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«Hier sehe ich die Zukunft der Landwirtschaft»

Die Zielvorgabe scheint klar zu sein: Die Landwirtschaft muss nachhaltiger werden und von Konsum und Politik darin unterstützt werden. Darüber war man sich am Forum «Kurswechsel» einig.


Die Teilnehmenden am Forum «Kurswechsel» von Biovision waren sich bemerkenswert einig: Das Schweizer Ernährungssystem muss nachhaltiger werden, das heisst mehr Bio, mehr Gemüse und Früchte, weniger Pflanzenschutzmittel und Food Waste, bewusster Konsum, keine Ackerflächen für die Futterproduktion. Einigkeit herrschte auch darüber, dass den Konsumenten bei dieser Umgestaltung eine wichtige Rolle zukomme. «Der Konsument entscheidet am Ladentisch klar mit, wie produziert wird», betonte Christian Hofer, Direktor des Bundesamt für Landwirtschaft BLW. Warum sich trotzdem bisher nur wenig und langsam– für Hans Herren, Co-Präsident des Weltagrarberichts deutlich zu wenig und zu langsam – getan hat, wurde in der Diskussion stellenweise klarer. 

Die Sache mit den Preisen

Damit Konsumenten die richtigen Entscheidungen treffen können, um eine nachhaltige Produktion zu unterstützen, muss der nachhaltige Konsum einfacher werden, meinte Dominik Waser. Es sei z. B. schwierig, nicht-normgetreues Gemüse zu kaufen, wenn es im Supermarkt nicht angeboten wird, führte der Klimaaktivist und Gründer des Vereins Landwirtschaft mit Zukunft aus. 

Biobäuerin und Ständerätin (Grüne/BL) Maya Graf brachte dazu einige Vorschläge: Sie würde bei der Deklaration ansetzen, etwa bei ausländischen Produktionsmethoden (Massentierhaltung, Spaltenböden). Wie Waser und Christian Hofer betonte sie ausserdem die Kostenwahrheit als wichtigen Hebel. «40 bis 50 Prozent unserer Lebensmittel werden importiert und zu Dumpingpreisen verkauft. Das geht zu Lasten der Umwelt und der Menschen im Ausland», so Graf. 

Für den BLW-Direktor ist der Preis aber nur ein Ansatzpunkt. Es gehe auch um die Aufmachung von Produkten, deren Attraktivität. Hofer prangerte hierbei den massiven Einkaufstourismus an, vor allem bei in der Schweiz teuren Fleisch- und Milchprodukten.

«Die Konsumenten müssen umstellen. Es geht nicht, immer mehr von allem zu haben», meinte Hans Herren dazu. Ohne Zweifel brauche es aber wahre Preise, denn «Bio ist in Wahrheit billiger».

Rebecca Clopath als gutes Beispiel

Ebenfalls an der Diskussion beteiligt war die Bündner Naturköchin und Mit-Biobäuerin Rebecca Clopath. Sie arbeitet eng mit Biobauern zusammen und auf dem ehemaligen Betrieb ihrer Eltern mit. Zudem bietet sie «Essenswahrnehmungen» an, bei denen sie ihren Gästen ausschliesslich Produkte aus der Region serviert und deren Herkunft erläutert. Für sie sei diese Art der Verbindung von Landwirtschaft und Gastronomie ihre Möglichkeit gewesen, ihren Teil beizutragen. «Handelt, stellt etwas um. Man muss sich umgewöhnen, dann haben wir eine Chance», appellierte sie an jeden Einzelnen.

Christian Hofer gratulierte Clopath zu ihrem Weg, «hier sehe ich die Zukunft er Landwirtschaft», so der BLW-Direktor. 

