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Der grüne Teppich kann ausgerollt werden

Die Branchenorganisation Milch (BOM) stimmt dem Reglement für seinen neuen Nachhaltigkeitsstandard zu. Dem Entscheid waren harte Auseinandersetzungen der Mehrheit mit den Käsern vorausgegangen. Streitpunkt war die Definition von Molkereimilch.


Publiziert: 02.05.2019 / 13:15

"Ich glaube schon voraussagen zu dürfen, dass es sich hier um ein komplexes Traktandum handelt", sagte BOM-Präsident Peter Hegglin. Angesprochen hat er damit Punkt 10 auf der Tagungsordnung: Branchenstandard Nachhaltige Schweizer Milch (BNSM, auch grüner Teppich genannt).

Vier statt zwei Jahre Massenbilanz

Damit hatte er unzweifelhaft recht. In den letzten Wochen vor der Delegiertenversammlung der BOM vom Donnerstag in Bern waren die Wogen vor und vor allem hinter den Kulissen hoch gegangen. Im Kern ging es dabei um zwei umstrittene Themen: Die Definition der Massenbilanz und die Definition der Molkereimilch im A-Segment für den Zuschlag von drei Rappen.

Zunächst  diskutierte man über die Massenbilanz und darüber, ob diese für vier oder zwei Jahre gelten soll. Das Werkzeug Massenbilanz hilft bei der Einführung von Nachhaltigkeitsprogrammen. Es wird festgelegt, dass für eine gewisse Zeit nicht unbedingt draufstehen muss, was drin steht, sondern dass ein Mindestanteil der gesammelten Menge dem grünen Teppich genügen muss, damit kann man auch einer getrennten Sammlung aus dem Weg gehen. Die DV stimmte gegen eine einzige Stimme grossmehrheitlich für eine Dauer von vier Jahren. Damit kam sie einer Forderung von Mooh nach. Der Vorstand hatte ursprünglich zwei Jahre beantragt.

Käser unterliegen mit Antrag

Das Geschäft Massenbilanz war innert Minuten erledigt, für die Definition der Molkereimilch dauerte es etwas länger. Vor Wochenfrist sorgte eine Mitteilung des Käserverbands Fromarte für Aufruhr. Man sei nicht bereit, den Zuschlag von 3 Rappen für Hart-, Halbhart, und Weichkäse aus Silomilch zu bezahlen. Diesen Zuschlag müssten die Käser aus der eigenen Tasche bezahlen, man könne das am Markt nicht zurückholen, erklärte Präsident Hans Aschwanden der DV. Kohler erinnerte an das Glossar der BOM, genau diese Produkte zählten auch zur Molkereimilch. 

Fromarte-Direktor Jacques Gygax erklärte den Antrag seines Verbands. Man wolle nur die nicht verkäste und die zu Frischkäse verkäste A-Molkereimilch mit dem Zuschlag abgelten. Der Vorschlag der Käser unterlag aber klar mit 68 zu 11 Stimmen. Es obsiegte der Antrag des Präsidiums: "Mit Molkereimilch ist in diesem Zusammenhang die nicht verkäste Milch sowie die zur Herstellung von Käse verarbeitete Silomilch jeweils aus dem A-Segment gemeint".

Fromarte stimmt zähneknirschend zu

Damit war der grüne Teppich aber noch nicht fertig geflochten. Die entscheidende Abstimmung zum Reglement stand noch aus. Bei dieser Abstimmung hatten es die Käser in der Hand, mit der ihr statutarisch zustehenden Sperrminorität im Falle einer geschlossenen Ablehnung das Gesamtkonzept zum Absturz zu bringen. Sie beantragten vor der Abstimmung eine fünfminütige Pause, um zu entscheiden, ob ein solcher Schritt gerechtfertigt wäre. 

