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Kleines Insekt bedroht den Rübenanbau

Syndrome Basses Richesses heisst die Krankheit, die durch eine Zikade auf die Zuckerrübenpflanzen übertragen wird. Der Präsident des Schweizerischen Verbands der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) erläutert, wie ernst die Situation ist.


Publiziert: 22.02.2019 / 12:09

Das erste Mal ist die neue Rübenkrankheit Syndrome Basses Richesses (SBR) in der Westschweiz 2016 aufgetaucht. Hier hat sie bisher 2500 Hektaren Rübenfläche infiziert. Ihr Überträger ist die Schilf-Glasflügelzikade (s. Bild). Ein geeignetes Insektizid zur Bekämpfung der Zikade konnte bislang nicht gefunden werden.

Überträger wandert 20 km pro Jahr

Um die gesamtschweizerische Ausbreitung zu stoppen, suchen Wissenschaftler der Agroscope nach einer Lösung des Problems. Geplant ist in diesem Jahr eine Bewertung mehrerer neuer Sorten, die ein gewisses Mass an Toleranz gegenüber der Krankheit aufweisen, sagt Agroscope-Wissenschaftler Olivier Schumpp. Zudem werden verschiedene Anbaumethoden untersucht. 

Erfahrungen aus Frankreich zeigen, – hier wurde der Schädling in Europa das erste Mal dokumentiert – dass sich die Zikade jedes Jahr um zirka 20 Kilometer vorarbeitet. So könnte sie voraussichtlich in ein paar Jahren auch die Ostschweizer Rübenanbaugebiete erreichen. 

"Wir arbeiten hart daran, eine Lösung gegen SBR zu finden"

Der BauernZeitung stand Josef Meyer, Präsident des SVZ, zu einem Interview bereit. Er erläutert, dass es das Aus für die Zuckerrübe bedeuten könnte, wenn nicht schnell eine Lösung des Problems gefunden wird.

Was bedeutet die neue Krankheit für den Rübenanbau?

Josef Meyer: Im ersten offiziell registrierten Jahr 2017 waren zirka 1000 Hektaren Rübenflächen von der Krankheit betroffen. Das war sehr überraschend. Im Jahr darauf verdoppelte sich die betroffene Fläche. Ohne Lösung bedeuten die 2 bis 4 Prozent tieferen Zuckergehalte das Aus für den Zuckerrübenanbau in den betroffenen Gebieten.

Bisher bildet der Röstigraben die Ausbreitungsgrenze. Was wird unternommen, damit sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet?

Der Schädling ist tatsächlich daran, die deutsche Sprache zu lernen. Wir kennen den Überträger der Krankheit noch schlecht. Trotz geführter Versuche haben wir noch keine Lösung, um die Ausbreitung zu verhindern.

Wäre eine Lösung, Getreide aus der Fruchtfolge zu nehmen?

Man muss davon ausgehen, dass Getreide in der Fruchtfolge für den Überträger seine Bedeutung hat. Kein Getreide in der Fruchtfolge beim Zuckerrübenanbau ist aber undenkbar. Wir arbeiten hart daran andere Lösungen zu finden. Als erste Massnahme haben wir schon für den Anbau 2019 eine Notzulassung für die Sorte Rhinema bewilligt. Diese Sorte hat in Deutschland ein positives Verhalten an den Tag gelegt. Ebenfalls werden wir dieses Jahr an vier betroffenen Standorten Sorten auf die Resistenz gegenüber diesem Phänomen prüfen. Die verschiedenen Züchter haben dazu 12 Sorten angemeldet. Es besteht von dieser Seite Hoffnung.

Im letzten Jahr war vor allem die Westschweiz von der Krankheit betroffen. Ist deshalb die Anbaufläche in diesem Jahr zurückgegangen?

Leider ja. Zur Zeit wurden für 17'600 ha Verträge unterzeichnet. Die Gründe für den Rückgang sind vielseitig. SBR ist zu einem kleinen Teil auch mitverantwortlich.

Wird stattdessen mehr Getreide angebaut?

Ich denke nicht, das heute vermehrter Anbau von Getreide für den Rückgang der Zuckerrübenfläche verantwortlich ist. Das Umstellen auf Bio kostet uns Flächen, aber auch der Gemüseanbau braucht vermehrt Flächen. Viele Betriebe haben auch wegen der trockenen Sommer zu wenig Futter und wollen ihre Rauhfutterproduktion ausdehnen. 

Für die Ernte 2018 gab es keine Abzüge für Zuckergehalte unter 16 Prozent. Wird es die auch 2019 geben?

Es gab diese Notmassnahme, um Rübenbauer, die von SBR und der Blattkrankheit betroffen sind, zu ermutigen weiter Rüben anzubauen. Ob diese Massnahme auch für 2019 wieder zur Anwendung kommt, muss diskutiert werden.

Die Rübenbranche bleibt von Herausforderungen nicht verschont. Warum sollen ihre Pflanzer weiterhin beim Anbau bleiben?

Trotz grossen Herausforderungen lohnt es sich, weiterhin Zuckerrüben anzubauen. Dafür gibt es viele Gründe. Erlauben sie mir nur einige zu nennen: 

a. Der Bundesrat hat mit seinem Entscheid der Erhöhung des Einzelkulturbeitrages um Fr 300.- pro Hektare und dem verbesserten Grenzschutz die Basis geschaffen, dass wir in den nächsten Jahre einen guten Preis für die Zuckerrüben bezahlen können. 

b. Dank Swissness, aber auch Dank der sehr guten Qualität, ist Schweizer Zucker auf dem Markt sehr gefragt. 

c. Mit den Rüben produzieren wir nicht nur Zucker, sondern auch Nebenprodukte einer Top Qualität, die für die Rauhfutterversorgung unserer Tiere wichtig sind. 

d. Die Zuckerrübe ist aus fruchtfolgetechnischen Überlegungen sehr wertvoll. 

e. Wir haben in der Schweiz zwei Zuckerfabriken, die es zu erhalten gilt. Eine einmal geschlossene Fabrik wird nie wieder eröffnet. 

f. Die Saatgutzüchter, aber auch unsere Fachstelle, arbeiten hart daran, uns schnell Lösungen zu bringen, um die anbautechnischen Probleme zu bewältigen.  

In Frankreich werden betroffene Anbaugebiete eingestellt und der Anbau in nicht betroffene Gebiete verlagert. Könnte das auch eine Lösung für die Schweiz sein?

Tatsächlich wurden in Frankreich, als SBR ein Thema war, zwei Zuckerfabriken geschlossen. Diese Schliessungen (2004) müssen aber mehr mit der Reform der europäischen Zuckermarktordnung in Zusammenhang gebracht werden. Europa verpflichtete sich in internationalen Abkommen, die Zuckerproduktion um 25 Prozent zu reduzieren. In der Schweiz gibt es nur noch kleine Reserven, den Anbau ausserhalb der angestammten Rübenanbaugebiete zu fördern. Darum Arbeiten wir hart daran, Lösungen für unsere Anbauer zu finden.  

Katrin Erfurt 

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