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Als Vertreter der Jugend, die im Ernährungssystem mitreden und -gestalten wollen, waren Dominik Waser die Rahmenbedingungen ein Anliegen. «Es geht nicht darum, einen Schuldigen zu finden. Es braucht einen Systemansatz». Seiner Meinung nach haben Bäuerinnen und Bauern trotz diverser Verbände und politischen Vertreter kaum eine Stimme in der Politik. «Wenn es nach den Bauern ginge, sähe die Landwirtschaft heute sehr anders aus», ist sich Waser sicher. Mit Landwirtschaft mit Zukunft und dem Ernährungsparlament wolle er hier eine Alternative zur institutionellen Politik bieten und Bäuerinnen und Bauern eine Stimme geben. 

«Es braucht Lenkungsabgaben, z. B. auf Pflanzenschutzmittel oder Stickstoff. Das würde auch eine Preisverschiebung bringen», meinte Ständerätin Maya Graf. Christian Hofer schien Anreize und regulatorische Massnahmen zwar zu bevorzugen. Sollte das aber nicht ausreichen, sähe er auch Lenkungsabgaben als gangbaren Weg.

«Politisch schwer durchzubringen»

Lenkungsabgaben seien ursprünglich im Absenkpfad Pestizide vorgesehen und vom Bundesrat unterstützt worden, «sie wurden aber von der Politik wieder gestrichen», hob Hofer hervor. Dieses Instrument sei also politisch schwer durchzubringen. Mit den Direktzahlungen mache man aber schon viel und unterstütze beispielsweise Bio-Betriebe mit höheren Beträgen. 

Es seien drei Kräfte, die zusammenspielen müssten: Die Politik macht die nachhaltige Produktion attraktiv, die von der Landwirtschaft umgesetzt und von Seiten Konsum unterstützt wird. Wichtig ist laut dem BLW-Direktor zudem die Wissenschaft, beispielsweise bei der Pflanzenzucht.   

«Wir müssen ein nachhaltiges Ernährungssystem als gemeinsame Aufgabe sehen», so Hofer abschliessend. Dabei sei die Landwirtschaft nicht in der Opferrolle, sondern ein Akteur. 

Es geht zu langsam vorwärts

Vor allem von Hans Herren und Dominik Waser war mehrmals zu vernehmen, die Transformation des Ernährungssystems gehe viel zu langsam voran. «Man könnte viel mehr, aber dazu braucht es nicht nur Bottom-up-Ansätze, sondern auch Top-Down», betonte Herren die Wichtigkeit der Politik und von Rahmenbedingungen. Für den Wissenschaftler steht ausser Diskussion, dass eine Bio-Landwirtschaft die Welt ernähren könnte, «das wurde 100 Mal gezeigt». Man wisse auch genau, was zu tun wäre. Die Schweiz sei teilweise vorbildlich, die Landwirtschaft hierzulande aber intensiv. Die Praktiken der Zukunft sind laut Herren ökologisch und biologisch. «Ich fordere eigentlich, dass sich die Schweiz ganz umwandelt und weltweit ein Vorbild wird», erklärte er. Man habe seit dem Weltagrarbericht, der die Notwendigkeit einer radikalen Änderung gezeigt hat, 12 Jahre «verloren». Herren sprach sich auch klar für die beiden Pflanzenschutz-Initiativen aus. 

«Die junge Generation wird die Bevölkerung nicht in Ruhe lassen, bis wir gemeinsam schnell genug und mit genügend Mut vorangehen», versicherte Dominik Waser. Christian Hofer stellte klar, man sei «absolut offen», den Jungen zuzuhören und lud Waser und Landwirtschaft mit Zukunft dazu ein, sich an der Vernehmlassung der Strategie Nachhaltige Entwicklung zu beteiligen. «Da kann man mitreden», betonte Hofer.

Um etwas in Bewegung zu setzen, hofft Maya Graf darauf, dass die Sistierung der Agrarpolitik 2022+ nicht durchgesetzt werde. «Jeder Druck ist gut», befürwortete sie die Aktivität von Landwirtschaft mit Zukunft. 

 Hier finden Sie eine Aufzeichnung des Forums zum Nachschauen:

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