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Blumenbinden ist nicht ihr Ding…

Ob Schaurichterin an einer Viehausstellung, Chefin eines Verkaufsteams oder Betriebsleiterin eines grossen Hofs – Sabrina Schlegel wagt und gewinnt meistens, sofern noch das Quäntchen Glück mitspielt.


von lid
Publiziert: 10.08.2019 / 07:17
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Der 95 Hektar grosse Grundhof unweit der Passstrasse über den Bözberg im Kanton Aargau gehört zu den grossen landwirtschaftlichen Anwesen der gleichnamigen Gemeinde. Bei der Anfahrt fallen die glitzernden Photovoltaikmodule auf nicht weniger als 600 m2 Dachfläche eines modernen Stalls ins Auge. Die 34 Jahre junge Sabrina Schlegel ist Betriebsleiterin auf dem Grundhof mit den Hauptbetriebszweigen Milchwirtschaft (110 Milchkühe) und Schweinemast (245 Plätze für Mastschweine).

Berufswunsch Landwirtin äusserte sich früh

Sie betont, nicht in einer Bauernfamilie aufgewachsen zu sein. Allerdings hielt die Familie, in der sie aufwuchs, Zwergziegen, Hasen und Hühner. Ihr Vater war Geschäftsführer eines grösseren Unternehmens, die Mutter Kindergärtnerin und Kinesiologin. Schon früh zog es die junge Sabrina zu benachbarten Bauernhöfen und ihren Kühen. Den Berufswunsch "Landwirtin" äusserte sie bereits als Teenager. Doch die Eltern hielten sie an, zuerst andersweitig in Bildung zu investieren. Nach der Kantonsschule entschied sie sich - abwägend mit der Tiermedizin - Agronomie an der ETH Zürich zu studieren. Das Fach versprach vielfältig zu sein und der Bezug zu den Tieren kam nicht zu kurz, im Gegenteil.

Während des Studiums jobbte Schlegel an Viehausstellungen in der Ostschweiz. "Ich war dort die erste und einzige Schaurichterin und dazu noch sehr jung. Doch die Rindviehzüchter gaben mir die Gelegenheit", erinnert sie sich. "Über die Jahre konnte ich so ein Netzwerk zu Landwirten aufbauen."

Nach dem Studium folgten Schritte in die Berufswelt. Schlegel arbeitete zuerst auf der Landwirtschafts- und Umweltdirektion des Kantons Nidwalden und führte betriebswirtschaftliche Beratungen durch. Danach folgte ein Engagement beim Mineralstoff- und Kälbermilchhersteller Multiforsa, wo sie als Regionalverkaufsleiterin die Chance erhielt, ein Team von 15 Aussendienst-Mitarbeitern zu führen. "Dies gab mir Gelegenheit, weg vom Büro und vermehrt an der Front tätig zu sein und landwirtschaftliche Betriebe zu besuchen."

Landwirtin rapportiert an CEO

Doch in ihr keimte der Ehrgeiz, mehr zu wagen und "nicht nur die Herden fremder Betriebe zu begutachten, sondern selbst anzupacken. Spätestens als ich und mein Mann heirateten, hegten wir den Wunsch, selbst ein gemeinsames Projekt anzugehen", so Schlegel. Optionen, wie die Übernahme des elterlichen Hofes ihres Mannes oder ein Pachtvertrag, zerschlugen sich. Ein für die schweizerische Landwirtschaft sehr untypisches Eigentumsverhältnis entpuppte sich als Glücksfall: Das Industrieunternehmen Otto Suhner AG in Lupfig suchte für ihren konzerneigenen Agrarbetrieb, der in den 60er-Jahren erworben wurde, per Inserat einen Betriebsleiter.

Sabrina Schlegel und ihr Mann Yannick Decrausaz bewarben sich als Betriebsleiterpaar mit definierter Aufgabenteilung und erhielten die Stellen. "Ich bin das Bindeglied zur Muttergesellschaft und zum CEO und verantworte die ganze Innenwirtschaft wie Stall, Büro etc. und die Vertretung gegen aussen", so Schlegel. Ihr Mann ist vorwiegend für die Landbewirtschaftung, Maschinen und Schweine zuständig.

"Mein Arbeitgeber schaute auf meine Qualifikationen und nicht auf meine Umstände. Als er mich und meinen Mann anstellte, war ich bereits hochschwanger", erinnert sich Schlegel.

Lean-Management ist Devise

Die Unternehmerfamilie Suhner bekundet nach wie vor Interesse an diesem Agrarbetrieb, erwartet aber auch verbesserte betriebswirtschaftliche Zahlen. Der Grundhof am Bözberg ist juristisch eine Aktiengesellschaft und beschäftigt 5 Angestellte. Der Betrieb erhält staatliche Zuwendungen für ökologische Leistungen, nicht aber die üblichen Direktzahlungen. "Arbeitseffizienz ist ein wichtiges Thema bei uns", sagt Schlegel. Ähnlich wie in der Industrie lebt man auf dem Grundhof die Lean-Management-Kultur.

Für alltägliche Arbeitsabläufe existieren schriftlich verbindliche Abläufe, so genannte Standard Operation Procedures (SOP), die ständig verbessert werden sollen. "Die Milchbranche ist gewaltig unter Druck. Wenn wir für bestimmte Arbeitsschritte 10 Minuten am Tag einsparen, macht das übers Jahr gerechnet viel aus", rechnet die Agrarunternehmerin vor. Schlegel ist Mitglied bei den European Dairy Farmers. Die SOP dienen auch dem Vergleich mit internationalen Standards.

Traditionelle Rollenmuster

Es erstaunt kaum, dass Sabrina Schlegel mit traditionellen Rollen wenig anfangen kann. "Vor Jahren in der Westschweiz startete ich einen Versuch, bei den lokalen Landfrauen mitzumachen", erzählt sie lachend. An einem Anlass schlug sie vor, einen berufsspezifischen Kurs für Kälberbetreuung oder für die Besamung zu organisieren. Doch der Vorschlag stiess bei der Gruppe auf wenig Gegenliebe. "Blumenbinden und Backen ist nicht so mein Ding", sagt sie von sich.

Mal abgesehen von dieser eher humoristischen Episode ortet sie Handlungsbedarf bei unausgesprochenen Erwartungen an Rollen, Aufgaben und Verpflichtungen in familiengeführten Agrarbetrieben. Abhilfe schafften klare, schriftlich fixierte Regeln hinsichtlich des Arbeitens inklusive Versicherungen und Wohnens auf dem Betrieb - auch innerhalb der Bauernfamilien.

"Tradierte Muster verharren lange in den Köpfen", stellt sie fest. Auch in ihrer Generation gebe es junge Landwirte, die sich eine Hofübergabe an ihre Töchter schon gar nicht vorstellen könnten. Die Männerdominanz in Gremien und Verbänden in der Landwirtschaft habe auch seine historischen Gründe. Dies sei kein Grund für feminine Zurückhaltung. "Ich fühle mich nicht benachteiligt und mache mich auch bemerkbar", sagt Schlegel, die in einem lokalen Viehzuchtverband auch im Vorstand sitzt. Die Landwirtschaft sei offen für engagierte und aktive Frauen, die sich einbringen wollen, sagt sie.

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