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Faire Milch kommt gut an

Konsumenten sind bereit, mehr für Milch zu bezahlen, wenn das Geld bei den Bauern ankommt. Das zeigt die Zwischenbilanz dreier Labels für "faire" Milch.


Publiziert: 12.01.2019 / 07:15

Die Milchpreise sind tief, Bäuerinnen und Bauern können oft nicht mehr kostendeckend produzieren. Die Diskussionen um Projekte, in denen Produzenten, Abnehmer und Verkäufer zusammenspannen, verlaufen intensiv. Drei Labels sind in den letzten anderthalb Jahren in die Läden gekommen. Dahinter stehen Aldi Suisse, eine Genossenschaft im zürcherischen Säuliamt und der Verein für faire Milchpreise.

"Kühnste Erwartungen übertroffen"

Im Säuliamt haben die Konsumentinnen und Konsumenten geradezu auf "Di fair Milch Säuliamt" gewartet zu haben, betrachtet man die Zahlen. "In unserem Businessplan haben wir mit 100'000 Litern fairer Vollmilch gerechnet, die wir pro Jahr absetzen können", sagt Martin Haab, in der Genossenschaft verantwortlich für das Marketing.

Tatsächlich sind es seit dem Start am 1. Dezember 2017 180'000 Liter geworden. "Dazu gehört auch ein Teil Drink-Milch, die wir auf Wunsch der Konsumenten ab September zusätzlich ins Programm aufgenommen haben", so Haab. Diese entrahmte Milch braucht noch etwas Zeit: Ihr Marktanteil in den Verkaufsstellen steht im Moment bei unter 50 Prozent.

Der Anteil der fairen Milch am gesamten Milchverkauf in den 13 Volg-Läden liegt bei bis zu 70 Prozent. "Damit haben wir die kühnsten Erwartungen übertroffen. Ebenso erfreulich ist, dass die Leiter der Volg-Läden nach anfänglicher Skepsis ebenfalls begeistert sind", so Milchproduzent Haab. Die Läden konnten durch das Programm nicht nur den Milchverkauf steigern, sondern auch neue Kunden gewinnen.

25 Rappen mehr pro Liter

Entscheidend ist, dass die Bauern einen Milchpreis bekommen, mit dem sie ihre Kosten decken können. "Grundidee war von Anfang an, dass wir den im Moment 43 Produzenten einen fairen Milchpreis garantieren können", betont Haab. "Dieses Versprechen lösen wir, indem der Liter Milch im Volg und in den Hofläden 25 Rappen mehr kostet, also Fr. 1,90. Die 25 Rappen pro Liter gehen an die Genossenschaft. Diese zahlt den Bauern Ende Jahr einen Betrag als Bonus aus." Jede Bäuerin und jeder Bauer wird Ende Jahr sagen können, dass er über diesen Kanal rund 4000 Liter Milch absetzen konnte und dafür einen kostendeckenden Preis erhalten hat.

Mit Blick auf die gesamte Milchmenge der 43 Genossenschafts-Mitglieder im Säuliamt (13 bis 14 Millionen Kilo) ist der Anteil noch sehr klein. Doch Haab ist überzeugt, dass das Potenzial für einen Ausbau gegeben ist. Neue Interessenten für die Genossenschaft hat er bereits. "Entgegen allen Unkenrufen haben wir bewiesen, dass der Konsument sehr wohl bereit ist, für ein nachhaltiges Produkt aus der Region mehr zu bezahlen." Martin Haab ist überzeugt, dass das Projekt für andere Regionen problemos kopierbar ist.

Anforderungen

Säuliamt

Verein Fair

Aldi Suisse

 

 

 

 

Futter

gentechfrei

gentechfrei, ohne Palmöl

gentechfrei

Tierwohlprogramme

RAUS oder BTS

RAUS und BTS

RAUS und BTS

Milchpreis für Bauern

plus 25 Rappen

75 Rappen

73 Rappen

Milchpreis im Laden

Fr. 1.90

Fr. 2.00

Fr. 1.49

Anzahl Produzenten

43

keine Angabe

keine Angabe

Anzahl Verkaufsstellen

13 Volg-Filialen plus Hofläden

50

198

Region

Säuliamt

Westschweiz

ganze Schweiz

Stand Dezember 2018

"Fair": Erste Produkte in den Läden

Das Projekt "Fair" des Vereins für faire Milchpreise steht mit wenigen Lieferanten noch am Anfang. Die Molkerei Moléson aus Orsonnens im Kanton Freiburg hat im November die ersten Produkte lanciert, wie Projektleiterin Amanda Ebeling sagt. "Es ist also noch zu früh für eine aussagekräftige Bilanz. Aber die ersten Rückmeldungen stimmen uns zuversichtlich." Damit ist für Ebeling  ein Etappenziel erreicht, nämlich eine Diskussion über faire Milchpreise anzuregen und den Gedanken weiter zu verbreiten.

Die Entschädigung der Milchbauern wurde im Fall der Molkerei Moléson AG nicht extra angehoben, denn diese erhielten schon bisher den verlangten Mindestpreis von 75 Rappen pro Liter Milch. "Ein Anliegen dieses Projektes ist die bessere Kommunikation und Wertschätzung. Denn das Gütesiegel "Fair" kann Milch- und Milchprodukte auszeichnen, für die bereits ein fairer Preis bezahlt wird und bei denen das Tierwohl einen hohen Stellenwert hat." Als Vision sieht  Ebeling, dass in einigen Jahren in jedem Kühlschrank Produkte mit dem blauen Herzen stehen werden. Vorläufig sind die fairen Joghurts in der Westschweiz in 20 Coop-Filialen und 50 Spezialgeschäften, die faire Pastmilch in Letzteren zu finden.

Weitere Massnahmen prüfen

"Seit der Einführung im Juli 2017 erfüllt die "Fairmilk" sowohl unsere Erwartungen als auch jene der Bauern", sagt Philippe Vetterli von der Aldi-Medienstelle. "Das Interesse der Konsumenten ist immer noch sehr gross. Eine steigende Kundenanzahl legt Wert auf besonders fair erzeugte Milch." Bei der Aldi-Milch handelt es sich um Drinkmilch mit einem Fettgehalt von 2,5 Prozent.

Der Rohstoff wird von Milchproduzenten aus der Westschweiz an Molkereien und danach an Aldi geliefert. "Die Bauern halten sich freiwillig an die Anforderungen der besonders tierfreundlichen Stallhaltung (BTS) und des regelmässigen Auslaufs ins Freie (RAUS). Diese beiden Programme sorgen für Fairness im ganzheitlichen Sinne", sagt Vetterli. Zahlen zur Milch-Menge gibt Aldi keine bekannt. Aldi Suisse ist als Mitglied der Branchenorganisation Milch auch dabei, wenn es um den neuen Branchenstandard für nachhaltige Schweizer Milch geht.

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