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Flachs hat Potenzial

Nicht alle Sorten Faserlein sind für den Anbau in der Schweiz optimal. Zudem gibt es neu ein Qualitätszahlungssystem.


Publiziert: 04.05.2019 / 08:57

Leinen hat in der Schweiz schon eine lange Geschichte. Jedoch geriet die Naturfaser – Flachs – mit dem Aufkommen der synthetischen Fasern in Vergessenheit. Doch jetzt erlebt die Pflanze ein Revival.

Da das Wissen über den Flachsanbau in der Schweiz praktisch verloren war, musste dieses wieder von Grund auf aufgebaut werden. Im Jahr 2010 hat eine Gruppe von Landwirten im Emmental den Faserleinanbau wieder aufgenommen.

Aktuell untersuchte Dominik Füglistaller, Masterstudent und Mitarbeiter der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) sowie Geschäftsführer der Swissflax GmbH, das Anbaupotenzial von Flachs im Emmental.

Langfaseranteil relevant

Das Ziel der Arbeit war es, eine geeignete Faserleinsorte für den Schweizer Anbau zu finden. Dazu legte Dominik Füglistaller in Zollikofen BE einen Feldversuch über drei Jahre mit zehn bis elf verschiedenen Sorten an. Er stützte sich dabei auf den Sortenkatalog des französischen Forschungsinstitutes Arvalis.

In seinen Versuchen stellte Füglistaller fest, dass sich die im Versuch eingesetzten Sorten ähnlich verhalten, wie es im Sortenkatalog dargelegt ist. «Bei einer Sortenwahl für den Schweizer Anbau sollte dieser Sortenkatalog als Referenz genommen werden», schlussfolgert der Wissenschaftler.

Für die Verarbeitung von Flachs zu Textilgarn ist der Langfaseranteil entscheidend. Im dreijährigen Versuch erreichten die Flachssorten durchschnittliche Langfaseranteile von 16.3 bis 26.2%. Dies ist mit den Hauptanbauländern Frankreich, Belgien, Holland vergleichbar. Aufgrund des durchschnittlichen Langfaseranteils über die drei Versuchsjahre scheinen für den Schweizer Anbau die Sorten Avian (24,1%), Lisette (23,3%) und Christine (22,8%) sehr interessant. Die Sorte Dakkar war die höchste aller Sorten mit einer Stängellänge von 84,4 cm.



Bei Faserlein besteht ein Risiko von Lagerung. Je nach Witterung, Wachstum der Pflanzen und Bodenbeschaffenheit wachsen die Pflanzen zu schnell und fallen um.

Um dies zu verhindern, kann der Landwirt, wie dies auch in Frankreich gemacht wird, ein Fungizid einsetzen, welches den Faserlein im Wachstum hemmt. Dieses heisst Toprex. Füglistaller beschreibt in seiner Studie, dass die Behandlung risikobasiert erfolgt. Um das Risiko abzuschätzen, kann der Landwirt eine Risikoabschätzungstabelle von Arvalis zu Hilfe nehmen. Daraus kann er ableiten, ob und in welcher Dosierung er Toprex einsetzen sollte.

Leinsamen werden genutzt

Beim Anbau im Emmental wird neben der Faser auch der Samen genutzt. Das ist eine Spezialsituation, die in den Hauptanbaugebieten so nicht anzutreffen ist. Durchschnittlich erreichten die Sorten im Versuch Ertragswerte von 800 bis 1000 kg Samen pro Hektare. Dies deckt sich mit den Erfahrungswerten aus dem Praxisanbau im Emmental.

Der Masterstudent stellte in den Versuchsjahren fest, dass der Jahreseffekt (Niederschlag, Temperatur) den Aufwuchs und die Entwicklung der Sorten massgeblich beeinflusst. Dieser Effekt ist in der Regel grösser als der Effekt einer Sorte, ausser beim Samenertrag. Der Samenertrag ist grösstenteils über die Sorte bestimmt.

Zahlung nach Qualität

Der Flachsanbau im Emmental wird durch die Hanf- und Flachsanbaugesellschaft koordiniert. Die 2015 gegründete Swissflax GmbH kauft den Bauern das Flachsstroh, in Rundballen gepresst, und die Leinsamen ab und kümmert sich um die Weiterverarbeitung. Bisher erhält jeder Landwirt mit Anbauvertrag pauschal 4000 Fr. pro ha. Im Rahmen seiner Arbeit entwickelte Dominik Füglistaller ein Qualitätszahlungssystem.

Dieses System ist in der Schweiz einzigartig. Es sieht einen Pauschalbeitrag von 2000 Franken pro ha und einen Beitrag pro Dezitonne geröstetes Flachsstroh zwischen 28 und 32 Franken vor. Zusätzlich wird ein Qualitätsbeitrag von Fr. 0.05 pro Dezitonne Flachsstroh mit einem Langfaseranteil von über 22% ausbezahlt. Dieses System soll nun in den nächsten zwei Jahren in der Praxis eingesetzt werden.

Lizenz für Schwinghosen

Schweizer Schwingklubs benötigen insgesamt ungefähr 500 Paar neue Zwilchhosen pro Jahr. Der Eidgenössiche Schwingverband (ESV) ist derzeit daran, Schwinghosen aus Swissflax zu testen.

«Unser Ziel ist es, dass man Schwinghosen nur noch aus Schweizer Flachs herstellen würde» erklärt Rolf Gasser, Leiter der Geschäftsstelle des ESV auf Anfrage. «Zum Traditionssport Schwingen passt auch die Traditionsfaser Flachs.»

Dazu will der ESV Lizenzen für Schwinghosen aus Schweizer Flachs an die Hersteller vergeben. Für die Lizenz entwickelt man zudem ein einheitliches Schnittmuster, welches anschliessend die Schwinghosen-Hersteller verwenden müssen, die den Zwilchstoff erhalten wollen.

Das Fernziel ist es, dass dereinst die Abnehmer (Schwingklubs und Schwingfestorganisatoren) nur noch Schwinghosen von lizenzierten Herstellern und aus Swissflax beziehen können.

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