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Die ersten Jahre als Betriebsleiter: "Ich mache fast nie dasselbe"

Dass Adrian Feitknecht den Betrieb seiner Eltern übernommen hat, bescherte ihm am Anfang schlaflose Nächte. Mittlerweile schläft er besser und konzentriert sich auf die Betriebsausrichtung.


von lid/Hans-Jürg Jäger
Publiziert: 11.07.2019 / 09:24

Adrian Feitknecht ist entspannt und aufmerksam. Egal, wie schwierig die Situation ist, der Tessiner mit Berner Wurzeln schafft es irgendwie immer, locker zu bleiben. Schon zu Studienzeiten an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften war Feitknecht immer zu einem Bier und zu einem Schwatz aufgelegt. Manchmal hat das darüber hinweggetäuscht, wie ernsthaft er sich für die Welt um ihn herum interessiert. Das Studium hat Feitknecht 2012 abgeschlossen. Seither ist er Landwirt; seit drei Jahren gehört ihm die Masseria Ramello in Cadenazzo TI.

Auseinandersetzung mit der Landwirtschaft

Es ist ein schöner Frühsommertag, als Feitknecht gut gelaunt die Türe aufmacht und zum Steintisch im Garten führt. Auch wenn er eigentlich genug mit Silieren zu tun hätte, nimmt er sich an diesem Samstag Zeit für ein Gespräch. Schnell geht es um die grundsätzliche Ausrichtung der Landwirtschaft; es geht um Probleme und Herausforderungen und um Veränderungen, die nötig wären.

Dabei geht es bei Feitknecht nicht bloss um die akademische Auseinandersetzung mit Fragen zur Zukunft; es geht ihm um Handfestes - um den Umgang mit dem Boden, den Umgang mit Tieren und die Frage, wie genau Lebensmittel hergestellt werden sollten. Dazu engagiert sich Feitknecht in der Junglandwirtekommission des Bauernverbandes, hat bei der SRF-Kochsendung "Eusi Landchuchi" mitgemacht und tritt hin und wieder in Diskussionssendungen auf, um dem Publikum die Landwirtschaft zu erklären. Stets locker, stets aufmerksam.

Kritik gehört dazu

Die Masseria Ramello in Cadenazzo TI bietet dazu die perfekte Grundlage. Zum Hof in der Magadino-Ebene gehören 95 Hektaren fast perfekt arrondiertes Ackerland, 60 bis 70 Kühe und Zuchtschweine. Wie Feitknecht sagt, kommen jedes Jahr 25 bis 30 Schulen auf den Hof, wollen Landwirtschaft sehen, riechen und hören. Zum Zeitpunkt des Gesprächs beginnt der Abstimmungskampf zur Fair-Food- und zur Ernährungssouveränitätsinitiative; Feitknecht beobachtet die öffentliche Debatte aufmerksam, spart nicht mit Kritik an der eigenen Branche und an der Gesellschaft.

Wie Feitknecht sagt, gibt es viele Landwirte, die agronomisch gesehen einen guten Job machen. Und dann gibt es jene, denen bewusst oder unbewusst Fehler unterlaufen; etwa weil sie mit zu schweren Maschinen auf nassen Boden fahren. "Wenn jeder Bauer nur schon auf das Feld liefe, bevor er drauf fährt..." meint Feitknecht nachdenklich. Mit dieser Kritik steht der Junglandwirt aus dem Tessin zwar nicht alleine da - und doch gehört er zu den wenigen, die sich öffentlich äussern.

Feitknecht muss sich deshalb selbst hin und wieder Kritik anhören. Aber "man kann sich nicht immer alles gut schreiben", sagt er. "Ich habe überhaupt keine Probleme, auch mal etwas zu sagen - auch wenn ich dafür kritisiert werde", sagt er. So lange die Diskussion lösungsorientiert sei, habe er überhaupt kein Problem damit. "Ich bin kein Sorgenkind."

