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Blumen, Hecken und Haufen: Vernetzte Naturelemente bringen der Biodiversität mehr

Steinhaufen, Hecken, blühende Wiesen: Naturelemente bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Diese Lebensräume zu erhalten, fördert die Biodiversität. Sie zu vernetzen, noch mehr. Damit ein möglichst grosses Netz für Tiere und Pflanzen entsteht, spannt die Landwirtschaft mit verschiedenen Akteuren zusammen.


von Melina Gerhard / lid
Publiziert: 08.07.2019 / 12:25

Der Bundesrat beschloss letzte Woche, die dringlichen Massnahmen in den Bereichen Naturschutz und Waldbiodiviersität um 4 Jahre zu verlängern und aufzustocken. Im letzten Dezember unterschrieben innert 100 Tagen bereits über 165'000 Personen die Petition "Insektensterben aufklären!". Das zeigt: Die Rettung der Biodiversität ist ein Thema, das vielen am Herzen liegt.

Einen Teil dazu steuern Landwirte bei, die mindestens 7% ihrer Betriebsfläche als Biodiversitäts-Förderflächen (BFF) anlegen, um Direktzahlungen zu erhalten. Für qualitativ besonders wertvolle BFF werden Landwirte zusätzlich vergütet. Beispielsweise, wenn die Fläche seltenen Arten einen Lebensraum bieten kann. Die BFF sind allerdings oft so angelegt, dass sie aus regionaler Sicht nicht optimal verteilt sind. Darum ist die Vernetzung der BFF mindestens ebenso wichtig und Landwirte können auch dafür entschädigt werden (siehe Infobox).

Warum Vernetzung?

Damit viele verschiedene Tiere und Pflanzen nebeneinander leben können, braucht es Platz. Bestimmte Lebensräume einer Lebensgemeinschaft werden Biotope genannt, wie Gilbert Delley, der Biologie und Ökologie an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) unterrichtet, erklärt. "Viele Organismen sind auf mehrere Typen von Biotopen angewiesen. Beispielsweise braucht ein Singvogel einerseits einen Nistplatz und andererseits einen Ort, an dem er Futter findet", so der Experte. In einer Baumgruppe oder Hecke findet der Vogel einen geeigneten Platz zum Nisten und auf einer Wiese oder im Feld stösst er auf Insekten als Nahrung für sich und seinen Nachwuchs.

"Mithilfe von sogenannten Korridoren kann ein Tier von einem Biotop zum anderen wandern", so Delley. Er meint damit geschützte Bereiche, in denen die Tiere sich zwischen den Ökoelementen hin- und herbewegen können. Die Abstände zwischen den Elementen sollten nicht zu gross sein. "Je besser vernetzt die Biotope sind, desto einfacher finden Organismen die Kombination an Lebensräumen, die zu ihrer Lebensweise passt", ergänzt er. Dass vernetzte Lebensräume zu geschlossenen Kreisläufen beitragen, sei ebenfalls wichtig: "Wenn wir Insekten schützen und ihre Anzahl steigt, gibt es mehr Nahrung für Vögel und die wiederum stehen auf dem Speiseplan von Füchsen und anderen Karnivoren."

Ein anderer Grund, warum der Vernetzung grosse Beachtung geschenkt werden sollte, ist ihre Bedeutung als Fluchtweg. Wenn zum Beispiel eine Wiese gemäht wird, können die dort lebenden Tiere nur via Korridore in andere geeignete Biotope ausweichen. Darum verpflichten sich Landwirte, auf wenig intensiv genutzten Wiesen einen Rückzugsstreifen (5-10% der Fläche) stehen zu lassen.

Förderung von Biodiversität - das macht die Landwirtschaft

Landwirte werden vom Bund vergütet (sogenannte Biodiversitätsbeiträge), wenn sie bei Biodiversitätsförderflächen (BFF) Qualitätsstufe I oder II erfüllen. Zusätzlich dazu werden Bewirtschafter unterstützt, die sich an einem Vernetzungsprojekt beteiligen, um die Verbindung ihrer BFF zu verbessern. Die Vernetzungsbeiträge sind zu 90% vom Bund finanziert, die Restfinanzierung wird durch die Kantone, Gemeinden oder private Trägerschaften sichergestellt. Daher hat jeder Kanton eigene Richtlinien für die Vernetzungsprojekte.

