Haben Sie noch kein Abo der BauernZeitung?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits BauernZeitungs-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 12:00 Uhr und
13:30 - 17:00 Uhr

 

Haben Sie noch kein Abo der BauernZeitung?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits BauernZeitungs-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 12:00 Uhr und
13:30 - 17:00 Uhr

 

«Die Bemühungen der Landwirtschaft sollen anerkannt werden»

Der Zürcher Bauernverband thematisierte an seiner traditionellen Martini-Pressekonferenz die Zielkonflikte in der Landwirtschaft und die damit verbundenen Schwierigkeiten.


Im November kommt das Vegetationsjahr zum Abschluss, die Futtervorräte für den Winter sind bereitgestellt, die Frühjahrskulturen bereits ausgesät. "An Martini kommt für die Landwirtschaft der Moment, abzuschätzen, wie das Jahr verlaufen ist und einen Blick auf die Erträge zu werfen", meinte Präsident Hans Frei eingangs der traditionellen Martini-Pressekonferenz des Zürcher Bauernverbands (ZBV) am vergangenen Montag in Dübendorf. Dabei sei es ihm wichtig, das Positive voranzustellen: Dieses Jahr ist nicht so trocken gewesen wie das letzte, die Futtervorräte beispielsweise sind unerwartet ausgiebig ausgefallen.

Die Ressourceneffizienz ist angestiegen

Doch ZBV-Präsident Hans Frei sprach auch die Probleme an, welche die Landwirtschaft derzeit unbestreitbar beschäftigen: "Dieses Jahr stand die Landwirtschaft im Zentrum einer orchestrierten, medialen Berichterstattung, was für die bäuerlichen Familienbetriebe zu einer grossen Belastung wurde." Als weiteres Problem nannte Frei die Agrarwissenschaften, welche den Fokus in den letzten Jahren zu stark auf den internationalen Wissenstransfer gelegt und dabei die praktizierende Landwirtschaft weitgehend aus den Augen verloren hätten.

Gefragt seien nun aber Forschungsergebnisse für eine standortbezogene Landwirtschaft. Für eine wachsende Bevölkerung brauche es mehr und nicht weniger inländische und regionale Nahrungsmittel.

Vize-Präsident Res Buri zeigte die wichtigsten Veränderungen innerhalb der Schweizer Landwirtschaft der letzten 30 Jahre auf:

Betriebe: Seit 1990 ist die Anzahl Betriebe um über 41 000 zurückgegangen, das sind rund 44%.

Beschäftigte: Es gab einen Rückgang von knapp 100 000 Beschäftigten, das sind fast 40%.

Nutzfläche: Die landwirtschaftliche Nutzfläche ging seit 1996 um 37 000 ha zurück. Dies entspricht 12% der Fläche des Kantons Schaffhausen.

Grösse: Dagegen hat sich die Durchschnittsgrösse pro Betrieb von 1990 bis 1998 fast verdoppelt, sie stieg von 11,5 ha auf 20,3 ha.

Rindvieh: Hier erfolgte ein Rückgang von rund 315 000 Tieren seit 1990.

Geflügel: Dagegen kam es beim Hühnerbestand knapp zu einer Verdoppelung, er zählte 2017 etwa 11,5 Millionen Tiere.

Milchkonsum: Der Pro-Kopf-Konsum von Milch halbierte sich und lag 2017 bei etwa 50 kg pro Jahr.

Biodiversitätsflächen: 1990 wurden noch keine Biodiversitäts­flächen (BFF) ausgewiesen. 2017 waren es 165 200 ha, was fast der Fläche des Kantons Zürich entspricht.

Pflanzenschutz: Der Verkauf von Herbiziden ist um 29% zurückgegangen, Glyphosat sogar um 40%. Mittel, die auch in der biologischen Landwirtschaft verwendet werden dürfen, haben dagegen um 40% zugelegt.

Inlandproduktion: Die Inlandproduktion ist angestiegen, aber noch mehr die Importe.

