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Entschädigung für kleine Dienste

Auf Bauernhöfen ist die familieninterne Hilfe gang und gäbe. Ob sie entschädigt wird, muss von Fall zu Fall beurteilt werden. Klare Abmachungen unter den Beteiligten helfen.


Publiziert: 02.03.2019 / 08:54

Auf einem Landwirtschaftsbetrieb gibt es immer wieder punktuelle Arbeitsspitzen wie Ernte, Tag der offenen Tür, Viehschau, Frühlingsputzete, Spitzentage im Hofladen. Oft springen dann die familieneigenen Personen ein. 

Werden die heranwachsenden oder bereits erwachsenen Kinder für ihre kleinen und grösseren Dienste entschädigt? Eine kleine Umfrage der Autorin bei vier Bäuerinnen zeigt eine breite Palette an Antworten auf die Frage. Dabei wird klar, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, sondern jede Familie ihre eigene Lösung entwickelt hat.

Frauentag als Genuss

Pia Scheiwiler* erläutert: «Unsere Töchter helfen mit, ohne dass wir sie mit Geld entschädigen.» Die Helferinnen erhalten aber Fleisch von den hofeigenen Tieren. Zudem ist es Tradition, dass es jedes Jahr einen Frauentag gibt. «Ein Ausflug mit den Töchtern ist für uns alle sehr schön und wir geniessen das.» Die Bäuerin betont, dass diese Lösung für beide Seiten stimmt. Im Gegenzug flickt oder näht Scheiwiler für ihre Töchter.

Eine Möglichkeit, die oft gewählt wird, ist die gegenseitige Verrechnung von Dienstleistungen. Die erwachsene Tochter hilft im Betriebsbüro aus, dafür hütet die Mutter die Enkelkinder. Oder die Jungen, die meistens bestens mit der Technik vertraut sind, setzen den PC der Eltern neu auf, installieren Programme oder unterstützen bei der modernen Technik. Dafür bezahlen die Jungen kaum etwas fürs Wohnen und helfen auf dem Betrieb aus. Christine Bühler, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen und Landfrauenvereins, meint dazu: «Wenn die jungen Leute im ‹Hotel Mama› wohnen und gut verdienen, finde ich es mehr als angebracht, dass sie auch zum Haushalt beitragen.» 

Bei Erika Rutz* machen die beiden knapp 20-jährigen Töchter und der jüngere Sohn ihre Zimmer selber, putzen das Haus und kochen manchmal. Sie helfen alle auf dem Hof mit, je nach verfügbarer Zeit, die neben dem Beruf und der Schule bleibt. 

Bezahlter Einsatz 

Im Grundsatz möchten Eltern alle Kinder gleich behandeln. In der Praxis ist dies aber eine Knacknuss, denn unterschiedliche Interessen, Talente, Vorlieben und verfügbare Zeit kommen sich in die Quere. Für die einen ist die Mithilfe auf dem Hof Abwechslung, ja sogar Entspannung neben dem Berufsalltag. Für andere ist es harte Arbeit. Die Empfindungen sind unterschiedlich und sollten respektiert werden. Übernehmen erwachsene Kinder einen Posten auf dem Hof, wofür sonst eine andere Person eingestellt werden müsste, werden sie dafür entschädigt. Das ist auch bei Ruth Stuppler* so, die einen personalintensiven Direktvermarktungsbetrieb bewirtschaftet. In der Erntezeit muss die Kasse besetzt sein. Wenn einer der erwachsenen Söhne oder deren Partnerin diese Arbeit übernehmen, werden sie entschädigt. Christine Bühler handhabt es gleich: «Helfen unsere Kinder beim Hühnerladen, bekommen sie denselben Lohn, wie die andern Aushilfen.»

Passende Lösung für alle

Die Umfrage zeigt, dass mit wenigen Ausnahmen keine Stunden aufgeschrieben werden. Für viele ist es selbstverständlich, dass man sich gegenseitig in der Familie aushilft. Ja, es gehört sozusagen zur Grundeinstellung. Das wird so vorgelebt und im besten Fall von der jungen Generation übernommen. Wichtig ist dabei, dass über das Thema gesprochen und für alle Beteiligten eine passende Lösung gefunden wird. Vielleicht erlaubt es das knappe landwirtschaftliche Einkommen nicht, den Jungen einen Lohn zu bezahlen. Es entlastet das Budget der Eltern, wenn die Jungen mit abgeschlossener Berufslehre einen Betrag für Verpflegung und Unterkunft zu Hause abgeben. Oder die Kinder machen eine höhere Ausbildung und schätzen es, dass sie während dem Studium zu günstigen Konditionen zu Hause wohnen können. Die Umfrage zeigt, dass bei fast allen die eigene Lösung entstanden ist und meistens nicht direkt am runden Tisch ausgehandelt wurde. Deshalb könnte es hilfreich sein, eine Auslegeordnung zu machen: Die gegenseitigen Leistungen offenlegen, Verpflegung und Unterkunft zu Hause, Mithilfe auf dem Hof. So weiss jeder nachher, von welchen «Werten» man spricht, worauf man verzichtet und was man erhält. 

Wertschätzung ist A und O

Klar zum Ausdruck kam bei allen, dass die meisten erwachsenen Kinder ganz gerne ab und zu auf dem Hof mithelfen, um den «Spirit der Landwirtschaft» zu spüren und das Gemeinschaftserlebnis zu geniessen. Haben sie einen Lohn von ausserhalb der Landwirtschaft, ist Mithilfe gleich Freizeit. Herrscht in der Familie eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung, empfinden es viele nicht als nötig, Minuten oder Stunden aufzuschreiben und diese in Franken und Rappen abzurechnen. 

Eltern haben während Jahren in ihre Kinder investiert und diese können ihren Eltern so auch etwas zurückgeben. Jede Familie entscheidet sich für eine eigene Lösung. Ab und zu sollte diese mit den Beteiligten aber besprochen werden und nötigenfalls Kurskorrekturen vorgenommen werden.

Claudia Künzi-Schnyder

*Namen geändert

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