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Ein Blick über die Grenze: Die Situation mit dem Wolf in der Schweiz und im Ausland

Sowohl in der Schweiz als auch in unseren Nachbarländern gibt es immer mehr Wölfe. Der Umgang damit unterscheidet sich, die Bauernverbände stehen im Austausch und wollen vom SBV lernen.


«Stimmung, Ausgangslage und Problematik rund ums Thema Wolf ist in Deutschland, Österreich und dem Südtirol genau die Gleiche wie in der Schweiz», sagt Urs Schneider, stellvertretender Direktor der Schweizer Bauernverbands (SBV). Die Bauernverbände haben sich zu einem internationalen Austausch getroffen, um die Situation hierzulande kennenzulernen und allfällige Lehren daraus der Debatte um das abgelehnte Jagdgesetz zu ziehen (siehe Kasten ganz unten). «Umweltverbände und Nichtbetroffene hegen Sympathien, wie bei uns ergreifen die Medien Partei, die Politik hält sich zurück. Die  Betroffenen verlangen Lösungen, fühlen sich aber im Stich gelassen», fasst Schneider zusammen. Trotzdem ist die Lage nicht ganz identisch. Schon nur, was die Zahlen angeht.  

Deutschland: Gelockerter Wolfsschutz 

In Deutschland konzentriert sich die Wolfsvorkommen heute auf ein Gebiet von Sachsen in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Hinzukommen einzelne Territorien in anderen Bundesländern: 

Im südlichen Teil Deutschlands hat es bisher nur vereinzelte Wölfe. (Karte Bundesamt für Naturschutz)

Gemäss dem deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit lebten Anfang 2020 128 bestätigte Wolfsrudel, 35 Paare und 10 territoriale Einzeltiere im Land. Die Population sei insgesamt zunehmend. Angaben zur Anzahl Einzeltiere gibt es in Deutschland von behördlicher Seite nicht. Der deutsche Jagdverein (DJV) kritisiert die offiziellen Statistiken als veraltet. Mit eigenen Hochrechnungen kommt der DJV auf rund 1‘800 Wölfe in Deutschland für das Jahr 2020. 

In einem gemeinsamen Video machen deutsche Agrarmedien auf die Wolfsproblematik aufmerksam:

Anders als in der Schweiz sind in Deutschland die Bundesländer für Abschüsse zuständig, es braucht für eine mögliche Regulation keine Volksentscheide. «Die Hürden dafür sind aber trotzdem hoch», gibt Urs Schneider zu bedenken. Dies, weil in Regierungen und Parlamenten die Mehrheitsverhältnisse eine wichtige Rolle spielen – wie in der Schweiz.

Im letzten Jahr wurde der Wolfsschutz in Deutschland gelockert: Neu dürfen bei ernsten Schäden an Nutztieren nicht nur die verursachenden Einzelwölfe, sondern weitere Rudelmitglieder geschossen werden. Solange, bis es keine weiteren Schäden gibt und auch dann, wenn die Risse keinem bestimmten Wolf eines Rudels zugeordnet werden können. Das gilt allerdings nur, wenn zuvor alle anderen Massnahmen (z. B. Herdenschutz) ausgeschöpft wurden. 

Ziel: «Guter Erhaltungszustand»

Wolf, Bär, Luchs und Golschakal sind grosse Beutegreifer und sind europaweit durch die Berner Konvention und das Washingtoner Artenschutzabkommen mit einem hohen Schutzstatus (streng geschützt) versehen. Versuche der Schweiz, diesen Status auf «geschützt» zu ändern, blieben bisher erfolglos. Mit diesen Vereinbarungen haben sich die unterzeichnenden Länder (zu denen die Schweiz gehört) dazu verpflichtet, für den Wolf einen «günstigen Erhaltungszustand» wiederherzustellen. Dieser umfasst unter anderem eine bestimmte stabile oder zunehmende Population sowie ausreichenden, guten und vernetzten Lebensraum. Eine Schweizer Studie kam zu dem Schluss, dass es im Alpenraum total mindestens 250 sich fortpflanzende Wölfe bräuchte, um die Kriterien eines günstigen Erhaltungszustands für die Alpenpopulation zu erfüllen. Der Schweiz wurde dabei eine Mindestanzahl von 17, Deutschland 4 und Österreich 39 Rudel in den Alpen «zugeteilt».

