Bio Nordwestschweiz reichte im Juli einen Antrag zur Zulassung von Spermasexing ein. An der Delegiertenversammlung in Olten war das Geschäft als Entscheidgeschäft traktandiert. Bei einem Ja zum Antrag hätte der Vorstand auf die Frühlings-DV eine Richtlinienänderung ausarbeiten müssen, über die dann im Frühling befunden worden wäre.

Ethik vs. Wirtschaftlichkeit

Die Mitgliedorganisation aus der Nordwestschweiz argumentierte unter anderem damit, dass heute 90 Prozent der männlichen Bio-Milchrassekälber wegen Leerfleischigkeit in der konventionellen Tränkermast landen würden. Gleichzeitig fehlten für Biomast geeignete Remonten.

Durch Spermasexing – so die Befürworter – könne ein Betrieb seine eigene, wertvolle Genetik erhalten und fördern. Ausserdem würde das Image der Biobetriebe gestärkt, da die Ethik statt die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen würde und Kälber nicht schon nach 21 Tagen geschlachtet würden.

Mehr Gegner im Saal

 «Das Thema Spermasexing hat bereits im Vorfeld der Delegiertenversammlung die Emotionen hochgehen lassen», sagte Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli. Der Vorstand empfahl, den Antrag der Nordwestschweizer abzulehnen. Die Voten vor der Abstimmung waren zahlreich, allerdings überwogen die Stimmen der Sexing-Gegner deutlich. Es sei «nicht natürlich», hiess es beispielsweise, oder ein Einsatz von Spermasexing würde dem neuen Knospe-Claim «Bio Knospe. Mensch, Tier und Natur im Gleichgewicht» widersprechen. Auch wurde befürchtet, bei Konsumenten könnte Spermasexing im Biolandbau schlecht ankommen.

Deutlicher Entscheid

Der Antrag von Bio Nordwestschweiz wurde dann mit 59 zu 27 Stimmen deutlich abgelehnt. Urs Brändli hatte erwartet, dass es knapp werden könnte, wie er zur «BauernZeitung» sagte. So ist das Thema aber jetzt für die nächsten paar Jahre vom Tisch.

jw

- Ausführliche Berichterstattung zur Bio-Suisse-DV in der «BauernZeitung» vom 13. November