Haben Sie noch kein Abo der BauernZeitung?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits BauernZeitungs-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 17:00 Uhr

 

Haben Sie noch kein Abo der BauernZeitung?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits BauernZeitungs-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 17:00 Uhr

 

Werbung

Hitzestress bei Sauen: Wie muss die Fütterung im Sommer angepasst werden?

Die Sauen nehmen weniger Nährstoffe auf, wenn für die Hitzeperiode keine Vorkehrungen getroffen werden durch Anpassen der Futterzusammensetzung und des Fütterungsregimes.


von Fredi Gerber/Alltech Biotechnology Schweiz GmbH
Publiziert: 22.07.2019 / 10:10

Wie wir selber, leiden speziell auch die hochleistenden Zuchtsauen bei Sommerhitze. Wird die Fütterung nicht vorsorglich angepasst, steigen die Gefahren von erhöhtem Gewichtsverlust während der Laktation, häufigem Umrauschen, leeren Sauen, kleinen Würfen, Klauenproblemen, erhöhter Krankheitsanfälligkeit, reduzierter Lebensdauer.

Hitze senkt die Futteraufnahme

Während der Erhaltungsbedarf einer trächtigen Sau mit nur 2-3 Kilogramm Futter pro Tag gedeckt wird, benötigt eine laktierende Sau mit 14 Ferkeln, mindestens 2+ (14 x 0,5) = 9 kg Futter pro Tag. Sie erreicht aber selten eine so hohe Futteraufnahme. Die fehlende Energie zur Bereitstellung der Milch bezieht sie durch Verbrennen ihres Körperfettes und aus den Muskeln. Und während der Hitzebelastungszeiten im Sommer sinkt die Futteraufnahme noch weiter, was zu einem noch schlechteren Zustand für Sauen und einem geringen Gewicht für Ferkel beim Absetzen führt.

Der Grund, warum Sauen nicht so viel Futter fressen wie sie benötigen, insbesondere während der Hitzebelastungsperioden, ist, dass die Futterverdauung Wärme erzeugt. Das Aufstehen, Kauen und Schlucken, Verdauen, Absorbieren und anschließendes Verstoffwechseln des Futters in Milch, Ausscheiden von Abbauprodukten sind einige der Ursachen für die unvermeidlichen Verluste aufgrund der allgemeinen thermodynamischen Gesetze. Und wenn das Tier versucht auf irgendeine Weise den Hitzestress zu minimieren, kann dies unmöglich durch eine herzhafte Mahlzeit geschehen. Da sind sich Praktiker und Wissenschaftler einig, hitzegestresste Tiere nehmen weniger Futter auf. Es gibt jedoch Möglichkeiten, dieses Dilemma teilweise zu lindern. Einige davon betreffen die Fütterung.

Laktierende Sauen können in den warmen Sommermonaten unter Hitzestress leiden, es gibt jedoch Anpassungsmöglichkeiten beim Füttern, die die Hitzeauswirkungen lindern. Im Bereich Fütterung gibt es zwei Wege zur Linderung von Hitzestress: Futterzusammensetzung und Fütterungsmanagement. Es ist jedoch nicht immer einfach, ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen, da noch zusätzliche Faktoren als die hier beschriebenen ins Spiel kommen. Um optimale Ergebnisse zu erreichen, sollte deshalb immer auch der Rat eines qualifizierten Agronomen eingeholt werden.

