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Ein Kuhkalb auf Bestellung

Swissgenetics betreibt seit Anfang Jahr in Mülligen AG ein Labor für die Samentrennung. Ein Besuch.


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Freude oder Enttäuschung: Generationen von Rindviehzüchtern haben diese gegensätzlichen Gefühle erlebt, sobald sie wussten, welches Geschlecht das neu geborene Kalb hat. Jahrzehntelang hat man über die Möglichkeit diskutiert, gesextes Sperma einzusetzen, um entscheiden zu können, welches Geschlecht Kälber haben sollen. Ein bedeutender Durchbruch gelang 1989, als ein gewisser Herr Johnson im Rahmen eines Versuchs mit gesextem Sperma 50 Kaninchen produzierte. In der Rindviehzucht gelang dies 1997, als das erste, aus gesextem Sperma resultierende Kalb geboren wurde.

Die Hygienevorschriften 
sind sehr streng

Swissgenetics ist diesem Trend gefolgt. Sie bauten letztes Jahr in Mülligen AG ein Labor, um selber gesexte Samendosen produzieren zu können. Seit Januar ist das Labor in Betrieb und die Erwartungen wurden mehr als erfüllt. «Früher musste Swissgenetics mit ihren auserwählten Stieren nach Frankreich reisen, um gesexte Samendosen (seleXYon) zu produzieren», sagt Rahel Joss, Produktmanagerin Spezialprodukte bei Swissgenetics. «Mit einem eigenen Labor sparen wir nicht nur Zeit, sondern wir können auch das Unfallrisiko der Stiere deutlich verringern.»

In der KB-Station Mülligen herrscht an diesem Morgen eine angenehme Ruhe. Hier sind unter anderem die bekannten Stiere Rusty, Norwin, Blooming oder Daniel zu Hause. Insgesamt bietet die Station 145 Stieren Platz. Heute will man neben konventionellen- auch gesexte Samendosen produzieren.

Um 6.30 Uhr geht es los. Jeder der sieben Stierenpfleger weiss was zu tun ist. Die Sprunghalle füllt sich langsam mit den riesigen Kolossen. Auch der sehr korrekte Braunviehstier Nesta Norwin wird aufgeführt, denn von ihm will man heute gesexte Dosen, also seleXYon produzieren. «Nach Norwin besteht zurzeit eine sehr starke Nachfrage», sagt Rahel Joss, welche die Produktion nach den jeweiligen Verkäufen koordiniert.

Norwin will erst nicht so recht

Der «Standstier» und Norwin werden nach draussen gebracht. Aber Norwin kommt nicht so recht in «Stimmung». Liegt es an dem unbekannten Besuch, oder ist es ihm doch zu früh? Nach einigen Minuten geht es doch zur Sache und Norwin liefert sein kostbares Erbgut.

Als erstes wird im «konventionellen» Labor der Samen auf seine Qualität untersucht. Reicht diese, um daraus gesexte Dosen zu produzieren? Ja, es reicht.

Nun wird das Sperma ins neue «seleXYon-Labor» weitergereicht. Überall herrscht eine strikte Sauberkeit. Die Hygiene-Vorschriften sind für alle sehr streng, da schaut der Stationsleiter Josef Kneubühler ganz genau hin. Der Samen wird noch einmal gründlich auf seine Korrektheit untersucht. Neben der Beweglichkeit, dürfen auch nicht zu viele tote oder deformierte Samenzellen darunter sein.

Das Ejakulat von den weiblichen und männlichen Samenzellen zu teilen ist eine langwierige und nicht ganz günstige Angelegenheit. Vier Maschinen, die im Trennlabor installiert sind und je 500 000 Franken kosten, übernehmen die Trennarbeit. «Die Zeit reicht aus, um an einem Tag nur von zwei Stieren (je einen Sprung) gesexte Dosen produzieren können», sagt der Teamleiter Alexandre Douablin. Diese Arbeit muss sogar in einem Zwei-Schichtbetrieb bewältigt werden, damit man überhaupt an eine genügend hohe Anzahl Dosen kommt.

Rund zehn Samendosen 
pro Stunde

Genügt die Qualität eines Ejakulates den hohen seleXYon-Anforderungen, wird es mit einem fluoreszierenden Farbstoff angefärbt und in einem Sorter in Mikrotröpfchen, die möglichst nur ein einzelnes Spermium enthalten, aufgeteilt. Die Farbintensität des einzelnen Spermiums wird mittels einem Laser gemessen. Je nach Intensität wird das Tröpfchen unterschiedlich elektrisch geladen. Die Tatsache, dass das X-Chromosom einen um 3,8 % höheren DNA-Gehalt hat als das Y-Chromosom, kann dazu genutzt werden, das X-Spermium (weiblich) vom Y-Spermium (männlich) zu trennen. Die Spermien, die nicht eindeutig den weiblichen oder männlichen zugeordnet werden können, landen mit den männlichen im Abfall.

In einer seleXYon-Dose sind schlussendlich 2 Mio Spermien enthalten, gegenüber einer konventionellen Dose, in welcher 15 Mio drin sind. «Das ist ein relativ langsamer Prozess, bei dem eine Maschine rund zehn Samendosen pro Stunde produziert», stellt Alexandre Douablin fest. Die Sicherheit, dass man am Schluss das gewünschte Geschlecht des Kalbes bekomme liege bei 90 %.  

Berücksichtigt man den Aufwand, die teuren Maschinen und das Personal, welches von der amerikanischen Firma «Sexing Technologies» gestellt wird, rechtfertigt sich der Mehrpreis von gesexten Samendosen gegenüber konventionellen Und der Mehrwert von seleXYon für den Kunden liegt über demjenigen des höheren Preises. Der höhere Preis für gesextes Sperma bedingt, dass es nur bei den fruchtbarsten weiblichen Tieren eingesetzt wird, also normalerweise bei Rindern. «Wir stellen aber fest, dass die Landwirte vermehrt seleXYon auch bei den Kühen einsetzen», sagt Rahel Joss.

Einer der auf seinem Betrieb auf gesexte Dosen setzt, ist Braunviehzüchter Cédric Schärz aus Renan BE. «Vor allem die Rinder besame ich mit X-Dosen. Dabei habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht», sagt Schärz. Wobei auch bei ihm schon Stierkälber für grosse Augen sorgten.
Swissgenetics ist bemüht, seleXYon-Dosen bei allen Rassen anbieten zu können. So werden nicht nur aus den besten geprüften Stieren, sondern auch von vielversprechenden Jungstieren (Optimis) X-Dosen produziert.

«Da wir bei Holstein, Simmental, Swiss Fleckvieh und Original Braunvieh keine Wartehaltung haben, sind wir vor allem bei diesen Rassen auf gute Jungstiere angewiesen», sagt Rahel Joss. Dies sieht bei Braunvieh und Red Holstein ganz anders aus. Ungeduldig wartet schon der fünfjährige Plattery Destry Rusty, um sein Erbgut in seleXYon-Dosen verpacken zu lassen.

Peter Fankhauser

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