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Der Wolfwingertenhof blüht wieder auf

Reto Schellhaas ist erst 20 Jahre alt, als er – direkt nach der Lehre – zum Selbstbewirtschafter wird.


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Die Kette am Sägeblatt der Motorsäge klemmt. Mit ein paar fachkundigen Handgriffen und einem Schraubenzieher bringt Reto Schellhaas wieder Spiel hinein. Gerade hat er Zeit für Reparaturarbeiten. Seine sonnengebräunte Haut und die rissigen Hände zeugen aber davon, dass es in letzter Zeit viel Arbeit unter freiem Himmel gab. 

Nach der Lehre übernommen

«Zwei Monate habe ich jede freie Minute für die Reben aufgewendet», erzählt er. Dabei habe er in der Mittagshitze jeweils Zwangspausen einlegen und dafür oft bis zum Eindunkeln arbeiten müssen. «Hätten meine Mutter und die Grossmutter und manchmal auch die Brüder und der Vater nicht geholfen, hätte ich keine Chance gehabt.» Zu den Arbeitsspitzen packt jeder in der Familie mit an. Verlesen, einschlaufen, auslauben. Ende Juni war dieser grosse Brocken bewältigt.

Der Wolfwingertenhof in Henggart im Weinland startet durch, seit Reto Schellhaas ihn bewirtschaftet. Der heute 22-jährige Landwirt hat direkt nach dem Lehrabschluss die Pacht des Hofs angetreten und ist eifrig daran, ihn weiter zu entwickeln. Dabei setzt er auf Diversifizierung und Low-Input-Landwirtschaft. Er arbeitet mit dem, was schon vorhanden ist. Keine verrückten Investitionen. 

Eigentümerin und wichtigste Mitarbeiterin des Betriebs ist Mutter Silvia Schellhaas. Die Familie Schellhaas ist keine klassische Bauernfamilie. Der Hof wurde vor Reto Schellhaas über zwei Generationen nur reduziert bewirtschaftet. Schellhaas ist der erste, der eine landwirtschaftliche Ausbildung hat und nun ganz auf die Landwirtschaft setzt. Auf die Frage, ob die Verantwortung über einen Hof und damit die Selbständigkeit mit 20 Jahren nicht etwas früh sei, antwortet er: «Ich wollte keine Zeit verlieren.»  

Rinder und Freilandschweine

Die Pachtvereinbarung mit seiner Mutter hält den finanziellen Druck klein. Reto Schellhaas ist noch nicht derjenige, der die grossen Steuern zahlen oder Hypothekarzinsen stemmen muss. Einige Weinreben, vier Dutzend Legehennen und etwas Acker- und Grünland. So präsentierte sich der Hof, als Schellhaas die landwirtschaftliche Lehre begann. 

Schon im Frühling vor den Abschlussprüfungen startete er eine Partnerschaft mit der «Mein Schwein GmbH». Damit hat er die Möglichkeit, ganze ohne Kosten und mit Abnahmegarantie Freilandschweine zu mästen. Perfekt für den Jungbauern. Seit Anfang 2017 kann Land der Mutter, das früher verpachtet war,  wieder selbst bewirtschaftet werden. Und Schellhaas startete die Rindermast mit 23 Plätzen. Auf dem Ackerland baut er nun Gemüse an für den Hofladen und Futter für die Tiere.

Am liebsten Ackerbau

Am deutlichsten ist der steile Karriereanstieg im Hofladen zu sehen. Vor zwei Jahren gab es beim Wolfwingertenhof frische Eier und den eigenen Honig, Vater Peter Schellhaas ist übrigens der Imker. Heute findet man zusätzlich Zwiebeln, Kartoffeln, Salat, Brombeeren, Zwetschgen oder Süssmost. Und Brennholz, das ebenfalls Reto Schellhaas aufbereitet. Die Weine, weiss und rosé, werden über die Volg Weinkellerei AG verkauft.  Ein vielseitig aufgestellter Betrieb ist herangewachsen. Der Ackerbau übrigens ist die heimliche Leidenschaft des jungen Landwirts. Auf den etwas mehr als sieben Hektaren baut er Silomais, Winterweizen, Zuckerrüben, auch mal Eiweisserbsen an. Dabei ist er, wie man im Gespräch feststellt, gut über die Marktsituation der jeweiligen Ackerfrüchte informiert. Sonnenblumen hätte er beispielsweise gerne angebaut, aber die Kontingente seien viel zu begehrt und schnell vergeben. Allgemein ist Schellhaas daran interessiert, seine landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) zu vergrössern. Als Jungbauer wird man aber selten berücksichtigt bei der Vergabe von Landwirtschaftsland, so scheint es ihm.

Zum Landwirt geboren

Reto Schellhaas braucht die Abwechslung, die ihm sein Beruf bietet. Seine Mutter fügt an, dass er nie lange drinnen sein könne. Es scheint als sei Schellhaas zum Landwirt geboren. «Ich habe nie etwas anderes gewollt», sagt er. Sowohl der Ackerbau als auch der Rebbau sind Betriebszweige, die saisonale Arbeitsspitzen, aber auch ruhigere Phasen bieten. Dazu kommt der Rhythmus der Tiere: Immer im Februar und im Juni kommen die Ferkel, die er dann vier Monate mästet. Kälber und Rinder hat Schellhaas mal mehr, mal weniger im Stall. Die Hühner zieht er selber nach.

Wohnung mit Freundin

Noch wohnt Reto Schellhaas im Hotel Mama. Voraussichtlich im kommenden Winter wird er mit seiner Freundin die freie Wohnung auf dem Betrieb beziehen. Seine Eltern und die zwei jüngeren Brüder werden dann seine Nachbarn. Ob die Freundin auch eine tragende Rolle auf dem Betrieb übernehmen wird, wissen die beiden noch nicht. Sie hat ihre Pflegeausbildung noch nicht beendet. Sie helfe schon ab und zu bei den Hühnern aus, so Schellhaas. Aber ein Nebenerwerb ausserhalb des Betriebs biete eben auch Sicherheit. Er bleibt in dieser Hinsicht flexibel. Genau wie auf dem Hof auch. Eine Kerneigenschaft der jungen Bauern, die Schellhaas definitiv hat.

Nadine Baumgartner

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