Anschliessend erklärte Präsident Hans Aschwanden, er sei nicht glücklich. Trotzdem werde die Käserfamilie die Interessen der Branche höher gewichten als die eigenen und dem Reglement zustimmen. Er tönte an, dass ein Austritt der Käser aus der BOM zum Thema werden werde. Die Zustimmung zum Reglement war somit Formsache, obwohl einzelne Käsereivertreter nein stimmten oder sich der Stimme enthielten.     

Im Emmental erfunden

Vor dem Showdown hatte Geschäftsführer Stefan Kohler an das Entstehen des grünen Teppichs erinnert. Das ursprüngliche Strickmuster sei an einer Retraite im Jahr 2015 im Emmental gezeichnet worden, wie Geschäftsführer Stefan Kohler in einem Rückblick feststellte. "Wir müssen die Qualitätsschiene fahren", sagte er und erwähnte Tierwohl, Fütterung und die soziale Komponenten als Beispiele für die Mehrwerte.

Dabei gehe es auch darum, "auf importierte Mehrwertprodukte geben", so Kohler, der dies mit einem Reklamebild des holländischen Industriekäses Leerdammer illustrierte. Dieser wird neuerdings beworben als Weideprodukt. Die höherwertigen Label wolle man aber nicht angreifen, erklärte Kohler.

Wann ist ein Kuhname ein Kuhname?

Er erinnerte noch einmal an die jüngsten Schritte auf dem Teppich: Am 6. September 2018 seien wichtige Vorstandsentscheide gefallen. Er erinnerte noch einmal an die 10 damals verabschiedeten Anforderungen und die wichtigsten Weichenstellungen: Einführung im Juli 2019 und 2 Rp. Zuschlag für alle Molkereimilch. Demgegenüber gab es an einer Vorstandssitzung vor Monatfsfrist noch einmal Korrekturen: Einführung aus Zeitgründen erst im September 2019, Zuschlag 3 Rappen, aber nur fürs A-Segment.

Kohler zählte auch die nächsten Schritte auf: Kennzeichnung auswählen (Experten sind dran, Vorschläge werden im Juni dem Vorstand vorgelegt), Kommunikationsstrategie erarbeiten (inklusive Medienkonferenz zur Lancierung), Charta vorbereiten, Weisungen (z.B. wann ist ein Kuhname ein Kuhname?).

Bevor man nun aber über solche Details diskutieren könne, so Kohler, müsse zunächst ein positiver Grundsatzentscheid fallen. Hans Aschwanden, Präsident von Fromarte erklärte zum Auftakt der Diskussion, er sei bereit, den schwarzen Peter zu ziehen, falls nötig. Aschwanden verwies gleichzeitig auf den grossen Elefanten im Raum: Die Migros hat Anfang Jahr einen eigenen Nachhaltigkeitsstandard eingeführt und diesen eingepreist, das mache es schwierig für die übrigen Marktteilnehmer, einen Zuschlag zu bezahlen.

"Es geht nicht um viel"

Aschwanden rechnete anschliessend vor, dass es nicht um viel gehe: "Für 1,8 Mio t (verarbeitete Milch ohne B- und C-Milch sowie zu Rohmilchkäse verarbeitete Milch) sind wir einig, wir sprechen eigentlich nur noch von 0,2 Mio t, wo wir eine Differenz haben, wir bitten Sie, uns entgegenzukommen", sagte der oberste Käser.

Produzentenvertreter Ruedi Bigler konterte, die Produzenten seien den Käsern schon entgegengekommen in dieser Frage. Er verwies auch darauf, dass der grüne Teppich in den Diskussionen um die AP 22+ vom BLW bereits als Voraussetzung gehandelt werde. Ein BLW-Vertreter erklärte, das Amt habe hohes Interesse, dass die Produzenten ihre Nachhaltigkeits-Mehrwerte vermarkten können und letztlich konnten sich die Produzenten hier durchsetzen.

Zum Schluss der Delegiertenversammlung wurden Hans Aschwanden (für Ernst Hofer) und Sepp Dörig (als Nachfolger für Walter Arnold) neu in den Vorstand der BOM gewählt.

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