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Interview mit Katharina Afflerbach: «Der erste Alpsommer war ein Aufbruch ins Ungewisse»

Katharina Afflerbach arbeitete als Marketing-Profi bei grossen deutschen Reisefirmen, als sie merkte, dass sie sich in dieser Welt nicht mehr so ganz zu Hause fühlte. Mitten auf der Karriereleiter entschied sie auszusteigen und fand sich kurze Zeit später auf einer Schweizer Alp wieder.


Auf der Alp Salzmatt, die sich im Besitz der Armasuisse befindet und von der Viehzuchtgenossenschaft Schmitten gepachtet wurde, verbrachte Katharina Afflerbach ihren Alpsommer. Auf 130 Hektaren sömmerte die Familie Aeby nebst 120 Stück Jungvieh auch ihre eigenen 9 Kühe, 17 Melkziehen und 5 Schweine. Zusätzlich bewohnten einige Hunde und Kaninchen die Alp.

Überall tatkräftig mit angepackt

Zusammen mit der Familie brachte Katharina Afflerbach jeden Morgen die Kuhmilch in die Alpkäserei und verarbeitete morgens sowie abends die Ziegenmilch auf dem Feuerherd zu frischem Rohmilchkäse. Auch sonst hat sie überall kräftig mit angepackt. Sie molk die Kühe und Ziegen, kümmerte sich um die Rinder, putzte Brunnen und pflegte die Weiden. Ausserdem konnte sie beim Heuen, Schwenten, Zäunen und Holzen mithelfen.

Katharina Afflerbach wurde von Mensch und Tier auf der Alp herzlich aufgenommen.

Das Erlebnis in einem Buch festgehalten

Die Entscheidung, eine Auszeit zu nehmen, hat Katharina Afflerbach nie bereut. Das Erlebnis war für sie sogar so prägend, dass sie ihre Erfahrung in einem Buch festgehalten hat. Im Buch «Bergsommer: Wie mir das Leben in den Alpen Kraft und Klarheit schenkte» beschreibt Katharina Afflerbach, wie die Zeit auf der Alp ihren Blick auf ihr Leben veränderte. Wir haben sie zu ihrer Erfahrung und dem Buch befragt.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten für eine Auszeit. Wieso hast du dich für den Alpsommer entschieden?

Katharina Afflerbach: Bei verschiedenen Urlauben im Alpenraum, bei Hüttenwanderungen und beim Bergsteigen, habe ich die Berge für mich als Kraftort entdeckt. Am allerwohlsten fühle ich mich oberhalb der Baumgrenze – oder im Bergwald. Wenn ich in den Bergen bin, fühle ich mich frei, klar und stark. Frei von allen Konventionen, von Erwartungshaltungen an meine Person, vielleicht auch frei von (Selbst-)Urteilen. Klar, weil ich mich auf mich besinnen kann, auf die nächsten Schritte, die ich unternehmen möchte, meinen Weg. Stark, weil die Berge mir Wurzeln wachsen lassen; dann fühle ich mich wie ein Baum, der sich in die Stürme des Lebens hineinlegen kann und doch bei sich bleibt.

Als ich entschieden hatte, dass ich mich selbstständig machen möchte, wollte ich den Übergang von meinem alten «Karriere»-Leben in meine neue Freiheit, die Selbstständigkeit, auf besondere Weise zelebrieren. Ich wollte viel Zeit am Stück in den Bergen verbringen, um hier wieder frei, klar und stark zu werden. Doch nicht als Tourist, sondern als echter «Bergler». Die Idee, auf einer Alpenvereinshütte anzuheuern, verwarf ich, weil ich befürchtete, zumeist nur drinnen zu arbeiten anstatt draußen in der Natur, nach der ich mich so sehnte. Daher entschied ich mich für die Alp, um der Natur, dem echten Leben, bei Wind und Wetter, von Werden bis Vergehen, so nah wie möglich zu sein.

Wieso in der Schweiz?