Grundlage für Veränderung

Es ist diese Entspanntheit, die Veränderung möglich macht. Sie sorgt nämlich dafür, dass Feitknecht gedanklich flexibel bleibt. Am deutlichsten zeigt sich das auf den verschiedenen Äckern des Ramello. "Ich mache fast nie im darauffolgenden Jahr dasselbe, wie im vorigen Jahr" sagt er und grinst. Er hat verstanden, dass er ausprobieren muss, um seinen Betrieb an das Produktionsoptimum zu führen. Manchmal denkt er, dass er das Optimum vielleicht gar nie erreichen kann. Denn das Wetter kann ihm immer einen Strich durch die Rechnung machen.

Adrian Feitknecht selbst bezeichnet sich als Pragmatiker. "Ich bin kein Extremist. Aber mir hat man immer beigebracht, dass der Boden das A und O ist. Direktsaat war immer wichtig. Gründüngung auch. Einmal hatte ich den Pflug angehängt und habe auf dem Feld wieder umgekehrt. Statt zu Pflügen haben wir den Boden mit einer Scheibenegge gelockert und dann wieder gesät", erzählt er. Es ist nicht das einzige Beispiel, das zeigt, wie offen Feitknecht dafür ist, bestehende Pläne zugunsten einer besseren Lösung zu ändern. Und es zeigt, dass Veränderung gar kein grosses Projekt sein muss, sondern auch im Alltag Platz hat.

Betriebsübergabe war nicht leicht

Angst vor diesen kleinen Veränderungen hat Feitknecht nicht. Mit der Schadenfreude seiner Kollegen muss er aber leben, wenn ihm ein Direktsaat-Versuch misslingt; wenn der Misserfolg Beobachter darin bestätigt, dass der Pflug eben doch die bessere Variante wäre.

Feitknecht macht trotzdem weiter. Er weiss meistens, was er macht - oder mindestens, was er von einem neuen Versuch erwarten kann. Und er weiss auch, wann es besser ist, etwas einfach passieren zu lassen. Dieses Selbstvertrauen hat ihm geholfen, die Probleme bei der Betriebsübergabe lösen zu können. Feitknecht erzählt, wie seine Eltern mit der Betriebsübernahme alles regeln wollten. "Das Erbe, die Übernahmebedingungen. Einfach alles, damit es keinen Streit mehr gibt, wenn jemand stirbt."

Der Prozess dauerte rund fünf Jahre, war konfliktreich und für alle Beteiligten schwierig. Feitknecht redet nicht gerne über das bisher vielleicht schwierigste Kapitel in seinem Leben. Schlussendlich konnte er den Betrieb übernehmen; seine Geschwister derweil sind auch in der Landwirtschaft - seine Schwester hat einen Landwirtschaftsbetrieb übernommen, die Brüder arbeiten bei Fenaco bzw. Swissgenetics.

Potenzial des Betriebes nutzen

Auch über das Geld möchte Feitknecht nicht reden. Es sei klar, dass er Schulden habe, aber das hätten andere auch. "Mir geht es nicht ums Geld, sondern um den Betrieb und das Potenzial, das hier ist." Das Potenzial sieht Feitknecht vor allem bei den Kunden und Kundinnen. Als er den Betrieb 2016 übernahm, hat Feitknecht zuerst die Umstellung zum Biobetrieb in Angriff genommen und in einen Kuh- und Schweinestall investiert. Damals dachte er sich: "Wenn ich jetzt nicht springe, dann kann ich bald nichts mehr machen."

Volles Risiko, ohne sich dabei etwas anmerken zu lassen. "Manchmal gab es schon schlaflose Nächte", sagt Feitknecht nachdenklich. Kurze Zeit später sagt er dann: "Ich bin Unternehmer. Wenn die Kunden etwas anderes wollen, dann mache ich das." Wohin er Ramello genau entwickeln wird, ist letztlich abhängig davon, was die Kunden wollen und ob er als Landwirt in der Lage ist, diese Bedürfnisse zu erfüllen. Bis jetzt ist Feitknecht zuversichtlich. Der Betrieb ist gut aufgestellt; und an der Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse fehlt es dem Landwirt ebensowenig, wie an der Lockerheit, alte Zöpfe abzuschneiden und neue Ideen auszuprobieren.

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