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Das grosse Showdown: Bäuerin trifft Veganerin

Die Bäuerin Margrit Binder und die Sozialarbeiterin Ailine Thiemann sind sich, wenn es ums Fleisch essen geht, nicht einig. Im Dialog fanden sie aber gleichwohl einige Gemeinsamkeiten.


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Hündin Ilena bellt wie verrückt, als sich Ailine Thiemann dem Hof von Margrit Binder nähert. Der ungarische Hirtenhund schwebt mit seinen langen zotteligen Haaren, wie ein wuscheliger schwarzer Teppich knapp über dem Boden. Die Sozialarbeiterin und Veganerin Thiemann besucht die Bäuerin Magrit Binder in Bisikon ZH. Auch sie hat ihren Hund Yumi dabei. Auf dem Betrieb mit 14 Hektaren hält Binder elf Galloway Rinder. Darunter einen 6-jährigen Zuchtstier. Die Galloways liegen friedlich auf einer ausladenden Wiese und käuen wieder. «Ende 2021 gebe ich den Hof auf», erzählt die 74-jährige Bäuerin. Traurig sei sie aber nicht, denn die Vorschriften in der Landwirtschaft nähmen immer nur zu und von den Bauern würde viel zu viel verlangt. Ailine Thiemann schaut sich interessiert um. Die beiden Frauen lernten sich in den Kommentarspalten eines BauernZeitung-Artikel zum Thema «Argumente fürs Fleischessen» auf Facebook kennen.

Einblick in das Leben auf dem Hof

Die 30-jährige Thiemann fragt besorgt, was denn mit den Tieren passiere, wenn der Hof nicht mehr sei. «Die Tiere werden geschlachtet», erklärt Binder. Den Stier könne sie vielleicht noch verkaufen. Die Kühe auf einen Gnadenhof zu geben, kommt für die Bäuerin aber nicht in Frage: «Die Tiere verfetten, wenn sie nicht gedeckt werden». Binder öffnet das Gatter zum Hof und gewährt Thiemann Einblick. «Die Galloways können nach Lust und Laune in den Stall kommen oder auf dem Feld sein», erklärt sie. Früher habe sie mit ihrem Partner noch Mais, Sonnenblumen und Weizen angebaut. Dieser verstarb jedoch und alleine sei es ihr zu viel. Für ihre Tiere würde sie alles machen: «Wenn eine Kuh aus einem Grund eingeschläfert werden muss, dann bleibe ich die ganze Nacht mit ihr wach und am anderen Tag, geht der Eingriff ganz friedlich von statten.»

15 Monate ist das richtige Alter

Die Bäuerin produziert unter anderem Baby-Galloway-Beef, wobei die Rinder mit 15 Monaten geschlachtet werden, wie sie erzählt. Thiemann scheint nicht begeistert: «Es geht doch hier um Mutterkuhaltung, warum werden die jungen Rinder, dann der Mutter weggenommen?». Mit 15 Monaten könne man die Absetzer der Mutter besser wegnehmen, als als kleine Kälber. Würden sie älter, so werden sie geschlechtsreif und es könne zu Inzucht kommen, erklärt Binder. Zudem jage die Mutter das erste Kalb weg, wenn das zweite auf die Welt komme. Die Bäuerin lädt Thiemann in ihre Stube ein. Ilena bellt und rennt aufgeregt umher, mit der Hündin von Thiemann hat sie sich bereits angefreundet.

Austausch auf Augenhöhe

Die beiden Frauen setzen sich aufs Sofa und beginnen eine intensive Diskussion. Jede argumentiert für ihre Lebensweise. Doch es fühlt sich, ganz anders als auf Sozialen Medien, nicht wie Fronten an. Es ist ein Austausch auf Augenhöhe. Margrit Binder erklärt die Sorgen der Landwirtschaft, berichtet über lange Arbeitszeiten und die nagende Kritik der Gesellschaft. Etwas ändern müsse sich in der Landwirtschaft schon, ist sie sich sicher. «Ich kaufe nur regional und Fleisch esse nur Fleisch von meinen Tieren», so Binder. Sie befürchtet steigende Importe, falls die Vorschriften für die Landwirte weiter strenger werden. Zudem, was würde aus all den Nutztieren werden, wenn man mit der Tierproduktion aufhören würde, fragt sie sich.

Das Fleisch gehört zur Ernährung

«Wir sind nicht gegen die Tiere», kontert Thiemann, «Sie müssen nur nicht Funktionen für uns erfüllen, sondern wir dürfen miteinander leben, als gleichwertige Lebewesen». Etwa kenne sie einige Höfe, welche aus der Tierproduktion ausgestiegen seien. Dort lebten die Tiere noch bis ans Ende ihrer Tage. Thiemann argumentiert, dass Fleisch für eine gesunde Ernährung nicht nötig sei. «Es gibt genügend Proteine in der pflanzlichen Ernährung», führt sie aus. Zudem könne man sich das fehlenden Vitamin B12 durch Supplemente zu sich nehmen. Vitamine würden ja bei der Tierproduktion auch dem Futter beigefügt. Für die Bäuerin und gelernte Bankmetzgerin Margrit Binder gehört das Fleisch aber zur Ernährung dazu. «Ich esse nicht viel Fleisch, aber das Fleisch-Essen gehört zum natürlichen Kreislauf», unterstreicht sie. Zudem fragt sich Binder, von was die Landwirte ohne Fleischproduktion noch leben sollen.

Tiere nicht als Nährstofflieferanten nutzen

Die Veganerin sieht einen Wandel in der Landwirtschaft als Chance für die Bäuerinnen und Bauern. «Die Masttiere sind Konkurrenten für den Menschen», führt sie aus. Ohne die Tiere gebe es mehr Platz für den Pflanzenbau. «Woher nehmen wir dann den Düngern von den Tieren?», fragt die Bäuerin. Tiere hätten in der Landwirtschaft trotzdem noch ihren Platz, meint Thiemann darauf. Anstelle als Nährstofflieferanten, könnten die Tiere auch noch andere Aufgaben erfüllen. Kühe könnten etwa Dung liefern für den Pflanzenbau, ist sich Thiemann sicher. Die junge Frau hatte fünf Jahre ein Abo bei Ortoloco und lebte und arbeitete eine Zeit auf einem Demeter-Hof. Sie kennt die Landwirtschaft also auch von der praktischen Seite. 

Annäherung mit Gastfreundschaft

Die unterschiedlichen Meinungen schwingen, mal friedlich, mal holperig, mal aufgeheizt hin und her. Margrit Binder runzelt die Stirne, lacht, hört gespannt zu, bewegt ihre Hände dazu, hat viel zu erzählen. Ailine Thiemann schaut verständnisvoll, lehnt sich entspannt zurück, gerät dann in Fahrt, spricht von Aktionismus. Es wäre wohl noch lange so weitergegangen, doch Thiemann muss sich auf den Weg machen zurück nach Birmenstorf ZH. Hündin Ilena lässt die Gäste kaum gehen, läuft vor der Tür hin und her und bellt ununterbrochen. «Wenn sie jemand ins Herz geschlossen hat, will sie ihn nicht gehen lassen», meint Margrit Binder und lacht herzlich. Thiemann lächelt ebenfalls und bedankt sich für das interessante Gespräch und die Gastfreundschaft. «Den Umgang mit den Tieren auf dem Hof finde ich sehr vorbildlich, es wäre schön, wenn andere Bauern auch so arbeiten würden», meinte sie. Doch für sie bleibt klar, Tiere gehören nicht auf den Teller. 

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