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Hochwasserschutz Thur: Die Kontrahenten gehen aufeinander zu

Die Diskussion zwischen Gegnern und Befürwortern war sachlich. Die Suche nach einer gemeinsamen Lösung scheint möglich.   


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Das geplante und vom Kanton Thurgau abgesegnete Hochwasserschutzprojekt Weinfelden-Bürglen würde einen Verlust von Kulturland zur Folge haben. Die IG Thur, die vehement dagegen kämpft, konnte kürzlich einen Teilerfolg verbuchen: Nachdem das Verwaltungsgericht eine Beschwerde von betroffenen Landwirten ­gutgeheissen hat, müssen die Standortgemeinden Weinfelden, Bürglen und Bussnang den Gewässerraum neu festlegen (BauernZeitung vom 15. Februar). Diese neue Ausganglage war Anlass für eine Podiumsdiskussion, welche die IG Thur am Mittwoch in Weinfelden veranstaltete. Dabei wurden beide Varianten – die offizielle und die von den Gegnern vorgeschlagene Alternative – erörtert.

Es geht um 20 Hektaren

Die Variante des Kantons, vorgestellt von Regierungsrätin Carmen Haag, sieht vor, beim Exerzierplatz innerhalb der Dämme 20 Hektaren Ackerland zu extensivieren, was den Schutz vor Hochwasser gewährleisten soll. Die alternative Variante wurde von Hans Bieri von der Schweizerischen Vereinigung Industrie und Landschaft SVIL vorgestellt. Gemäss dieser soll der Hochwasserschutz mit weniger Flussaufweitung und Ökologisierung möglich sein. Zudem müsste weit mehr Ackerland erhalten bleiben, insbesondere beim Exerzierplatz. 

Teilnehmende an der anschliessenden Podiumdiskussion waren für die Variante des Kantons Kantonsrätin Christine Steiger und Kantonsrat Toni Kappeler. Für die Variante «Alternative» Kantonsrat Andreas Guhl und Kantonsrat Hans Eschenmoser.

Acker versus Blumenwiese

Das Gespräch begann mit klaren Worten: «Die Bauern haben an der Thur viel Land gewonnen. Jetzt ist es an der Zeit, davon wieder ein bisschen abzugeben», meinte Christine Steiger. Toni Kappeler als Präsident der Pro Natura Thurgau forderte, den ursprünglichen Gewässerraum wiederherzustellen und die Thur zu revitalisieren, was auch den gesetzlichen Grundlagen entspreche. Andreas Guhl stellte daraufhin klar: «Der Exerzierplatz ist tabu.» Um diesen zu schützen, müsste die Interventionslinie näher zur Thur verschoben werden. Weshalb der Exerzierplatz den Bauern so wichtig ist, erklärte Hans Eschenmoser als Betroffener: «Die über 20 Hektaren sind produktives Land, welches viel Ertrag bringt.» 

Eine Extensivierung bringe ihm zwar ebenfalls Geld. Dieses stamme jedoch aus Steuergeldern und sei nicht selbst erwirtschaftet. Christine Steiger konterte: «Auch die Pflege einer Öko-Wiese ist Arbeit und soll entlöhnt werden.» Dadurch entstehe zum Beispiel wichtiger Lebensraum für Bienen und Insekten.

Verständnis für Bauern

Ständerat Roland Eberle stellte als Moderator des Podiumsgesprächs fest, das Schwierige an diesem Konflikt sei die Interessenabwägung: «Alle müssen berücksichtigt werden, die Natur, die Bauern, die Bevölkerung und viele mehr.» Während des Gesprächs prallten zwar gegenläufige Interessen aufeinander, die Stimmung war dennoch nicht gereizt. Es schien, als seien viele Beteiligte inzwischen müde vom ergebnislosen Kämpfen.

Der im Publikum anwesende Markus Hausammann, Präsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft, lobte in seinem Votum, dass man in diesem Streit bereits viel mehr aufeinander zugehe. Zudem wurde wiederholt auch Verständnis für die bäuerlichen Anliegen geäussert. So räumte Toni Kappeler ein: «An der Interventionslinie soll es nicht scheitern, solange dem Hochwasserschutz und der Ökologisierung genügend Rechnung getragen wird.»

Offen für Kompromiss

Carmen Haag betonte, das Alternativ-Projekt der IG Thur sei keine akzeptable Variante. Sie liess jedoch Kompromissbereitschaft durchblicken: «Ich kann mir vorstellen, dass wir eine gemeinsame Lösung finden können.» Eine Möglichkeit wäre es, den Bauern den Exerzierplatz als Ackerland zu lassen. «Versprechen kann ich nichts, ich werde aber tun, was ich kann», sagte die Regierungsrätin. «Damit könnte das Projekt endlich deblockiert werden.» Dann erinnerte sie daran, dass gegen ein neu aufgelegtes Projekt erneut Einsprache erhoben werden könnte, was wiederum Rechtsstreitigkeiten und sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde. 

Geduld ist auch so gefragt: Zunächst bleibt abzuwarten, wie der Gewässerraum von den betreffenden Gemeinden neu definiert wird, bevor das Projekt weiter beurteilt werden kann. Ob die verschiedenen Interessen tatsächlich berücksichtigt werden und die versöhnliche Stimmung an diesem Gesprächsabend Bestand hat, wird sich noch zeigen müssen.

Alexandra Stückelberger

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