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BVD: «Die Bekämpfung verträgt keine Laschheiten»

Im Kanton Freiburg häufen sich derzeit die BVD-Fälle. Deswegen sei die Ausrottungsstrategie aber noch lange nicht gescheitert, sagt Rolf Hanimann, Präsident der Vereinigung der Schweizer Kantonstierärztinnen und Kantonstierärzte.


Publiziert: 10.03.2017 / 08:08

An der Holstein-Expo Sarine von vorletzter Woche wurde eine Kuh von einem BVD-gesperrten Betrieb aufgeführt.  Die Expo Bulle wurde wegen BVD abgesagt. Was läuft hier schief?

Rolf Hanimann: Offensichtlich wurden nicht alle Massnahmen beachtet, die man im Rahmen der Bekämpfungsstrategie zur Ausrottung von BVD verfügt hat.


BVD-gesperrte Betriebe nutzten eine Systemlücke in der Tierverkehrsdatenbank, indem sie Kühe auf einen anderen Betrieb verstellen und nicht korrekt datieren.


Genau. Grundsätzlich funktioniert das System zur Seuchenbekämpfung als wesentlicher Pfeiler auf der Basis von Eigenverantwortlichkeit des Tierhalters. Ohne diese kann keine Seuche erfolgreich bekämpft werden, wenn man keinen Polizeistaat einführen will. Gerade in der Endphase der Bekämpfung von BVD und anderen Seuchen ist diese Eigenverantwortlichkeit enorm wichtig.


Trotzdem gibt es Lücken.


Ja. Aber diese Lücken, die man mit krimineller Energie nutzen kann, gibt es in jeder Strategie. Die Tierseuchenbekämpfung basiert sehr stark darauf, dass man als Tierhalter seine Tiere möglichst gut schützen will. Jeder, der diesem Grundsatz abweicht, gefährdet damit 
das Ziel der Tierseuchenbekämpfungsstrategie und setzt seine Kollegen unnötigen Risiken aus.


Stimmt es, dass der Bund bereits gegen 50 Mio Franken für die Ausrottung von BVD investiert hat?


Das ist korrekt.


War das jetzt alles für Nichts?


Grundsätzlich ist die Strategie in der Entwicklung und in der Umsetzung auf dem richtigen Weg. Dass nun vor allem im Kanton Freiburg vermehrt BVD-Fälle entdeckt werden, ist ein regionales Problem, das nicht einmal den ganzen Kanton betrifft.

Die Kantone insgesamt haben die Strategie erfolgreich umgesetzt. Das zeigt sich auch, wenn man die Zahl der in der Schweiz gemeldeten Seuchenfälle betrachtet.


Die Strategie ist nicht gescheitert?


Nein. Die Bekämpfungsstrategie ist nicht gescheitert. Im Gegenteil: Sie ist erfolgreich, wenn man die nationale Ebene betrachtet. Damit ist aber nicht gesagt, dass es auf regionalen Ebenen keine Rückschläge geben kann. Das liegt in der Natur der Sache. Aber die Situation im Kanton Freiburg erfordert die konsequente Umsetzung der etablierten Bekämpfungsmassnahmen. Aus meiner Sicht hat man jetzt auch dort die Situation richtig analysiert und die Bekämpfung mit den geeigneten Mitteln intensiviert. Dass man Millionen in den Sand gesetzt hat, trifft deshalb nicht zu.


Der Kanton Bern hat viel weniger BVD-Fälle gemeldet, als der Kanton Freiburg. Haben die Berner besser gearbeitet?


Das ist so nicht ganz richtig. Ein Kanton kann nicht beeinflussen, wann ein Seuchenfall eintritt. Entscheidend ist, dass man unverzüglich und maximal die vorgesehenen Massnahmen ergreift. Denn den Tierverkehr kann man nicht beeinflussen. So ist klar, dass, je länger man wartet, bis Massnahmen verfügt werden, umso grösser die Gefahr einer Verschleppung des Virus ist. Und damit ist auch nicht auszuschliessen, dass es zwischenzeitlich zu einem Anstieg der Fälle kommt. Wird ein Fall bekannt, ist entscheidend, dass man sofort die nötigen Abklärungen vornimmt, Betriebe und Tiere sperrt und PI-Tiere ausmerzt.


Das ist leichter gesagt als getan.