«Obwohl die Landwirtschaftsfläche, die Anzahl Betriebe und Beschäftigte, der Viehbestand sowie der Einsatz von Hilfsmitteln abgenommen haben, konnte die Produktion der Kalorienmenge und die Biodiversität gesteigert werden», fasste Buri diese Entwicklungen zusammen. Dabei sei eine enorme Ressourceneffizienz zum Ausdruck gekommen, die eben nicht mit einer Intensivierung gleichgesetzt werden könne.

Verzerrte Schlagzeilen sorgen für Frust

"Auch die Gesellschaft mit ihren Ansprüchen hat sich verändert, was zu zahlreichen Zielkonflikten geführt hat", stellte ZBV-Geschäftsführer Ferdi Hodel fest: So würden Konsumenten beispielsweise qualitativ hohe Produkte mit möglichst wenig Einsatz von Hilfsmitteln zu einem möglichst günstigen Preis erwarten. Tatsache sei jedoch: Auf wenig Fläche muss möglichst viel produziert werden. "Alle wollen mitreden, aber solche Zielkonflikte werden in den Medien zu wenig beleuchtet", so Hodel.

Weiter ging er auf die kürzliche Berichterstattung zu Chlorothalonil ein: Ausgangslage dafür war eine Medienmitteilung des Verbands der Kantonschemiker vom vergangenen September, welche dem Schweizer Trinkwasser eine gute Qualität attestierte. Mit Ausnahmen: Wie Messungen festgestellt hatten, wurde vereinzelt der Grenzwert von 0,1 Millionstel Gramm pro Liter nicht eingehalten. Die Meldung wurde daraufhin sehr unterschiedlich ausgelegt. Während einige Medien die im Allgemeinen gute Trinkwasserqualität hervorhoben, setzten andere den Fokus ihrer Schlagzeilen auf Qualitätsmängel. Hodel sprach dabei von einer subjektiven Berichterstattung, die oft vor politischen Abstimmungen gezielt eingesetzt werde. "Was es dagegen braucht, ist eine objektive Auseinandersetzung mit diesen Themen."

Die Landwirtschaft initiiert Ressourcenprojekte

An der Medienorientierung wurden auch konkrete Projekte im Klima- und Ressourcenschutz genannt, welche Beispiele dafür seien, dass die Landwirtschaft effizienter auf aktuelle Herausforderungen im Klima- und Ressourcenschutz eingehe, als dies mancherorts dargestellt werde:

Pflopf: Mit dem interkantonalen Ressourcenprojekt "Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming" soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit technologiebasierten Massnahmen um 25% gesenkt werden.

AgroC02ncept: Das Pilotprojekt im Zürcher Flaachtal erprobt klimafreundliche Betriebssysteme und Massnahmen in der landwirtschaftlichen Praxis. Zum Beispiel werden Menge und Herkunft der Futterzusammensetzung optimiert.

N-Effizienz: Im Rahmen dieses Ressourcenprojekts werden die Stickstoffbilanzen von aktuell 23 ÖLN-Betrieben im Kanton Zürich überprüft und möglichst ohne Ertragseinbussen gesteigert.

ZBV-Präsident Hans Frei stellte abschliessend klar: "Wir sind bereit, unseren Teil dazu beizutragen, wollen dafür aber auch die Anerkennung der Konsumenten!"

 

Verwandte Themen
War dieser Artikel lesenswert?
Kommentar erfassen
Mit Forschung zum optimalem Pflanzenschutz
27.02.2019
Die Forschungsanstalt Agroscope will vermehrt aufzeigen, wie die Forschung im viel diskutierten Pflanzenschutz-Bereich verläuft. Zu Wort kommen Expertinnen und Experten. Als erste Massnahme hat Agroscope ein Interview mit Leiterin Eva Reinhard publiziert.
Artikel lesen
Agroscope leistet laut Medienmitteilung mit über 50 Forschungsprojekten im Rahmen des Arbeitsprogrammes 2018-21 einen Beitrag an die Umsetzung des Aktionsplans zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (PSM). Genug anbauen mit geringem Schaden Die Herausforderung bestehe darin, die Produktionsmethoden in der Landwirtschaft so anzupassen, dass man genug anbauen und ...
Werbung
Leser-Schnappschüsse Weitere Schnappschüsse Senden Sie uns Ihre Schnappschüsse!
Folgen Sie uns