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Lama als Herdenschutztier: Amigo gehört einfach dazu

Die Familie Berger aus Aeschi bei Spiez BE ist überzeugt, dass ihr Lama Amigo die Schafherde vor Luchsangriffen beschützt. Allerdings ist es seit 2013 nicht mehr erlaubt, Lamas einzeln zu halten. Nun hoffen Bergers auf den politischen Weg.


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Eine Schafherde ohne Amigo, dass können sich Elisabeth und Christoph Berger aus Aeschi bei Spiez BE gar nicht mehr richtig vorstellen. Bei Amigo handelt es sich um einen jungen Lamawallach, der mit der Schafherde von Bergers mitläuft. Und sie dabei vor Luchs­angriffen beschützt, ist das Ehepaar überzeugt.


Aus dem Experiment wurde ein fester Bestandteil


Christoph Berger arbeitet bei der Raiffeisenbank und ist SVP-Grossrat im Kanton Bern. Die rund 30 Weissen Alpenschafe halten er und sein Sohn im Nebenerwerb, zur Freude. Bereits vor 15 Jahren haben sie ihr erstes Lama angeschafft. «Es war eine Art Experiment», erzählt Christoph Berger. Der bekannte Lamazüchter Arnold Lüginbühl sei auf sie zugekommen. Seine Idee sei es gewesen, die Schafherde mit einem Lama zu beschützen. Der ursprüngliche Versuch hat sich unterdessen zu einem festen Bestandteil der Herde entwickelt.


«Wir sind in einem Luchsgebiet, insbesondere auch unsere Alp ‹Obere Hutte›», erläutert Christoph Berger. Seit 15 Jahren sei ihre Herde nicht mehr Opfer eines Luchsangriffs geworden. Diesen Erfolg schreiben sie dem Lama zu. «Es ist einzigartig, wie das Lama die Herde beschützt», beschreibt Elisabeth Berger fasziniert. Amigo sei ganz klar der Boss.

Amigo ist jung zu der Herde gekommen und wurde dann kastriert. Junge Männchen würden sich sehr gut eignen, da sie den Drang hätten, die Herde zu beschützen, so die Erklärung von Berger. Wenn sich Wanderer mit Hunden nähern würden, beginne Amigo die Herde zusammenzutreiben und lasse die Herde erst wieder ziehen, wenn die «Gefahr» gebannt sei.


Busse wegen Einzeltierhaltung von Lama


Bergers gehören laut ihrem Kenntnisstand zu den ersten, die es mit einem Lama als Herdenschutztier versucht haben. Doch wie es weitergeht, ist ungewiss. Seit September 2013 dürfen Lamas nicht mehr alleine ge
halten werden.

Christoph Berger hat deshalb eine Busse von 200 Franken auferlegt bekommen. «Ich mache dem Kontrolleur keinen Vorwurf, er tut ja schliesslich nur seine Arbeit», so Berger. Daraufhin stellten Bergers beim Kanton einen Antrag für eine Ausnahmebewilligung. Der Kanton kann die Einzelhaltung in seltenen Fällen bewilligen.

Nicht so im Fall Berger. Die Begründung lautete, dass das Lama kein vom Bundesamt für Umwelt anerkanntes Herdenschutztier sei. Deshalb versucht es Christoph Berger nun auf

dem politischen Weg. Nationalrat Erich von Siebenthal (SVP/BE) hat das Anliegen der Familie Berger aufgenommen und eine Motion eingereicht. In dieser verlangt von Siebenthal, dass die Einzelhaltung von Lamas als Herdenschutz gegen Luchse ermöglicht werden soll.


Zwei Lamas bilden eine eigene Herde


Warum nicht einfach ein zweites Lama anschaffen? «Zwei Lamas zusammen bilden eine eigene Herde und kümmern sich nicht mehr um die Schafe», erklärt Christoph Berger. Das habe er von mehreren Experten bestätigt erhalten. Er ist überzeugt von Amigos Leistung. «Wir wissen von einem besenderten Luchs, der direkt durch unsere Alpweide gelaufen ist», so Berger, und «Nichts passiert!»

Das Lama gebe der Herde Sicherheit. Lamas seien sehr neugierig. Tauche ein Luchs auf, reagiere das Lama nicht panisch, sondern gehe auf den Luchs zu. Dieser sei dadurch verunsichert und trete den Rückzug an. Während des Sommers sind seine Tiere und die eines Freundes – rund 30 Stück – auf der Alp «Obere Hutte». Amigo habe die fremden Tiere schnell als seine Herde akzeptiert und die Schafe würden sich ebenfalls sehr schnell an Amigo gewöhnen.


Wolf zeigt anderes Jagdverhalten


Ob das Lama seine Herde auch vor einem Wolfsangriff beschützen würde, bezweifelt die Familie Berger. «Das Jagdverhalten von Luchs und Wolf ist sehr unterschiedlich», erklärt Elisabeth Berger. Der Luchs warte eher ab und beobachte zuerst, bevor er sich für einen Angriff entscheide. Sei ihm etwas suspekt, wie etwa ein Lama in der Herde, entscheide er sich gegen einen Angriff. Der Wolf sei eher wie ein Hund und lasse sich nicht wirklich von einem Lama beeindrucken. Vor ein paar Jahren sei ein Luchs über den hohen Zaun in eine Hirschzucht geklettert und habe mehrere Tiere getötet, erzählt Christoph Berger. Ihre Schafherde in unmittelbarer Nähe sei unverletzt geblieben.


Tierwohl ist gewährleistet


Ist Amigo denn unglücklich alleine? «In all den Jahren, in denen man Tiere hält, glaubt man zu wissen, wann ein Tier zufrieden ist und wann nicht. Und bei Amigo bin ich mir sicher, dass das Tierwohl gewährleistet ist», sagt Berger überzeugt. Bergers sind nicht zufrieden damit, dass ihr bewährtes System nun plötzlich nicht mehr legal sein soll. Dieses Jahr wurden sie gebüsst. Aber es ist klar, dass die Bussen ansteigen werden, wenn sie wie bisher weitermachen. «Deshalb bin ich Erich von Siebenthal dankbar, dass er das Thema auf nationaler Ebene politisch einbringt», erläutert Christoph Berger weiter (siehe Kasten).

Überall werde propagiert, dass man innovativ sein solle und selber nach geeigneten Herdenschutzmethoden für seinen Betrieb suchen solle. Und ihnen werde nun ein Knüppel zwischen die Beine geworfen. Einfach so «aussortieren» wollen die zwei Amigo nicht: «Wir haben uns an Amigo gewöhnt.» Und, er sei ihnen ans Herz gewachsen. Diese Aussage wird glaubhaft untermauert von der Bildergalerie an der Wand im Esszimmer der Familie Berger. Dort hängt ein Foto von Amigo, direkt unter den Fotos der Kinder.

Julia Schwery

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