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Bündner Bauernverband: «Die Initiativen sind zu extrem»

Im Abstimmungskampf gegen die Trinkwasser- und Pestizid-Initiative hat der Bündner Baunernverband eine Referentin und drei Referenten aufgeboten. Der gemeinsame Tenor: «Die beiden Initiativen sind zu extrem.»


Eine Referentin und drei Referenten mit je einer eigenen Sichtweise auf die Trinkwasser- beziehungsweise auf die Pestizidverbots-Initiative, über die am 13. Juni abgestimmt wird: Mit diesem breit aufgestelltem «Aufgebot» legte der Bündner Bauernverband am 3. Mai die Gründe dar, weshalb er die beiden Volksbegehren ablehnt. Astrid Derungs stellte in ihrem Referat ihre Sicht und jene des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands vor.

Ein Ja käme teuer zu stehen

«Sauberes Trinkwasser und eine gesunde Umwelt ist allen wichtig. Wer weiss das besser als wir Bäuerinnen und Bauern», sagte die Präsidentin des Bündner Bäuerinnen- und Landfrauenverbands. «Aber», fügte sie an, «die Initiativen sind zu extrem.» Sie würden über das Ziel hinausschiessen. Bei einem Ja zu den beiden Initiativen hätten die Konsumentinnen und Konsumenten keine Wahl mehr und würden beim Kauf von Lebensmitteln zu Bio gezwungen. Sie hätten jedoch bereits heute diese Möglichkeit, würden diese aber nur beschränkt nutzen. «Der Einkaufszettel bestimmt vieles», konstatierte Derungs und fügte an, dass bei einem Ja zur Pestizid-Initiative die Lebensmittel in der Schweiz teurer würden. Das hätte eine weitere Zunahme des Einkaufstourismus zur Folge mit den entsprechenden Auswirkungen auf die nachgelagerten Betriebe im Lebensmittelbereich.

Ein Ja zur Trinkwasser-Initiative führt zudem laut Derungs zu einer Schmälerung der Vielfalt der Bündner Landwirtschaft. Viele Bündner Bauernfamilien produzieren etwa Eier für den Eigengebrauch und für den Verkauf im Hofladen. Weil die meisten Teile des Bündnerlands aber über keine ackerfähigen Böden verfügen, müssten sie bei einem Ja zur Initiative auf diesen Betriebszweig verzichten, da sie nicht in der Lage sind, die Hühner auf Basis der betriebseigenen Futtergrundlage zu ernähren.

Der Markt muss spielen

Diesen Aspekt hob auch Ursin Gustin in seinen Ausführungen hervor. Als Vizepräsident der Schweizer Junglandwirte und als Präsident der Jula Graubünden und Glarus vertrat er die Sicht der nachwachsenden Generation. Gustin führt auf dem Schamserberg einen Biobetrieb mit 27 Milchkühen. Weil sein Betrieb zu hoch gelegen ist, um Ackerbau zu betreiben, kauft Gustin von einem Kollegen eines tiefer gelegenen Betriebs Mais dazu – und beliefert diesen im Gegenzug mit Hofdünger. Damit ernährt Gustin seinen Viehbestand zwar nicht mit dem betriebseigenen Futter. Dieser Austausch trägt aber dem Umstand Rechnung, dass auf dem tiefer gelegenen Betrieb der Tierbestand zu Gunsten des Ackerbaus etwas tiefer ist.

Gustin betont zudem, dass auf einem funktionierenden Markt das Angebot und die Nachfrage in einem Gleichgewicht sein müssen. Aber, so Gustin, viele Konsumenten würden sich beim Einkaufen anders verhalten als an der Urne. Der Bio-Anteil an den Lebensmitteln betrage lediglich 11,8 Prozent. Mit Blick auf die Corona-Pandemie stellte Gustin fest, die Schweiz habe die Produktion von Masken und Desinfektionsmittel aufgegeben. Das habe sich als Fehler erwiesen. Eine Annahme der beiden Initiativen hätte laut Gustin den gleichen Effekt. Die Produktion von einheimischen Lebensmitteln vom Feld bis zum Teller würde gefährdet.

Zwang zu Bio

«Die Pestizidverbots-Initiative ist scharf und klar formuliert.» Das stellte Fadri Stricker, der Vizepräsident des Bündner Bauernverbands, fest. Nur wer sich ausschliesslich und zu 100 Prozent mit biologisch produzierten Lebensmittel ernähre, dürfe ihr zustimmen. Denn diese Initiative komme einem Zwang zu Bio gleich. Stricker betonte, dass eine Annahme der Initiative nicht nur für die Landwirtschaft weitreichende Folgen hätte. Das im Initiativtext vorgesehene Verbot synthetischer Biozide betreffe die gesamte Lebensmittelindustrie. Betroffen wäre etwa der Einsatz von Pökelsalz bei Wurstwaren, der Einsatz von Keimhemmern oder von Konservierungsmitteln.

Laut Stricker wären eine Verlagerung der Produktion ins Ausland und der Verlust von Arbeitsplätzen die Folgen. «Bei einem vollständigen Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel drohen geringere Ernten und Ernteausfälle», warnte Stricker. Massive Schäden auf dem Feld könnten zu einer Produktion für die Biogasanlage führen, sagte Stricker.

Eine Fehlkonstruktion

Einen grossen zeitlichen Bogen spannte Thomas Roffler, der Präsident des Bündner Verbands, in seinen Ausführungen zur Trinkwasser-Initiative. Diese gefährde die Versorgung mit regionalen Produkten, baue Arbeitsplätze ab und gefährde die Existenz vieler Bauernhöfe. «Jede und jeder, der die vier Agrarrevolutionen der letzten 250 Jahre kennt, lehnt die extreme Trinkwasser-Initiative ab», sagte Roffler. Er nannte dabei die folgenden Eckpunkte:

  • Hungersnöte in der Mitte des 18. Jahrhunderts leiteten die Stallhaltung des Viehs ein, verbunden mit der Lagerung von Dünger. So konnten den Acker- und Grünflächen konzentriert Mist und Gülle zugeführt werden.
  • Zwischen 1870 und 1950 wurde der Grundstein zur theoretischen und praktischen Ausbildung der verschiedenen agrarischen Bewirtschaftung gelegt.
  • Zwischen 1950 und 1990 stabilisierte sich die landwirtschaftliche Produktion durch die Mechanisierung.
  • Seit 1990 werden Nahrungsmittelproduktion und Ökologie miteinander verbunden. Wissenschaftliche Methoden werden stärker mit der bäuerlichen Praxis verbunden.

Den Initianten der Trinkwasser-Initiativen wirft Roffler vor, sich dieser Zusammenhänge nicht bewusst zu sein. Ihr Volksbegehren sei umwelt- und agrarpolitisch eine Fehlkonstruktion. 

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