Das Schicksal hat mich in die Region Schwarzsee geführt, nahe Fribourg, wo ich 1998 ein Auslandssemester verbracht hatte. Damals wäre es mir niemals in den Sinn gekommen, dass ich 16 Jahre später als Zusennin hierher zurückkommen würde!

Hattest du vorher schon Erfahrungen auf Bauernhöfen gesammelt?

Geboren und aufgewachsen bin ich in einer herrlichen Mittelgebirgslandschaft in Deutschland, doch wenn wir hier von Mittelgebirge sprechen, dann meinen wir Hügel, die nur ein paar Hundert Meter hoch sind. Dort gab es zwar auch etwas Landwirtschaft, aber damit hatte ich keine Berührungspunkte. Wir hatten daheim nur ein paar Obstbäume, Beerensträucher und eine Katze. Die Landwirtschaft war also komplettes Neuland für mich.

Um auszutesten, ob es überhaupt etwas für mich sein würde, auf die Alp zu gehen, spendete ich einen Sommer zuvor der «Bergbauernhilfe Südtirol» eine Urlaubswoche und half auf einem Ziegen-Biohof aus. Das war das erste Mal, dass ich mir bewusst einen Bauernhof anschaute. Und was soll ich sagen? Ich habe mich dort Knall auf Fall in die Landwirtschaft verliebt. Ich war vom gepolsterten Bürostuhl aufgestanden und im Ziegenstall wieder aufgewacht. Der Wechsel war sehr intensiv, die Tiere und das Leben und Arbeiten im Einklang mit der Natur hat mich auf Anhieb fasziniert.

Welche Arbeit gefiel dir am besten / am wenigsten?

Ich liebe alles, was mit den Tieren zu tun hat, auch wenn es oft eine Herausforderung ist, Rinder, die nur moderne Laufställe und den Menschen kaum gewohnt sind, in den alten Anbindeställen auf der Alp an ihren Platz zu bekommen. Auch das Zäunen genieße ich sehr, in dieser Arbeit versinke ich wie in einer Meditation, Zaunpfahl für Zaunpfahl, Agraffe für Agraffe. Das Holzen ist auch eine meiner Lieblingsarbeiten. Der Duft der Fichten hüllt mich ein. Auch wenn es mir schmerzt, einen Baum zu fällen.

Beim Zäunen findet Katharina Afflerbach zur Ruhe.

Ich liebe alle Arbeiten, selbst das Ausmisten oder Brennnesseln mähen, da alles seinen Platz und seinen Sinn hat.

Was hast du am meisten vermisst während der Zeit auf der Alp?

Ich kann vollen Herzens sagen, dass ich nichts vermisst habe. Im Gegenteil: Die Alp und die herzliche Gastfamilie haben mich so reich beschenkt, dass er mir an nichts gemangelt hat. Auch wenn viele Arbeiten und Situationen für mich in den ersten Wochen natürlich schwierig waren und ich immer wieder an meine Grenzen gekommen bin. Aber genau dafür bin ich auch auf die Alp gegangen: um wieder im echten Leben mit allem, was dazugehört, zu sein – und nicht mehr in dieser künstlichen Büro- und Karrierewelt.

Was ist das Wichtigste, das du während der Zeit gelernt hast?

Die Alp hat mir meine Freiheit zurückgeschenkt. Ich lasse mich jetzt nicht mehr verbiegen und stehe zu meinen Werten und meiner Meinung.

Du warst seither schon mehrere Sommer auf der Alp, gehst du immer zur gleichen Familie? Wirst du auch weiterhin deine Sommer auf der Alp verbringen?

Ja, ich war drei Sommer als Angestellte bei Familie Aeby zu Gast und besuche sie jetzt jeden Sommer immer noch mehrere Wochen lang. 2018 ist Familie Aeby auf eine andere Alp umgezogen: Alp Zehndersvorsass (Bern) im Hengstschlund.

Die Alp Salzmatt in Schwarzsee.

