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Buchtipp: Homo Deus

Das Buch «Homo Deus» von Yuval Noah Harar zeigt, was das 21. Jahrhundert bringen könnte. Dabei spielt auch unsere aktuelle Nutztierhaltung eine Rolle.  


Publiziert: 03.01.2019 / 16:06

Prognosen – egal welcher Art – haben etwas gemein: Sie sind selten genau. Manchmal wünscht man sich, dass sie wahr werden. Und manchmal hofft man, dass sich die Prognosen als falsch erweisen werden. Beim Buch «Homo Deus» von Yuval Noah Harari bleibt man als Leser zurück und fragt sich, ob man die Prognosen hoffend erwartet oder ängstlich befürchtet. Das hängt auch damit zusammen, wie wir die Tiere halten.

Mensch ohne Bewusstsein

Yuval Noah Harari hat sich in den letzten Jahren mit drei bemerkenswerten Büchern Bekanntheit erschrieben: «Sapiens, eine kurze Geschichte der Menschheit» (2011), «Homo Deus – eine Geschichte von Morgen» (2016) und «21 Lektionen für das 21. Jahrhundert» (2018). Jeder Titel für sich verdient eine umfassende Würdigung; hier geht es aber nur um das zweite Buch, um «Homo Deus».

Harari geht darin der Frage nach, wie sich die Menschheit im 21. Jahrhundert verändern könnte. Um das zu machen, stellt Harari zuerst klar, dass heute mehr Menschen an Übergewicht als an Unterernährung sterben, dass global gesehen Konflikte weniger werden, gleichzeitig die Lebenserwartung steigt.

So gesehen ist es zutreffend, wenn Harari beschreibt, wie die Menschheit nach zwei Jahrhunderten voller Kriege, Seuchen und Katastrophen am Morgen des 21. Jahrhunderts aus einem Alptraum aufwacht und sich fragt, wie es nun weitergeht.

Der Mensch als Ansammlung von Zellen

Für die Zukunftsperspektive stellt Harari die These auf, dass das Verhalten des Menschen auf Algorithmen beruht; konkreter auf chemischen Reaktionen in den Zellen des Körpers. Alleine die Grundthese löst das liberale Verständnis vom selbstwirksamen und bewussten Menschen auf. Denn in Hararis Deutung ist der Mensch nichts anderes als eine Ansammlung von Zellen. Zellen, die nach einigen zehntausend Jahren Evolution so gut zusammenarbeiten, dass der Mensch das tonangebende Säugetier auf dem Planeten werden konnte.

Vor dieser, etwas verkürzten, Ausgangslage fragt Harari dann, was die Zukunft bringen wird. Und er geht davon aus, dass mithilfe von künstlicher Intelligenz die Algorithmen, die das Verhalten des Menschen steuern, kopiert werden können. Leben, so wie wir das kennen, ist in diesem Verständnis nichts anderes als die Verarbeitung von Daten.

Da alleine für die Verarbeitung von Daten kein Bewusstsein nötig ist, ist es laut Harari nur noch eine Frage der Zeit, bis die Algorithmen der künstlichen Intelligenz das Leistungsvermögen der Menschen um ein Vielfaches überflügeln (können).

Wer beherrscht wen?

Damit besteht Potenzial um alle Probleme dieser Welt zu lösen. Oder – und jetzt landen wir bei der Nutztierhaltung – es führt dazu, dass der Mensch von den Algorithmen gehalten wird; so wie heute Tiere gehalten werden, um Milch und Fleisch zu produzieren.

Letzteres lässt unweigerlich die Frage nach Ethik und Moral in der Tierhaltung aufkommen. Warum? Angenommen, Algorithmen ohne Bewusstsein kennen den Menschen bald besser, als wir uns selbst. Angenommen, diese Algorithmen beginnen, mit gezielten Informationen die Entscheidungen, die wir in Zukunft fällen werden, zu steuern. Nehmen wir weiter an, dass die Algorithmen in der Lage sein werden, unser Essen zu bestimmen – und zwar so, dass wir gesund und kräftig bleiben: Was würde den Menschen von einem Rind unterscheiden? Das ist nur eines von mehreren Gedankenspielen, zu dem das Buch von Harari einlädt.

Mensch und Technik

Das kann Angst machen; wie eine Bekannte kürzlich erzählte, sei sie nach der Lektüre von «Homo Deus» drei Wochen lang etwas depressiv gewesen. Grund dafür ist nicht der Stil; sondern vielmehr die gründliche und doch verständliche Auseinandersetzung mit den Grundzügen menschlichen Verhaltens einerseits und den Möglichkeiten der Technik andererseits.

In der Summe bietet das Buch damit einen guten Einblick in das, was mit der auf Wissenschaft und Messbarkeit ausgerichteten Gesellschaft im 21. Jahrhundert passieren könnte. Der Autor stellt dabei nichts weniger als die Daseinsberechtigung der Menschen zur Diskussion. Zwar eignet sich «Homo Deus» kaum als entspannende Bettlektüre; trotzdem ist das Buch zuweilen witzig und unterhaltend geschrieben. Damit ist es eine freundliche Einladung, die alles entscheidende Frage zu stellen: Was ist unsere Aufgabe in unserem Leben im 21. Jahrhundert?

Hansjürg Jäger

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