben.» Konkreter hält das Seco fest, dass ein Teil der staatlichen Unterstützung für die Landwirtschaft von den Firmen in den nachgelagerten Sektoren abgeschöpft wird. Wie es weiter heisst, würden die agrarpolitischen Instrumente «teilweise» die Marktmechanismen bremsen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft schwächen.


Grenzschutz und das komplexe Direktzahlungssystem können unbeabsichtigte Folgen haben.


Dass die Marktmechanismen nur begrenzt spielen, zeigt sich zum Beispiel bei den Kosten für Dünger und Pestizide. Beim Einkauf müssen die Landwirte laut einem der veröffentlichten Berichte substanziell mehr für Dünger und Pestizide bezahlen, als ihre Kollegen in Frankreich, Deutschland und Italien.

Teurere Gesetzgebung und Empfehlungen bei Pestiziden

Die Studienautoren sehen die Gründe darin in einer Kombination aus höheren Anforderungen für die Zulassung von Pestiziden, als auch in der Struktur der Schweizer Märkte. So müssen in der EU zugelassene Pestizide für den Verkauf in der Schweiz separat zugelassen werden. Dass dabei auch das Bundesamt für Landwirtschaft weitere Tests verlangt, macht die Zulassung nicht günstiger - weil der Markt in der Schweiz aber relativ klein ist, die Pestizide zusätzlich teurer, als im umliegenden Ausland.

Daneben ist laut den Autoren auch die Marktstruktur nicht ideal für günstige Preise; so müssen Akteure, die neu in den Pestizid-Verkauf einsteigen wollen, über ein weit verzweigtes Vertriebsnetz verfügen. Da der Schweizer Markt klein und die Fenaco-Genossenschaft die Distribution in alle Landesteile meisterhaft beherrscht, ist ein Markteintritt für neue Akteure wirklich schwierig – da dadurch aber der Wettbewerbsdruck zu einem guten Teil entfällt, ist eine Verbesserung der Distributionsstrukturen nur teilweise nötig.

Dass damit die Kosten für Schweizer Landwirte höher sind, gilt laut Strukturbericht sowohl für den Markt für Dünger als auch für denjenigen von Pflanzenschutzmitteln.

Direktzahlungen machen höhere Preise erträglicher

Wie die Autoren schreiben, sind nicht nur die hohen Anforderungen Schuld an den höheren Preisen für Pestizide, sondern auch die Nachfrage. So würden Schweizer Landwirte die meist teureren Markenprodukte den generischen Pflanzenschutzmitteln vorziehen; gleichzeitig sind es auch die Markenprodukte, die laut Seco-Studie über die Beratungsdienste der Unternehmen eher empfohlen würden. Leisten können sich das die hiesigen Landwirte laut Studie vor allem deshalb, weil sie im Vergleich zu ihren ausländischen Kollegen höhere Beiträge in Form von Direktzahlungen erhalten. 

Wie es nämlich in einem anderen Bericht vom Seco steht, sollen Landwirte bereit sein, mehr für die Vorleistungen zu bezahlen, wenn sie Direktzahlungen erhalten. Zwar steigt die Zahlungsbereitschaft nicht proportional zu den höheren Beiträgen aus der Bundeskasse - dennoch schreiben die Autoren, dass eine Senkung der Direktzahlungen auch die Kosten für Vorleistungen sinken lasse. Höhere Direktzahlungen indes führten tendenziell zu einer Intensivierung der Produktion - einerseits in Bezug auf den Einsatz von Dünger, andererseits in Bezug auf den Einkauf von Dienstleistungen und Versicherungen. 

Die hohen Qualitätsanforderungen machen Futter teurer

Nicht nur bei Dünger und Pflanzenschutzmitteln, auch bei Futtermitteln müssen Landwirte insgesamt tiefer in die Tasche greifen. Wie ein weiterer Seco-Bericht zeigt, hat das verschiedene Ursachen, wobei die Ausgangslage die höheren Standortkosten in der Schweiz bildet.