Wer weiß, ob ich eines Tages wieder einen ganzen Sommer auf die Alp gehe!? Ich habe so viele Ideen und beginne z.B. bald die Ausbildung zur Bergwanderführerin.

Wie hat dein Umfeld auf deine Entscheidung reagiert?

Die Menschen, die mir wichtig sind, haben mich zu 100% unterstützt. Vielleicht haben sie meinen Weg nicht verstanden, weil sie zu wenig von dem Leben auf der Alp wussten und nicht nachempfinden konnten, warum ich mich auf dem Bergbauernhof in Südtirol damals in die Landwirtschaft und das Arbeiten mit den Tieren verliebt hatte. Doch das hat sie nicht davon abgehalten, mir beizustehen und mir bei meinem Abenteuer mitzufiebern, und dafür bin ich sehr dankbar.

Was hat dich dazu bewogen, dieses Erlebnis in einem Buch festzuhalten?

Jeder meiner drei Alpsommer war so unterschiedlich und so wertvoll für mich. Der erste Sommer war ein Aufbruch ins Ungewisse. Ein Eintauchen in eine Welt, die ich nicht kannte und von der ich nicht wusste, ob ich sie würde bewältigen können. Mit vielen, vielen Höhen, aber auch einigen derben Tiefen. Der zweite Sommer war perfekt, ein Alpsommer zum Genießen. Ich kannte das Gebiet, die Weiden, die Tiere, die Handgriffe und natürlich die liebgewonnene Familie.

Der dritte Alpsommer stand unter dem Stern der Trauer. Etwa drei Wochen, bevor ich z’Bärg ging, war mein kleiner Bruder Florian bei einem tragischen Unfall getötet worden. Meine Welt stand Kopf. Die Alp gab mir für diese schwere Zeit der ersten Trauerphase ein Zuhause und einen Halt, denn ich wurde ja morgens um halb sechs im Stall erwartet. Ich konnte meinen Platz wieder einnehmen, mich in den Rhythmus der Alp fallen lassen und meinem Schmerz Raum geben.

Dadurch, dass jeder Sommer ein ganz eigenes Erlebnis war, kam ich zu dem Schluss, dass mein Weg für andere Menschen von Interesse sein könnte. Vielleicht steht der eine oder andere auch an einem Punkt in seinem Leben, an dem er sich die Frage stellen möchte, in welche Richtung es weitergehen soll. Was wirklich wichtig ist. Mein Buch lädt ein zum Miterleben und Mitfühlen und vielleicht auch zum Träumen.

Buchverlosung

Wir verlosen drei Exemplare des Buches «Bersommer» von Katharina Afflerbach. Zum Wettbewerb

Zum Buch

Katharina Afflerbach
Bergsommer: Wie mir das Leben in den Alpen Kraft und Klarheit schenkte
240 Seiten, Eden Books

Inhalt: Eine junge, erfolgreiche Frau steigt aus – raus aus dem Großstadtleben, rauf auf eine Alp in den Schweizer Bergen. In drei Sommern erfährt Katharina Afflerbach, was es heißt, ein Leben zu führen, das von Tieren, körperlicher Arbeit und von Wind und Wetter bestimmt wird: morgens um halb sechs Ziegen melken, Rinder auf die Weiden führen, Käse machen, Heu mähen und Bäume fällen. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang gibt es zu tun, alle müssen sich dafür aufeinander verlassen können, und Arbeit und Leben gehen Hand in Hand. Während der Sog der Berge Katharina fest im Griff hat, verliert sie drei Wochen vor ihrem dritten Alpsommer ihren kleinen Bruder durch einen tragischen Unfall. Zwischen Berg und Tal sucht und findet sie Trost in der Natur, bei den Tieren und der engen, herzlichen Alpgemeinschaft. Sie kommt gestärkt wieder, mit einem neuen Blick auf ihr Leben und ihre Zukunft. Ein Buch, das Mut macht, neue Wege zu gehen und dabei aufregende Seiten an sich zu entdecken. (Quelle: Eden Books)

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