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Interview: «Agriviva ermöglicht nachhaltige Erlebnisse»

Seit 2015 ist Andrea Bory Präsidentin von Agriviva. Im Interview spricht sie über ihre Motivation, die Arbeit auf dem Hof und künftige Herausforderungen.


Was motiviert Sie, bei Agriviva als Präsidentin zu amten?

Andrea Bory: Ich habe als Jugendliche den Bauernhof dank einer Schulfreundin entdeckt und seither hat mich dieses abwechslungsreiche und sinnstiftende Arbeits- und Lebensumfeld fasziniert und nicht losgelassen. Diese Begeisterung möchte ich noch vielen Jugendlichen weitergeben.

Wie profitieren die Jugendlichen von der Arbeit auf dem Bauernhof?

Durch ihre aktive Mithilfe, ihrem Interesse am «Wie und Warum», können sie ihre eigenen Fähigkeiten erproben und erweitern. Das neue Umfeld bietet ein breites pädagogisches Spektrum. Sowohl die Integration in eine neue Familie, neue Werte und Traditionen, die Arbeit mit Tieren, sowie die Herausforderung der körperlichen Arbeit und die Ausdauer bieten wertvolle Erfahrungen für die persönliche Entwicklung der Jugendlichen. Viele Jugendliche machen auch von der Möglichkeit Gebrauch, durch den Einsatz in einem anderen Sprachgebiet ihre Fremdsprachenkenntnisse zu festigen bzw. zu verbessern.

Vor rund 10 Jahren hat die Organisation den Namen von Landdienst in Agriviva geändert. Hat der neue Name die Erwartungen erfüllen können?

Agriviva ist nach 10 Jahren für die jüngere Generation, vor allem auch dank den Schulen, welche unser Angebot bekanntmachen, ein Begriff. Ihre Eltern und Personen ab 45 haben im Hinterkopf noch den Begriff des «Landdienstes» präsent, sogar in der Westschweiz. Er beinhaltet für sie noch mehr die Komponente der aktiven Mitarbeit, welche sie auch sinnvoll finden für die zukünftige Arbeitseinstellung ihrer Sprösslinge, im Sinne wie: «Bei den Bauern lernst du arbeiten und das tut dir gut». Mit Agriviva sind wir eher auf Kurs mit dem Entdecken, Anpacken und Gewinnen -unserem Leitmotiv.

2021 feiert Agriviva - 1946 als Landdienst gegründet - das 75-Jahr-Jubiläum. Zu diesem Anlass publiziert der LID bereits am Mittwoch, 17. Juni 2020, ein Dossier zu Agriviva. 

Die Gesellschaft ändert sich, wird digital. Wie reagiert Agriviva auf diese Herausforderungen?

Agriviva hat seit 10 Jahren seine eigene Website, auf welcher alle Anspruchsgruppen die für sie relevanten Dokumente finden und herunterladen können. www.agriviva.ch bietet eine effiziente Online-Reservationsplattform an. Die Produktion von Nahrungsmitteln hat sich zu einem gewissen Teil digitalisiert, aber lange nicht alle Abläufe. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass Nahrungsmittel, welche in der uns umgebenden Natur wachsen und umweltbewusst produziert werden, die beste Grundlage für unsere Gesundheit sind. Dazu kommt noch die einfache und abwechslungsreiche Veredelung in der Familienküche, welche keine konservierenden oder geschmacksverstärkenden Zusatzstoffe benötigt und die wertvollen Inhaltsstoffe am besten unserem Körper zur Verfügung stellt. Diese Abläufe können Jugendliche in ihrem Einsatz erleben.

Soziale Medien prägen heute das Leben vieler Jugendlicher. Wie ist Agriviva dort präsent?

Wir haben unsere Werbemassnahmen von Papierform auf digitale Ebenen gebracht mit regelmässigen Posts auf Facebook und Instagram. Broschüren und Poster versenden wir noch auf Anfrage für Anschlagbretter in Gemeinden oder Schulen oder auf Messen und Veranstaltungen. Die digitale Vernetzung unter den Jugendlichen bietet auch ein Werbepotential. Zudem bleiben viele Bauernfamilien gerade über die sozialen Medien mit Jugendlichen weiterhin über den Einsatz hinaus in Kontakt.

