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Forst: Ausbildung im Sinne der Nachhaltigkeit

Ein Drittel der Schweizer Fläche ist bewaldet. Damit der Wald seine vielfältigen Aufgaben erfüllen kann, muss er fachkundig und vor allem auch nachhaltig gepflegt und bewirtschaftet werden. Anna Ehrbar, ist im dritten Ausbildungsjahr zur Forstwartin im Forstrevier Magdenau (SG) und lernt, was es heisst, sich um den Wald zu kümmern.


Publiziert: 20.03.2019 / 12:26
Erzählt Anna Ehrbar von ihrem gewählten Ausbildungs-Beruf, von ihrem Alltag im Wald, spürt man ihre Begeisterung: "Ja, es war die richtige Entscheidung." Sie wollte nach der Schulzeit nicht in Räumen arbeiten, auf einem Bürostuhl verharren. Nein, sie gehört in die Natur, an die frische Luft. Rund 300 junge Menschen starten in der Schweiz jährlich mit der Berufsausbildung zur Forstwartin oder zum Forstwart.

Kein typischer Frauenberuf

In Annas Jahrgang begannen 2016 schweizweit zwölf Frauen die Lehrzeit. "Es ist sicherlich kein typischer Frauenberuf und die Reaktionen auf meine Wahl fielen auch unterschiedlich aus", erzählt sie schmunzelnd. Sie besucht die Berufsschule in Herisau mit 17 jungen Männern. "Die Burschen haben sich längst an mich gewöhnt und die Stimmung ist sehr gut." Auch ihr Körper hat sich der täglich, strengen Arbeit im Forst angepasst. Als Frau, ist sich die 18-jährige bewusst, hat sie zum Teil bei gewissen Tätigkeiten nicht dieselbe Kraft wie ihre Berufskollegen. Aber dies kompensiert sie klar mit ihrer Arbeitstechnik und überlegtem Handeln.

Vor allem liebt sie während ihrer Ausbildung die Holzhauerei. Sie ist stolz auf ihre treue Begleiterin, die 60 Kubikzentimeter starke Motorsäge Husquarna 562. Mit ihr zusammen hat sie nun schon viele Fallkerben ausgesägt und Fällschnitte ausgeführt. Sie ist bereits ein Routinier und mit beinahe sanft anmutenden Bewegungen führt sie flink die Arbeitsschritte aus.

Die Branche braucht Nachwuchs

Ihr Tun wird von ihrem Ausbildner, Oliver Zangerl aus Herisau, achtsam begleitet. Der 28-jährige Forstwart-Vorarbeiter des Reviers Magdenau strahlt eine zu seinem Arbeitsort passende Ruhe aus. Möchte er Anna bei ihrem Handeln während der Holzernte auf eine Korrektur hinweisen, tut er dies über ein im Sicherheitshelm angebrachtes Mikrofon per Funk. "Es ist wichtig, dass die Lernenden gut, klar und ohne Hektik instruiert und begleitet werden", ist ihm bewusst.

Er liebt es, jungen Menschen sein Wissen rund um die Forstarbeit weiterzugeben. Er ist deshalb auch als Instruktor in den Holzhauerei-Kursen, welche gesamtschweizerisch von Wald Schweiz organisiert werden, aktiv. "Wir müssen für guten Branchen-Nachwuchs sorgen, damit auch in Zukunft im Wald im Sinne der Nachhaltigkeit gehandelt wird." Nachhaltiges Wirken bedingt ein umfangreiches Wissen rund um die komplexen Zusammenhänge zwischen Fauna, Flora, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Wald ist nicht nur Holzlieferant

Denn der Wald ist nicht nur Holzlieferant. Er ist Lebensraum für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten, ein grosses Trinkwasser-Reservat, speichert Kohlenstoff und ist ein sehr beliebter, zum Teil viel begangener Erholungsort der Menschen. Den multifunktionalen Wald zu bewirtschaften und ihn für die nachkommenden Generationen umsichtig zu pflegen, benötigt Fachleute mit umfangreichen Kenntnissen. Dies auch in Anbetracht der zukünftigen Herausforderungen rund um den Klimawandel. Höhere Temperaturen und häufigere Trockenperioden werden die Zusammensetzung der Baum-Gesellschaften verändern und auch das wachsende Problem von Schadorganismen, die mit dem globalen Warenverkehr eingeschleppt werden, ist zu spüren.

Anna Ehrbar Oliver Zangerl
Anna Ehrbar mit Ausbildner Oliver Zangerl. (zvg)

Um die Ausbildung der Forstwartleute kümmert sich unter anderem die Fachstelle des Bundes für die Aus- und Weiterbildung in der Waldwirtschaft namens Codoc. Sie ist Informationsdrehscheibe, Lehrmittelzentrale und Auskunftsstelle für forstliche Ausbildungsfragen. Rolf Dürig, Co-Leiter der Fachstelle, ist sich der komplexen Herausforderungen in der Forstbranche wohl bewusst: "Der Wald muss versiert bewirtschaftet werden, damit die Stabilität und Schutzfunktion gewährleistet werden kann. Eine schwierige Aufgabe, dies auch in Anbetracht des existierenden wirtschaftlichen Drucks auf die Holz- und Forstbranche." Gemäss Rolf Dürig ist die Berufsausbildung zum Forstwart in der Schweiz beliebt. Man habe kaum Probleme die Lehrstellen zu besetzen, erklärt er. Eher sei es ein Thema, genügend Ausbildungsplätze anzubieten. Nicht jeder Forstbetrieb hat genügend Ressourcen an Zeit, Geld und Mitarbeitern, um eine seriöse und umfassende Ausbildung anbieten zu können.

Sich in der Baumwelt bewegen

In Forstrevier Magdenau scheinen diese Ressourcen, auch nach Ausbildungs-Ende von Anna Ehrbar vorhanden zu sein. "Wir haben bereits die Lehrstelle für den kommenden August besetzt. Unser neuer Forstwart-Lernender ist ein junger Mann aus der Region", freut sich Oliver Zangerl. Und wie sieht die nahe Zukunft von Anna aus? "Ich möchte mich nach meiner Lehrzeit in einem Baumpflege-Unternehmen zur Baumpflegerin weiterbilden. Ich liebe das Klettern und möchte mich auch weiterhin in der Baumwelt bewegen. Und vielleicht kehre ich später wieder in die Forstbranche zurück." Gemäss Rolf Dürig bleiben rund ein Drittel der ausgebildeten Forstwarte und Forstwartinnen der Branche erhalten, viele wechseln in verwandte Berufe. "Die Abwanderungs-Quote ist nichts Ungewöhnliches, auch in anderen Berufen ist dies der Fall. Unsere Lehrabgänger sind begehrte Berufsleute. Sie haben gelernt in einem Team zu arbeiten, sind sicherheitsbewusst in ihrem Tun und können motiviert mit anpacken, und dies alles bei jeder Witterung."

lid/Brigitte Hunziker Kempf, Codoc

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