Ein Projekt mit Vorzeige-Charakter

Weil Tiere und Pflanzen (jedenfalls deren Samen) nicht an der Grenze einer BFF Halt machen, ist es unabdingbar, dass das Thema branchenübergreifend angegangen wird. Gemäss Matthieu Raemy, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und zuständig für Landschaftsqualitätsbeiträge, sind Vernetzungsprojekte auf die regionalen Ziel- und Leitarten ausgerichtet. Es handle sich dabei um Arten, die bedroht und/oder typisch für die Region sind, und für welche die Landwirtschaft eine besondere Verantwortung habe. Um die regionale Biodiversität zu fördern, sei es nötig, einen Verein mit den Landwirten der Region zu bilden und eine fachliche Beratung beizuziehen, so Raemy.

Schweizweit gibt es mehr als 600 Vernetzungsprojekte, die Synergien mit nicht-landwirtschaftlichen Projekten oder Akteuren suchen. Wie das Vernetzungsprojekt Naturnetz Pfannenstil (NNP). Die Gruppe, bestehend aus Landwirten, Naturschützern, Gärtnern, Landschaftsarchitekten und Gemeindevertretern, arbeitet zusammen an einer vernetzten Biodiversität am rechten Zürichseeufer. Der Naherholungsraum soll für Anwohner in 12 Gemeinden aufgewertet werden (siehe Kasten weiter unten).

Machen, was nachgefragt wird 

Hans Nef, Landwirt und Kommissionsmitglied beim NNP, ist selber aktiv an den Projekten beteiligt: "Wir haben schon Naturweiher neu angelegt, geputzt oder Teile des Waldes entbuscht, um seltene Lilienarten zu fördern." Ihm liegt die Biodiversität am Herzen, auf dem eigenen Obstbetrieb hat er zwei Weiher angelegt, Wildbienenhotels aufgestellt, und pflegt 100 Hochstammbäume. Für Landwirte sei das Projekt aus zweierlei Ansichten lohnenswert, erstens helfen teilnehmende Landwirte, Naherholungsgebiete ökologisch aufzuwerten und zweitens würden Mehrleistungen finanziell abgegolten. Dennoch sei es wichtig, dass das Projekt freiwillig bleibt, so Nef. "Die Teilnahme muss aus Überzeugung geschehen. Es bringt Widerstand, wenn man das Projekt jemandem aufzwingt", weiss der Landwirt.

Sein Standpunkt ist derweil klar: "Schwindende Erträge im Ackerbau und beim Grünfutter haben zur Folge, dass eine vernetzte Wiese mit Hochstammbäumen lukrativer sein kann. Landwirte brauchen sich dafür nicht zu schämen. Die Bevölkerung fordert diese Leistung, das zeigt die Agrarpolitik." Der Zürcher Landwirt betont aber, dass seine Branche nicht alles übernehmen könne. "Die Landwirtschaft kann den Schaden nicht alleine ausgleichen, der wegen dem Siedlungsdruck und dem zunehmenden Verkehr entstanden ist. Um die Biodiversität wieder ins Lot zu bringen, braucht es Bemühungen von allen Seiten." Die Biodiversität stoppt nicht bei der Siedlungsgrenze, viele Eigenheimbesitzer können in ihren Gärten mit wenig Aufwand die Artenvielfalt ebenfalls fördern.

Zusammen vernetzt

Weil das NNP den Dialog mit Dörfern und Städten sucht, sei das Projekt gemäss Nef besonders sinnvoll. "Wir verfügen über eine Art Werkzeugkasten, aus dem eine Gemeinde Massnahmen auswählen kann, die für sie am besten passen. Zum Beispiel eine Blumenwiese anpflanzen auf einem öffentlichen Platz." Vielen Landwirten die sich vom NNP beraten lassen, rät die Stelle, bestehende Elemente qualitativ aufzuwerten. "Blumenwiesen mit Direktbegrünung können beispielsweise in eine qualitativ hochwertigere QII-Wiese überführt werden, die noch mehr seltenen Arten einen Lebensraum bieten kann (siehe Infobox). Aber die Vernetzung der Flächen ist und bleibt Hauptanliegen des Projekts."

Naturnetz Pfannenstil

Seit bereits knapp 20 Jahren setzt das Projekt den Fokus nebst der Biodiversitätsförderung in der Landwirtschaft auf Siedlungen, den Wald und Naturschutzprojekte. Das NPP berät und unterstützt Gemeinden und Landwirte, hilft aber auch bei der Realisierung von Teilprojekten wie dem Anlegen von Weihern, Blumenwiesen, Trockenmauern etc.

Bedrohte Arten wie der kleine Moorbläuling, die Schlingnatter, der gelbliche Klee und der Schweizer Alant werden gefördert und eine regionale Neophyten-Strategie soll bei der Bekämpfung helfen. Um die Anwohner für die Biodiversitätsförderung zu sensibilisieren, führt das NPP Abendspaziergänge, Naturlehrpfade, Wettbewerbe und das Teilprojekt "Wilde Nachbarn" durch.

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