Futterzusammensetzung anpassen

  • Nährstoffdichte: Es wird allgemein angenommen, dass ein Teil der bedarfsdeckenden Nährstoffaufnahme auch während der Sommermonate aufrechterhalten werden kann, wenn die Nährstoffdichte proportional zur erwarteten Verringerung der Futteraufnahme zunimmt.
    Wenn die Futteraufnahme beispielsweise voraussichtlich um 10% sinkt, sollten alle Nährstoffe (einschließlich Vitamine, Mineralien und Spurenelemente) um 10% erhöht werden, um die Verringerung der Futteraufnahme auszugleichen. Für mehrere Nährstoffe gibt es jedoch Herstellungsgrenzen, die diese Strategie einschränken können. Zum Beispiel ist es nicht immer möglich, mehr als 6-8% Fett zuzusetzen. Auch die Konzentration bestimmter Zusatzstoffe kann aufgrund von Vorschriften nicht verändert werden. Daher sollte diese Strategie immer mit einer anderen kombiniert werden, um die Wirksamkeit zu erhöhen.
    Zudem ist es manchmal auch finanziell nicht möglich, ein sehr konzentriertes Futter anzubieten, da die Mehrkosten durch die benötigten, teureren Inhaltsstoffe nicht mehr bezahlt würden.
  • Proteinkomponenten: Überschüssiges Protein wird vom Körper ausnahmslos in Form von Harnstoff desaminiert und ausgeschieden. Dieser Prozess benötigt Energie und erzeugt Wärme und deshalb ist es sehr zu empfehlen, überschüssiges Eiweiß zu reduzieren und die nötige Proteinqualität durch Aminosäuren-Zulagen zu ergänzen. Dabei ist das Ausmaß der RP-Reduktion eine Frage der Futterformulierung, der verfügbaren Rohstoffe und der Kosten für Aminosäuren; das Futter soll ja alle Aminosäuren in bedarfsgerechter Menge enthalten. Dies ist der Bereich, in dem die meisten Unterlassungen oder Fehler gemacht werden, aber er kann bei richtigem Vorgehen einem hitzebelasteten Tier große Erleichterung verschaffen.
  • Faserkonzentration: Die Verdauung und der Stoffwechsel der Fasern erzeugen im Vergleich zu Kohlenhydraten und Eiweiß erheblich mehr Wärme als mit Fett und Lipiden, die die geringste Menge an innerer Wärme erzeugen. Daher ist eine der gebräuchlichsten Maßnahmen zur Bekämpfung von Hitzestress die Reduzierung von Ballaststoffen (wiederum hängt das genaue Ausmaß der Reduzierung von der Anfangskonzentration und anderen oben beschriebenen Faktoren ab). Es ist darauf zu achten, dass den Sauen ein starkes Darmaktivierungsmittel wie Trester oder Prebiotika zur Verfügung gestellt wird, um die Wirkung der Reduzierung der Ballaststoffe auszugleichen.Dennoch sollte ein gutes Gleichgewicht zwischen fermentierbaren und unlöslichen Faserfraktionen aufrechterhalten werden, um die ordnungsgemäße Funktion des Verdauungssystems sicherzustellen, insbesondere um die Gesundheit des Dickdarm-Ökosystems nicht zu beeinträchtigen.
  • Fette und Öle: Aus dem Obigen folgt, dass Fette und Lipide nicht nur die Nahrungsdichte erhöhen, sondern auch weniger Wärme während der Verdauung und des Stoffwechsels erzeugen. Daher werden Rationen mit hohem Fett- und Fettgehalt fast immer zur Bekämpfung von Hitzestress empfohlen. Es ist jedoch immer unabdingbar, auch alle Aminosäuren und anderen Nährstoffe (proportional) zu erhöhen, um eine unausgewogene Ernährung zu vermeiden. Hier sind trockene (teure) oder extrudierte Vollfettsojabohnen oder Leinsaat sehr nützlich, um eine ausgewogene neue Sommerformel zu erstellen, wenn die Zugabe von extra reinem Öl oder Fett nicht möglich ist.
  • Additive: Forschungs- und Praxiserfahrungen haben eindeutig gezeigt, dass die Zugabe bestimmter Zusatzstoffe die Futteraufnahme bei säugenden Sauen tatsächlich verbessern kann. Einige Zusätze wirken durch bessere Verdaulichkeit, andere durch zunehmende Schmackhaftigkeit, weitere durch Steuerung der internen Stoffwechselprozesse zur Reduzierung der Wärmeabgabe wie. Zugesetzte Enzyme, speziell Phytase und fermentierte Weizenkleie helfen mit, die Nährstoffe im Futter besser verfügbar zu machen um die Futterreduktion zu kompensieren. Da die Darmzellen konstant entscheiden müssen, ob ein Nährstoff für den Körper akzeptabel oder als krankmachend gilt, hat eine gute Darmgesundheit eine prioritäre Bedeutung. Organische Säuren, Pro- und Prebiotika und Kräuter sorgen für einen gesunden Darm. Die Auswahl der richtigen Zusatzstoffe ist sehr wichtig, da sie leicht sehr teuer werden können, wenn sie keinen wirklichen Vorteil bieten.
    Zusätzliche Vitamine. Bei anderen monogastrischen Arten hat sich gezeigt, dass bestimmte Vitamine Tieren unter Hitzestress helfen. Dies ist ein neuer Bereich für Schweine, der weiterhin wenig Beachtung findet. Im Speziellen scheint es, dass Vitamine via Wasser einige zusätzliche Vorteile bieten.
  • Organisch gebundene Spurenelemente: Qualitativ hochstehende Futter und Vormischungen enthalten wichtige Salze, Elektrolyten und Spurenelemente auf Basis von Peptiden und Hefe. Auch wenn reduzierte Futtermengen gefressen werden, erlauben diese eine optimale Versorgung für den Stoffwechsel, die Krankheitsabwehr, die Leistungsbereitschaft und die Fruchtbarkeit.
  • Belastende Faktoren aus der Umwelt eliminieren: Vor allem aus der Einstreu und dem Raufutter, seltener aus Getreide und Proteinen lauert die Gefahr von Mykotoxinen und Abbauprodukten. Diese können mit Produkten aus Hefe und Algen und wirksamen Antioxidantien effizient unter Kontrolle gehalten werden. Die Abbauprodukte der Proteinverdauung können den Stoffwechsel belasten und viel Energie zur Entgiftung verpuffen. Die Begrenzung von Rohprotein – bei guter Aminosäureversorgung - gekoppelt und mit der effizienten Proteinverwertung mit Hilfe von natürlichen Enzymen, reduzieren den Stoffwechselaufwand und die Stickstoffausscheidung.