Gemäss der Stiftung Kora lebten 2020 elf Wolfsrudel in der Schweiz. Von August 2018 bis September 2020 konnten 87 Wölfe genetisch individuell identifiziert werden, davon waren 36 weiblich und 51 männlich.  

Im Jahr 2020 wurden drei neue Rudel in der Schweiz nachgewiesen. (Karte Kora)

Die grün gefärbten Gebiete sind laut Forschenden theoretisch für den Wolf geeigneter Lebensraum. (Karte Kora)

Österreich: Bisher nur wenige Wölfe 

In Österreich kommen je nach Region Versicherungen oder Ämter Schäden durch Wölfe oder es gibt keine Regelungen dafür. Die Gesamtzahl der Wölfe in Österreich schätzt man auf etwa 50 Tiere (Stand 2019).

Seit 2008 wandern vermehrt Wölfe aus Italien, Slowenien, der Slowakei und der Schweiz nach Österreich ein. 2016 gab es erstmals seit 100 Jahren wieder Nachwuchs. (Karte Österreichzentrum Bär, Luchs Wolf)

Abschüsse gibt es in Österreich ausschliesslich bei gefährlichen Verhaltensweisen, die im Wolfsmanagement Österreich erläutert werden. Wird die Situation kritisch, kommt das sogenannte Eingreifteam des Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie beratend zum Einsatz.

Frankreich: Population wird plafoniert

In den französischen Alpen gibt es besonders grosse Schäden durch Wölfe an Nutztieren, schreibt die Kora im Bericht «25 Jahre Wolf in der Schweiz». Man führt das darauf zurück, dass es in Frankreich keine einheitlichen Standards für Haltung, Ausbildung und Zucht von Herdenschutzhunden gibt und deren Effizienz daher schlecht sei. Nach geltendem Recht dürfen in diesem Land Wölfe, die Schaden angerichtet haben, rund um die betroffenen Herden geschossen werden.

In den französischen Alpen leben viele Wölfe, im Rest des Landes wurden nur vereinzelte Tiere registriert. (Karte loupfrance.fr)

Frankreich hat sich eine Population von 500 Wölfen als Ziel gesetzt. Damit ist das Kriterium der ausreichenden Populationsgrösse für den «geeigneten Erhaltungszustand» (siehe Kasten oben) gemäss Schätzungen erreicht. Abschüsse erfolgen heute, um den Bestand auf diesem Niveau zu halten: 2019 gab es 530 Einzeltiere auf französischem Boden, worauf der Abschuss von 100 Wölfen bewilligt worden sei, schreibt die Kora. 

Das empfiehlt der SBV

Im Zuge des Austausch mit ausländischen Bauernverbänden hat der Schweizer Bauernverband (SBV) einige Empfehlungen und Lehren aus dem verlorenen Abstimmungskampf für das revidierte Jagdgesetz für die österreichische Bauernzeitung zusammengefasst: 

  • So rät der SBV die Entscheidungsgremien (sei es die Bevölkerung bei einer Volksabstimmung oder ein Parlament) sehr früh mit der Thematik Wolf konfrontiert werden, auch mit aufrüttelnden Bildern. So löse man Betroffenheit aus. Diese habe bei der Abstimmung zum Jagdgesetz speziell in den städtischen Gebieten gefehlt. 
  • Ausserdem geht der SBV davon aus, dass die Land- und Ernährungswirtschaft bei den nächsten Abstimmungen mit gleicher oder ähnlicher Ausgangslage wie beim Jagdgesetz die nötigen finanziellen Mittel für eine Kampagne auf Augenhöhe wird aufbringen müssen. Der Zusammenschluss aus Umweltverbänden hatte sehr viel in den Abstimmungskampf investiert. 
  • Gegenüber den wichtigsten Medien sollten Fairness und mehr Ausgewogenheit eingefordert werden, rät der SBV weiter.
  • «Die Parteien müssen für ein Engagement gewonnen werden und es hilft sehr, wenn sich bekannte Persönlichkeiten, für die Anliegen der von der Wolfsproblematik Betroffenen einsetzen», heisst es zum abschliessend.

 

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