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Grosse Ernteausfälle in Europa, nicht aber in der Schweiz

Ausländische Medien berichten von teils «katastrophalen Ernteeinbussen» in Europa. Im Gegensatz dazu scheinen Schweizer Kulturen von grösseren Schäden weitgehend verschont geblieben zu sein. Wir haben nachgefragt, warum.


Insgesamt habe es in Europa beim Gemüse, Obst und den Kartoffeln grosse Ernteausfälle gegeben, berichtet Topagrar. In Bulgarien habe es in diesem Jahr 80 Prozent weniger Aprikosen, in Serbien 20 Prozent weniger Himbeeren und in Polen 30 Prozent weniger Erdbeeren gegeben. Ausserdem habe der viele Regen in Zentral- und Osteuropa bei vielen Früchten zu Qualitätsproblemen wie starkem Schimmelbefall geführt. In Europa wird ausserdem laut Agrarheute deutlich weniger Weizen geerntet, einerseits bedingt durch kleinere Ernten, andererseits durch verkleinerte Anbauflächen.  

Trockenheit, Frost und Schädlinge

Gemäss Erntebericht 2020 des deutschen Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft kamen in diesem Jahr in unserem Nachbarland verschiedene Faktoren zusammen, die für Mindererträge sorgten: 

  • Frühjahrstrockenheit
  • Frühlingsfrost
  • Vermehrtes Auftreten von Schädlingen

KEF, Feldmäuse und Starkregen

Zum letzten Punkt heisst es, die Kirschessigfliege (KEF) habe in den letzten Jahren kaum eine Rolle gespielt, 2020 sei sie aber mancherorts zum Problem geworden. Das feucht-warme Wetter habe ihre Vermehrung begünstigt.

Auf den milden Winter 2019, die Trockenheit, weniger verfügbare Pflanzenschutzmittel und den zunehmenden Verzicht auf wendende Bodenbearbeitung haben laut Erntebericht die Feldmäuse in Deutschland mit einer Massenvermehrung reagiert. Dadurch sei nun auch die nächste Aussaat von Raps und Getreide sowie die nächste Ernte in Gefahr. 

Zwar habe man 2020 nicht überdurchschnittlich viele Unwetter registriert, aber einen neuen Höchstwert an schadensträchtigen Starkregenereignissen.

Keine grossen Ausfälle in der Schweiz 

Auch in der Schweiz war der Frühling laut dem Wetterdienst Metenews massiv zu trocken, vor allem im März und April, danach wieder im Mai. Darunter litten die Getreideerträge, wie Swiss Granum im Mai mitteilte. Schlussendlich fielen die Ernten doch gut aus, allerdings mit tiefen Proteingehalten.

Weder bei Beeren, noch Obst wie Äpfel oder Zwetschgen mussten grössere Einbussen hingenommen werden. Die Kartoffelernte beschreibt Swisspatat sogar als überdurchschnittlich.

Gute Wetterbedingungen aus Obstbausicht

«Zusammengefasst lässt sich sagen, dass in der Schweiz Aprikosen und Kirschen von Frost betroffen waren, sich die Ausfälle allerdings in Grenzen hielten. Die Temperaturen waren generell gut, warm aber nicht zu heiss.», erklärt Christian Schönbächler vom Schweizer Obstverband SOV auf Anfrage der BauernZeitung. Es habe genügend Regen gegeben, das Wetter sei aus Obstbausicht gut gewesen und der Schädlingsdruck habe sich in «engen Grenzen» gehalten.

Frost und Trockenheit sind laut Schönbächler lokal aufgetreten und haben die Ernte nicht massgeblich beeinflusst. Das könne auch daran liegen, dass Schweizer Produzenten ihre Kulturen sehr gut schützen. «Einen Vergleich zu Deutschland möchte ich indes nicht wagen», meint er, Die Wahl der Sorten hat seiner Meinung nach keinen Einfluss gehabt. 

Keine abschliessenden Aussagen beim Getreide

Stephan Scheuner, Direktor von Swiss Granum betont auf Anfrage, man müsse beim Getreide zwischen Menge und Qualität unterscheiden. «Gemäss den ersten Prognosen zeichnet sich eine mengenmässig gute Ernte ab. Genaue Zahlen zur Getreideernte liegen Ende Oktober vor, für die späteren Kulturen erst Ende Jahr», erklärt er. «Einzelne Qualitätsparameter können verglichen zum Vorjahr anders ausfallen», stellt Scheuner fest. Vor Mitte November könne man zur Qualität der Getreideente jedoch keine abschliessenden Aussagen machen.

Anderes Wetter und andere Topographie

Der Frost im Frühling sei für die Getreidekulturen unproblematisch gewesen, einerseits vermutlich wegen des Zeitpunkts, andererseits wegen seiner Dauer. Auch unter der Trockenheit im Frühling habe das Getreide laut Scheuner wenig gelitten. «Zudem war der Krankheitsdruck im Getreide dieses Jahr nicht höher als 2019.» Wetterunterschiede in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland, die kleinräumige Topographie, aber auch die vielfältige Fruchtfolge hierzulande oder die verwendeten Sorten könnten Gründe sein für die im Vergleich zum Ausland unterschiedlich ausgefallene Getreidemenge. Scheuner betont, dass es sich bei seinen Einschätzungen um eine nationale Betrachtung handle, regional oder auch bezogen auf die Qualitätslabels könne die Beurteilung allenfalls anders ausfallen.

Frühlingsfrost wirkt sich wenig auf das Gemüse aus

Beim Verband Schweizer Gemüseproduzenten weist Markus Waber darauf hin, dass das Gemüsejahr noch nicht zu Ende und es für daher auch hier für eine abschliessende Beurteilung zu früh sei. «Grundsätzlich lässt sich in der Schweizer Gemüseproduktion kein schlechtes Erntejahr feststellen.», so Waber. Insgesamt hab es zwar weniger Frischgemüse gegeben als 2018, aber mehr als 2019. Durch die generell kürzere Vegetationszeit (z. B. Kopfsalat vs. Apfel) wirke sich ein Frost im Frühling weniger stark auf die gesamte Saison aus. Ein kalter Frühling oder Winter kann laut Waber bei gewissen Produkten sogar helfen, den sommerlichen Schädlingsdruck zu schmälern. «Die Trockenheit hatte auch keinen grossen Einfluss in diesem Jahr. Sehr viele Betriebe sind mit professionellen Bewässerungsanlagen ausgerüstet, wodurch die Produktion keine Einschränkungen hatte.»

Die Gemüseproduktion 2020 liegt in der Schweiz zwischen jener von 2018 und 2019. (Grafik SZG)

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