Fütterungsmanagement anpassen

  • Pelletierte und hitzebehandelte Futter: Das Pelletieren von Nahrungsmitteln erhöht die physische Dichte, was zu einer höheren Aufnahme von Nährstoffen bei einer bestimmten Futtermenge führt. In Kombination mit einer erhöhten Nährstoffdichte tragen diese beiden Strategien entscheidend zur Aufrechterhaltung einer höheren Nährstoffaufnahme bei Hitzebelastung bei.
  • Flüssigfutter: Einer der Hauptvorteile der Flüssigfütterung besteht darin, dass ein Tier in den Sommermonaten mehr Futter aufnehmen kann. Vielleicht ermöglicht die erhöhte Wasseraufnahme eine bessere Kontrolle der Innentemperatur im Vergleich zu trocken gefütterten Schweinen. Oder flüssige Rationen sind leichter einzunehmen und vielleicht sogar schmackhafter als Trockenfutter.
  • Kühles Wasser: Es hat sich gezeigt, dass Schweine, die bei Hitzebelastung mit kaltem Wasser versorgt werden, eine bessere Leistung erbringen können. Außerdem verbrauchten Schweine mit kaltem Wasser weniger Wasser pro Tag als Kontrollschweine. Dies zeigt, dass kühleres Wasser es Schweinen ermöglichte, ihre Körpertemperatur als Reaktion auf Hitzestress schnell anzupassen. In den meisten Betrieben ist es eine Herausforderung, kühles Wasser zu finden, es sei denn, dieses wird von tiefen Brunnen bereitgestellt.
  • Fütterungszeit: Die Fütterung in den kühleren Abendstunden oder sogar in der Nacht wurde als wirksame Maßnahme gegen starke Sommerhitze eingesetzt. Dies könnte zu einem Anstieg der Arbeitskosten führen, aber es ist eine sehr effektive Methode. Bedauerlicherweise ist es auch eines der am wenigsten beachteten weltweit.
  • Fütterungsfrequenz: Kleinere und häufigere Mahlzeiten verhindern Sauen vor Überladung mit Futtermitteln und dem Entstehen einer Überladung mit Wärme, die in kurzer Zeit freigesetzt wird. Die genaue Anzahl der zusätzlichen Fütterungen hängt von der verfügbaren Arbeit ab, aber auch das Wechseln von zwei zu drei Fütterungen pro Tag kann eine gewisse Erleichterung bringen.
Werbung
Werbung
War dieser Artikel lesenswert?
Kommentar erfassen
Schweinezucht: grössere Würfe bringen mehr Stress. Wichtiger sind deshalb tiefe Ferkelverluste.
13.07.2019
Es ergibt wenig Sinn, auf immer höhere Leistung wie grössere Ferkelwürfe zu züchten. In der Schweiz wird stattdessen auf sinkende Ferkelverluste gezüchtet.
Artikel lesen
Mutterschweine bringen immer mehr Ferkel pro Wurf zur Welt. Das bringt aber nicht nur Vorteile. Werden die Würfe zu gross, sterben mehr Ferkel und die Sauen magern stärker ab. Finanziell gesehen liegt bei einer übermässigen Steigerung der Anzahl Tiere pro Wurf kaum mehr etwas drin. Sauen können nur so viele Ferkel aufziehen, wie sie Zitzen haben, denn jedes Ferkel beansprucht eine eigene Zitze. ...
Werbung
Werbung
Werbung
Leser-Schnappschüsse Weitere Schnappschüsse Senden Sie uns Ihre Schnappschüsse!