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Grösster Milchproduzent will Direktzahlungen abschaffen

Xavier Menoud ist gemäss eigenen Angaben gemeinsam mit seinem Bruder Fabrice der grösste Milchproduzent des Landes. In einem Inserat in der Sonntagspresse präsentiert er seine Direktzahlungen in der Höhe von knapp einer Million. Im Gespräch erläutert er, warum er diese abschaffen möchte. Sein Bruder Fabrice wehrt sich gegen die Darstellungen von Xavier Menoud.


Publiziert: 18.09.2018 / 08:35

Xavier Menoud ist Landwirt. Im neuenburgischen Val de Travers besitzt er gemeinsam mit seinem Bruder in einer BG einen weitherum bekannten und nach eigenen Angaben den grössten Milchwirtschaftsbetrieb der Schweiz mit gut 300 laktierenden Kühen und einer Jahresproduktion von 4 Mio kg. Menoud ist aber auch Ökonom, studiert hat er an der renommierten HSG in St. Gallen. Deshalb betreibt er quasi im Nebenerwerb ein Treuhandbüro im zürcherischen Adliswil.

Eine Million Steuergelder kassiert

In der Deutschschweiz war er ausserhalb von Züchterkreisen bisher weitgehend unbekannt, doch das versucht er jetzt zu ändern und zwar mit einem Inserat in der «NZZ am Sonntag», das für eine Veranstaltung von morgen Mittwoch in Thalwil ZH wirbt.

Mit der Veranstaltung wolle er versuchen, das nicht-landwirtschaftliche Publikum für ein Nein zu den beiden anstehenden Agrarinitiativen für «Fair-Food» und Ernährungssouveränität zu gewinnen. Diese seien schlecht, weil sie die Staatsabhängigkeit der Landwirtschaft weiter erhöhen würden. Und das will er um jeden Preis verhindern.

Die Abhängigkeit der Landwirtschaft von den Direktzahlungen und weiteren Beiträgen ist ihm seit langem ein Dorn im Auge. Deshalb macht er im Inserat auch die eigenen Zahlungen publik: «Der Betrieb hat im Rekordjahr genau CHF 967'586.75 Steuergelder kassiert», schreibt Menoud.

"Hypersubventionierung" der Landwirtschaft

Ohne Umschweife fordert Menoud eine Abschaffung des Direktzahlungssystems, so wie es heute aufgestellt ist. Deshalb wolle er auch vehement gegen die geplante Agrarpolitik 2022+ antreten. Gefragt ob dies eine Vorbereitung für eine politische Karriere sei, verneint er. «Meine einzige politische Ambition ist der Kampf gegen AP 22+», so Menoud.

Auf die Frage, wie man die Bauern stattdessen unterstützen sollte, holt Menoud aus. Im heutigen System sei das Verhältnis zwischen dem zu erbringenden Effort und die Entschädigung dafür «komplett übertrieben». Menoud spricht von einer «Hypersubventionierung». Man sei am Punkt, wo man dies der Bevölkerung nicht mehr erklären könne. Das werde zunehmend auch zu einem ethischen Problem.

Was sind aus Menouds Sicht die Alternativen? Man müsse namentlich in der Milchproduktion die Strukturen komplett verändern, meint der Grossmilchproduzent. Er plädiert für eine Arbeitsteilung. Es könne nicht aufgehen, wenn jeder kleine bis mittlere Betrieb alles selber machen wolle.

Dies führe fast automatisch zur Überlastung, denn der Einsatz des Betriebsleiters sei 365 Tage, zweimal pro Tag gefordert. «Und wenn er einmal ein paar Tage in die Ferien will, kann er die Frau nicht mitnehmen, da sie zu den Kühen schauen muss», beschreibt er das Problem.

"Milchproduktion ist nicht mehr sozialverträglich"

Die Milchproduktion sei in ihrer heutigen Form nicht mehr sozialverträglich. Im Umfeld seines Betriebs habe man das bereits ansatzweise gelöst. 15 Bauern seien für den Betrieb Menoud tätig, sei es mit Aufzuchtverträgen, mit Pensionshaltung von Galtkühen oder mit der Produktion von Mais (wo sie dann im Gegenzug Gülle mit heimnehmen).

Dieses Modell sei zukunftsträchtig, weil diese kleineren Betriebe im Nebenerwerb geführt werden können. «Der Betriebsleiter verdient einen ausserbetrieblichen Lohn mit dem Umfang des früheren Milchgelds und erhält dazu noch die Einnahmen aus der Pensionshaltung oder anderen Dienstleistungen», rechnet Menoud vor.

Die Rolle des Staates sieht er künftig eher bei der Unterstützung von Aktivitäten im Dienste des neuen Systems. So könnte dieser etwa Abkalbe-Betriebe unterstützen, wie Menoud eine seiner Zukunftsvisionen bezeichnet. Dorthin bringt man die Kühe ein paar Tage vor der Geburt, lässt sie unter fachkundiger Begleitung gebären und holt sie ein paar Tage später wieder ab, bereit für die Verkehrsmilchproduktion.

«Auch hier gäbe es wieder eine Entlastung für den Betriebsleiter, wenn er nicht ein bis zweimal pro Woche die Nacht im Stall verbringen muss, um eine sichere Geburt zu gewähren», so der Neuenburger Landwirt und Treuhänder.

Auch gegen Marketingbeiträge

Angesprochen auf den im Inserat ebenfalls erwähnten Kampf gegen «Landwirtschaftsverband» und SMP meint Menoud, dass er nicht einsehe, warum der Rohstoffproduzent sich um die Vermarktung des Produkts kümmern, bzw. diese mitfinanzieren solle: «Ein Eisenhersteller kümmert sich auch nicht um den Verkauf der Autos, die daraus gemacht sind», sagt Menoud.

Fabrice Menoud wehrt sich gegen die Darstellungen von Xavier Menoud

Fabrice Menoud, der Bruder von Xavier Menoud bittet in einem Schreiben vom Freitag, 21.9. um folgende Richtigstellung:
"Xavier Menoud arbeitet seit längerer Zeit nicht mehr auf dem Betrieb in Môtiers. Er hat betreffend der staatlichen Subventionierung der Betriebsgemeinschaft Zahlen veröffentlicht, die falsch sind. Die aktiven Mitglieder der Betriebsgemeinschaft Gebrüder Menoud bedauern, dass sie vorgängig zur Publikation der Zahlen nicht konsultiert worden sind. Die in der Veranstaltung angesprochenen Themen entsprechen lediglich der Meinung von Xavier Menoud und sind nicht repräsentativ für die Meinungen derjenigen, die auf dem Familienbetrieb arbeiten."
(Übersetzt aus dem Französischen von akr)

akr     

 

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