So setzen die Futtermühlen laut Seco auf eine Qualitätsstrategie und zertifizierte Produkte. Ausserdem sorgen sie im Absatz, also bei ihren Landwirten, für gute und umfassende Beratung und erbringen damit zusätzliche Dienstleistungen, die der Landwirt über höhere Futtermittelkosten finanziert. Er macht das, weil er die höhere Qualität von Schweizer Futter schätzt, weil Schweizer Futter nachweislich frei von gentechnisch veränderten Organismen ist und weil er das Schweizer Futter einfacher beziehen kann, als Futter aus dem Ausland.

Hinzu kommen noch die Importzölle und die Direktzahlungen, die die ganze Branche schützen. Gleichwohl zeigen Modellberechnungen vom Seco, dass selbst mit einer kompletten Aufhebung des Grenzschutzes für Kraftfutter eine durchschnittliche Preisreduktion von 60 auf 50 Franken je 100 Kilo möglich wäre. Mit der Preisreduktion verbunden wäre aber auch ein Rückgang der inländischen Futterproduktion und eine Zunahme der Futtermittel-Importe.

Brot - nicht wegen der Landwirtschaft doppelt so teuer

Es sind nicht nur die Märkte für Produktionsmittel, die Schweizer Lebensmittel teurer machen – es sind auch die Strukturen in den nachgelagerten Branchen.

So zeigt ein Strukturbericht, dass Brot (Weizenbrot im mittleren Preissegment, verkauft im Detailhandel) in der Schweiz mit drei Franken gut doppelt so teuer ist, wie in Deutschland. Schuld daran ist nicht die Landwirtschaft, und auch nicht die Müller, wie gerne kolportiert wird. Laut den Autoren machen nämlich die höheren Kosten für den Weizen nur etwa 10 Prozent des Preisunterschieds aus, derweil die Müller praktisch zum Selbstkostenpreis das Getreide vermahlen würden.


Die Rückläufige Verkaufsmenge in den Lebensmittel-Wertschöpfungsketten kann als gesunkene reale Nachfrage infolge von zusätzlichen Importen interpretiert werden.


Zwar sorgen die Zölle für ein grundsätzlich höheres Preisniveau, aber es sind der Detailhandel und die Bäckereien, die aufgrund höherer Arbeits- und Standortkosten den grössten Teil der Preisdifferenz zum Ausland verursachen. Hinzu kommt die Gewinnmarge im Handel, die rund 12 Prozent der Preisdifferenz zu deutschem Brot erkläre.

Etwas anders ist die Situation beim Nature-Joghurt (mittleres Preissegment, verkauft im Detailhandel): Dort beträgt der Preisunterschied zwischen einem Schweizer und einem Französischen Joghurt im Detailhandel 38 Rappen. Grund für die Preisdifferenz sind die höheren Produktionskosten auf den Bauernhöfen als auch die höheren Bruttomargen im Handel.

Gleichwohl sorgt auch der Grenzschutz in Form von Importzöllen für eine relativ stabile Ausgangslage – Konkurrenzprodukte hätten wenn, dann nur in den obersten Preislagen überhaupt eine Chance, auf den Markt zu kommen.

Die Marktstruktur ist entscheidend

Unter dem Strich also sind es die Marktstrukturen, die über die Preisgestaltung entscheiden. Und im Vergleich zum Ausland steht die Schweiz dabei nicht unbedingt gut da. Einerseits stellen die Autoren nämlich fest, dass die Firmen in den Lebensmittel-Wertschöpfungsketten insgesamt Marktanteile verlieren. Interessanterweise machen sie das trotz Grenzschutz und Agrarpolitik; wie es nämlich heisst, seien die Marktanteilsverluste auf rückläufige Verkaufsmengen zurückzuführen «und kann als gesunkene reale Nachfrage infolge vermehrter Importtätigkeit interpretiert werden.» Ob die vermehrte Importtätigkeit dem Einkaufstourismus oder dem Markteintritt von Aldi und Lidl oder einem anderen Effekt geschuldet ist, bleibt offen.

Andererseits halten die Autoren auch fest, dass die Margenanteile im Schweizer Handel überdurchschnittlich hoch sind. Den Umstand kritisiert der Schweizer Bauernverband regelmässig – jetzt zeigt auch das Seco, dass die Detailhändler seit 2008 ihre Margen deutlich ausweiten konnten.

Hansjürg Jäger


Die ganzen Studien und Berichte können hier kostenlos heruntergeladen werden.

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