Ja, die Bekämpfung dauert lange. PI-Tiere können über zwei Trächtigkeitszyklen auftreten. Das Veterinäramt kann nicht beeinflussen, wann ein Fall auftritt. Aber es kann sofort und konsequent eingreifen. Aber dann sinkt auch wieder die Zahl der Seuchenfälle. Das haben wir im Kanton Graubünden direkt so erlebt. Und man muss berücksichtigen, dass Schweizer Rinder nicht gegen BVD geimpft sind. Jedes PI-Tier birgt ein grosses Krankheitsrisiko, weil langsam alle Tiere ohne natürliche Immunität ungeschützt vor einer Infektion sind.


Eine Impfung wäre möglich, ist aber in der Schweiz nicht zugelassen?


Will man eine Seuche ausrotten, ist eine nationale Impfkampagne falsch. Dann kann man nämlichnicht mehr zwischen angesteckten und geimpften Tieren unterscheiden. Die Tankmilchbeprobung misst die Zahl der in der Milch vorhandenen Antikörper. Würde man impfen, würden alle

Tiere diese Antikörper tragen, eine Kontrolle wäre unmöglich.

Und noch etwas ist wichtig: Etwa 0,5 Prozent der kontrollierten Tiere sind BVD-positiv. Die Überwachung über die Tankmilchproben ist sehr viel günstiger, als jene mittels Ohrstanzproben.


An der IGBS-Schau im Kanton St. Gallen verzichtete man auf zusätzliche Auffuhrbedingungen. Ist das verantwortungslos?


Der Kanton St. Gallen verlangte, dass die Tiere mindestens 30 Tage vor der Schau im Ursprungsbetrieb stehen. Das ist nicht Nichts. Ausserdem ist es jedem Kanton selbst überlassen, die Auffuhrbedingungen zu verschärfen.

Dass der Kanton Freiburg mit seinem regionalen Problem verschärfte Auffuhrbedingungen erliess, ist richtig. Damit wird, wenn sich alle daran halten, eine Krankheitsverschleppung verhindert. Der Kanton St. Gallen hat aufgrund seiner Risikobeurteilung das Seuchenrisiko anders eingeschätzt und entsprechend gehandelt.

Kein Kanton kann die Taten von Einzelpersonen, die kriminell oder fahrlässig handeln, mit verschärften Massnahmen auffangen. Sie haben immer negative Auswirkungen auf alle Beteiligten.


Wird damit nicht automatisch die gesamte Ausrottungsstrategie ins Wanken gebracht?


Nein, das kann man so nicht sagen. Denn mehr als 99% der Tiere sind gesund. Und ich bin auch 
zuversichtlich, dass man das Problem im Kanton Freiburg in den Griff bekommen kann. Etwas Gutes hat aber die jetzige Situation: die jüngsten Ereignisse zeigen, dass man bei der Seuchenbekämpfung nicht lockerlassen darf, bis man nicht das letzte PI-Tier ausgemerzt hat.

Wir werden zusammen dem Bund nochmals kommunizieren, dass man die Bekämpfung bis zum letzten Tier aufrechterhalten muss.


Ohne den Bund wäre die Ausrottung nicht möglich?


Wenn nicht konsequent gehandelt wird, wird es mit jedem PI-Tier Rückfälle geben. Aber es heisst auch, dass die Tierhalter sich an die verschiedenen Massnahmen halten müssen.


Wie kann man seinen Tierbestand schützen?


Einerseits, indem man nur mit vertrauenswürdigen Partnern zusammenarbeitet. Andererseits, indem man sich aktiv Informationen verschafft und versucht, das Risiko zu minimieren.


Die Eigenverantwortung der Tierhalter steht weiterhin im Vordergrund. Welche Rolle sollen die Zuchtverbände dabei spielen?


Die Zuchtverbände waren massgeblich daran beteiligt, BVD als Seuche zu klassieren. Erst damit wurde auch eine staatliche  Bekämpfung möglich. Auch hier

haben die Verbände die nötige Vorarbeit geleistet. Es ist deshalb richtig, dass sie nun auch Druck machen, weil sie das Ziel gefährdet sehen.


Welche Vorsichtsmassnahmen sind im Hinblick auf die Alpsaison zu treffen?


Es müssen keine neuen Massnahmen definiert werden, die bisherigen Vorschriften zur Sömmerung haben sich bewährt und kommen auch in diesem Jahr zur Anwendung.


Interview Hansjürg Jäger


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