Die Arbeit auf dem Feld galt zu Beginn von Agriviva als Ausgleich zur Arbeit in der Industrie. Auch auf den sozialen Medien zeigen sich viele Jugendliche gerne in der Natur. Hilft diese «romantische Sehnsucht» noch immer, Jugendliche für Agriviva zu begeistern?

Ich möchte diese «romantische Sehnsucht» relativieren, denn das war ja die Landwirtschaft eigentlich nie. Denn es geht um eine sinnvolle und nachhaltige Produktion von Lebensmitteln, welche es den Bauernfamilien ermöglicht, ihren finanziellen Verpflichtungen im wirtschaftlichen Umfeld Schweiz nachzukommen. Die Herausforderung zur Weiterentwicklung von ökologischen Massnahmen, das Bewusstsein, seinen Teil dazu beitragen zu können, soll Agriviva-Jugendliche begeistern, an einem Einsatz teilzunehmen.

Rund 14 Prozent der Teilnehmenden leben im Ausland. Haben Jugendliche aus dem Ausland eine andere Motivation zur Teilnahme als Jugendliche aus der Schweiz?

Jugendliche aus dem Ausland kommen entweder, um gleichzeitig eine Region der Schweiz zu entdecken, oder weil es ein solches Angebot der sinnvollen Familienintegration und geregelter Arbeitserfahrung in ihrem Land nicht gibt. Für Auslandschweizer ist Agriviva auch eine Möglichkeit, ihr entferntes Heimatland auf eine andere Weise als mit Verwandtenbesuchen kennenzulernen. Die Motivationen sind eigentlich dieselben: Eine andere Familie mit ihren Werten kennenlernen, sich austauschen und das Arbeitsumfeld der Nahrungsmittelproduktion erleben.

Das Wissen in der Stadt über die Landwirtschaft ist meist klein. Welche Bedeutung hat Agriviva in der Kommunikation der Landwirtschaft?

Agriviva ist Teil der Projekte der Basiskommunikation des Schweizer Bauernverbands und wird von den Landwirtschaftsämtern der Kantone in Form von Vermittlungsstellen oder Beiträgen unterstützt. Wir sprechen sehr spezifisch einen definierten Teil der Bevölkerung an, welcher am Übergang zum gesellschaftspolitisch bewussten Bürger steht. Ausserdem ist unser Angebot pädagogisch sehr wertvoll, da es über die verschiedenen Sinne nachhaltige Erlebnisse ermöglicht. Diese Aspekte werden denn auch bei den Kommunikationsvektoren der Landwirtschaft hervorgehoben.

Welche Herausforderungen sehen Sie künftig für Agriviva?

Eine grosse Herausforderung ist aktuell die Suche nach genügend Einsatzplätzen, da sich die Landwirtschaft stark mechanisiert hat, also die Jugendlichen nicht mehr bei allen Arbeiten dabei sein können und viele Betriebe aufgrund von Nebenerwerbseinkommen durch den Betriebsleiter oder der Bäuerin nicht mehr die erforderte Zeit und Energie haben, um einen Jugendlichen die Landwirtschaft «entdecken und anpacken» zu lassen. Zudem ist die Anzahl Bauernhöfe und damit die Anzahl an potentiellen Gastfamilien über die Zeit drastisch zurückgegangen. Es müssen weitere Formen für das Entdecken-Anpacken-Gewinnen gefunden werden, wie zum Beispiel Landschulwochen oder Freizeitplätze oder vielleicht hat ja auch das nicht-bäuerliche Publikum noch andere Ideen! Eine Herausforderung bleibt weiterhin die Finanzierung unseres Angebots, welches eine hohe Dienstleistungsqualität hat. Wir möchten dabei die Preise für Jugendliche und Bauernfamilien in einem gewissen Rahmen halten, da sie ja persönlich bereits viel geben.

Wo steht Agriviva im Jahr 2030?

Ich wünschte mir, dass die Jugendlichen vor ihrem 25. Altersjahr, welche in ihrer Schulzeit nicht an Schule auf dem Bauernhof-Anlässen teilnehmen konnten, mindestens eine Woche auf einem Bauernhof verbringen, um sich mit der Arbeit für eine nachhaltige Grundnahrungsmittelproduktion auseinanderzusetzen. Dies sollte Teil der nachhaltigen Erziehung im respektvollen Umgang mit Ressourcen im Alltag werden. So hilft die Bevölkerung auch mit, sinnvolle Vorschläge für die Weiterentwicklung unserer unabhängigen Nahrungsmittelproduktion zu machen.

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