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Flüchtlinge auf dem Hof: nicht immer einfach

Das SRF-Dok "Bauer Ramser und die Eritreer" zeigt auf eindrückliche Weise, welche Probleme auftauchen können, wenn verschiedene kulturelle Welten aufeinander treffen. Aber auch, was mit Motivation und Geduld möglich ist.


Publiziert: 31.05.2019 / 10:34

Biobauer Markus Ramser aus Illhart TG möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben. Schliesslich würden die Bauern viel vom Staat bekommen,  wie er sagt. So hat Ramser scheinbar seine Aufgabe darin gefunden, sich an der Integration von Flüchtlingen zu beteiligen. Ausserdem braucht er auf seinem Betrieb Helfer und die Flüchtlinge sind da, oft ohne eine sinnvolle Beschäftigung. Daher lebt und arbeitet seit 2015 der Eritreer Tesfu Adhanom auf dem Hof des Biobauers, der ihn sowohl in der Ausbildung als auch in administrativen Dingen unterstützt.

Langer Weg zur Attestlehre

Markus Ramser ist eigentlich  bereits im Pensionsalter, arbeitet aber trotzdem gegen 14 Stunden am Tag. Er möchte, wie er in der Dok-Sendung erklärt, Tesfu als Nachfolger nachziehen und ihn deshalb entsprechend mit einer Attestlehre ausbilden. Für den Eritreer ist das allerdings keine einfache Sache, gerade die Sprache bereitet ihm Mühe. Zwar versteht er Deutsch geschrieben und gesprochen, kann sich aber selbst nur schwer verständigen. Der praktische Teil der Ausbildung hingegen liegt ihm mehr.

Die Rolle der Frauen

Ramsers Gattin spielt im Integrations-Projekt ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie hilft beim Papierkram, der immer wieder viel Zeit und Nerven in Anspruch nimmt. Schliessich arbeitet nicht nur Tesfu auf dem Betrieb, sondern auch andere Eritreer. Beispielsweise die 28-Jährige Rava, die von den Ramsers als fleissige Mitarbeiterin geschätzt wird. Eigentlich wollten sie Rava fest anstellen, es kam jedoch ihre Schwangerschaft dazwischen. Selbst nachdem dieser Umstand bekannt worden war, boten die Biobauern an, sie auf dem Hof wohnen zu lassen, damit sie soweit und so lange arbeiten könnte, wie möglich. Finanziell ging das aber nicht auf, da die Gemeinde keinen ausreichenden Beitrag zu zahlen bereit war.

Tesfu indes hatte seine Frau aus Eritrea in die Schweiz nachgeholt. In der Beziehung zu Merhawit zeigt sich zum ersten Mal der tiefe kulturelle Graben zwischen den Schweiz und Eritrea: Tesfu kennt seine Gattin kaum, die Ehe wurde von seinen Eltern arrangiert. Merhawit sei ein Geschenk gewesen, das er angenommen habe, erklärt er ihren Nachzug in die Schweiz. Eine liebevolle Beziehung scheinen die beiden nicht zu führen, er scheint mit ihr eher ein wenig überfordert zu sein. Die junge Eritreerin ihrerseits widersteht den Bemühungen von Frau Ramser, sie in die Schweizer Gepflogenheiten einzuführen. Sie und Tesfu wohnen in einem Haus auf dem Gelände der Ramsers, im dazugehörigen Garten mag Merhawit aber nicht arbeiten. Das sei Männerarbeit, wie sie erklärt.

Tesfus Frau isoliert sich zunehmend, bleibt im Haus und lernt als Folge auch kein Deutsch. Ramsers Frau resigniert irgendwann auch, obwohl sie es nie ganz aufgibt, Merhawit zu integrieren. Die Sache verkompliziert sich allerdings weiter, als die Eritreerin schwanger wird. Tesfu lässt sie scheinbar oft alleine und verbringt seine freie Zeit mehrheitlich in seiner Gemeinde in St. Gallen.

Engagement wird belohnt

Während Tesfu weiter mit seiner Attestlehre zu kämpfen hat, bekommt Markus Ramser weitere Unterstützung vom eritreischen Flüchtling Robi. Dessen Asylstatus ist allerdings sehr schlecht und er muss für seine Aufenthaltsbewilligung per Rekurs kämpfen. Das bedeutet für die Ramsers wiederum einigen Papierkram. Währenddessen sinkt die Arbeitsleitung Tesfus, der nach der Geburt seiner Tochter viel mit seiner Familie zu tun hat und sich ausserdem auf die Schlussprüfung vorbereiten muss.

Einen Einblick in die St. Galler Gemeinde der Eritreer erhält das Biobauern-Ehepaar bei der Taufe von Tesfus und Merhawits Tochter Salem. Als es Tesfu dann auch gelingt, seine Attestlehre erfolgreich abzuschliessen, scheint langsam alles in geregelte Bahnen zu kommen.

Ein Ende mit Schweigen

Doch es kommt anders: Merhawit verschwindet spurlos, zusammen mit ihrer Tochter. Sowohl Markus Ramser als auch Tesfu schweigen dazu. Weshalb die junge Eritreerin den Hof und ihren Mann verliess und wohin sie gegangen ist, bleibt unklar.

Zum Schluss zieht Markus Ramser trotz aller Aufwände und Mühen ein positives Resumé: Er würde wieder einem Flüchtling diese Chance geben. Seine Frau sieht das etwas anders. Wohl auch enttäuscht von Merhawits Passivität sagt sie, wiederholen würde sie das Ganze nicht. 

Was bleibt ist das Bild eines Ehepaares, das sich einer hehren Aufgabe freiwillig verschrieben und ihr Bestes gegeben hat. Dies, obwohl die Ramsers ihre behinderte Tochter zuhause betreuen und ihre anderen Kinder das Projekt laut ihnen eher skeptisch sahen. Der Teilerfolg mit Tesfus abgeschlossener Attestehre gibt ihnen Recht und die einfühlsame Dokumentation zeigt die beiden in Hochs und Tiefs, die sie nicht von ihrem Weg abbringen.

Den Podcast zum SRF-Dok finden Sie hier.

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