Wer am Samstag zum Wandern auf die Schwägalp und den Säntis wollte, musste entweder früh aus den Federn oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Ab 9 Uhr war für den privaten Verkehr auf der Hauptstrasse von Waldstatt Richtung Schwägalp kein Durchkommen mehr. Statt Autos und Töffs bahnten sich Sennen mit ihren Tieren den Weg ins Tal.

Alpfahrten sind ein Festtag

In Urnäsch standen die Leute schon um 9 Uhr dicht gedrängt am Strassenrand. Sicher jeder Zweite hielt ein Handy oder eine Fotokamera in der Hand. Dann endlich war aus der Ferne leises Gebimmel zu hören und der erste Zug bahnte sich seinen Weg durch Urnäschs Strassen. Dazu muss man wissen, dass die Alpfahrt im Appenzellerland noch heute ein wichtiger Festtag ist. Entsprechend wird zu diesem Anlass die Appenzeller Sennentracht getragen.

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Von den "Gäässe" bis zum "Bläss"

Angeführt wird der Alpfahrtszug immer von den weissen, hornlosen Appenzeller "Gäässe", den Ziegen. Sie werden getrieben von einem Bub in der Sennentracht und einem Mädchen in der braun- oder blaugestreiften Werktagstracht. Dann tritt der Senn in der Volltracht auf. An der linken Schulter trägt er den reichgeschnitzten Fahreimer, einen hölzernen Melkkübel, dessen Unterseite mit einem kleinen runden Gemälde, dem Bödeli, verziert ist. Ihm folgen drei Kühe, die die schweren Senntumsschellen an kunstvoll verzierten Riemen tragen.

Die drei im sechsten, siebten und achten Oberton aufeinander abgestimmten Schellen sind der Stolz der bäuerlichen Bevölkerung auf beiden Seiten des Säntis. Die wichtigste Aufgabe der vier Sennen, die hinter den Schellkühen schreiten, ist das Singen und Zaure zum Glockengeläut.

Hinter den vier Bauern in der Tracht marschiert der Rest der Viehhabe: Die Kühe, Rinder und Kälber, ein schön geschmückter Stier und das Pferd. Dieses zieht die Ledi, ein zweiachsiger Holzwagen, auf der sämtliche Gerätschaften Platz finden, die früher auf der Alp zur Käse- und Butterherstellung gebraucht wurden. Den Abschluss macht der Besitzer der Viehherde im braunen Gewand. An seiner Seite achtet der Appenzeller Sennenhund, "de Bläss", darauf, dass kein Stück Vieh vom Weg abkommt.

Grosser Bauernmarkt

In Urnäsch wird das grosse Spektakel der Alpabfahrt jeweils von einem Bauernmarkt umrahmt. An über 50 Ständen gab es Appenzeller Wurst- und Käsespezialitäten zu kaufen. Aber auch Handwerkskunst war ausgestellt. Die Verkäuferinnen und Verkäufer boten den Touristen aus nah und fern Lebensmittel, Kleider, praktische Kleinigkeiten und handgemachte Kreationen aus unterschiedlichem Material an.

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Immer wieder traten auch Buebechörli mit ihrem typischen Appenzeller Gesang auf. Es war ein schönes Zuschauen und Zuhören an diesem Samstag bei schönstem Spätsommerwetter. Es war, wie es die Einheimischen zu sagen pflegen, "efach choge schö".