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Berglerin mit sympathischer Ausstrahlung

Anfang der 1990er-Jahre wäre die Bünder Strahlenziege beinahe ausgestorben, doch langsam erholt sich der Bestand der Geissen mit den weissen «Strahlen» im Gesicht. Dies ist vor allem engagierten Züchterinnen wie Elisabeth Egli aus Grüsch zu verdanken.


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Rehli kann es kaum fassen als sie mitten am Vormittag ihre Besitzerin Elisabeth Egli erblickt. Laut meckert sie uns schon von Weitem zu und scheint sich sichtlich über den Besuch zu freuen. Schon bald streicht sie uns um die Beine und möchte gekrault werden. Und wehe eine andere Ziege wagt sich ebenfalls dies einzufordern. Dann kommen die langen, schön geformten Hörner zum Einsatz und die Konkurrentin landet einige Meter weiter unten wieder auf ihren Klauen.

Die zehn Bündner Strahlenziegen weiden aktuell etwas oberhalb des Sananggahofes in Grüsch im Bündner Prättigau. Zufrieden und entspannt wird im Wechsel im Schatten des verwitterten Stalles gedöst und auf den saftigen Weiden gegrast. Die besonderen Tiere scheinen sich in der Landschaft, aus der sie ursprünglich kommen, pudelwohl zu fühlen.

Mitten in der kleinen Herde stackst ein kleines Zicklein umher. Eine Woche sei es alt und etwas ausser Plan auf die Welt gekommen, erzählt Züchterin Elisabeth Egli. Normalerweise bringen Elisabeths Geissen ihre «Gitzi» zwischen November und Dezember zur Welt. Dies deshalb, weil Elisabeth die Ziegen unter anderem als Herbstgitzi vermarktet. Das heisst, dass die im Winter geborenen Zicklein im Herbst des Folgejahres geschlachtet und als Delikatessen vermarktet werden. Dieses Projekt hat Pro Specie Rara vor einigen Jahren zwecks Arterhalt der Strahlenziegen lanciert. Mittlerweile ist das Projekt jedoch ausgelaufen und Elisabeth Egli führt den Herbstgitzi-Shop weiter.

Trotz der saisonalen Abstimmung der Trächtigkeiten und Geburten, kann es ab und zu auch unter dem Jahr vorkommen, dass ein Bock einer Ziege zu nahekommt.

Dann gibt es halt auch mal ein Gitzi mitten im Sommer. «Das Kleine hat sich sehr gut in die Herde eingefügt. Man bemerkt es eigentlich kaum», sagt Elisabeth. Gerne klettert es auf seiner gutmütigen Mutter herum oder legt sich zu anderen Ziegen hin, sozusagen zu seinen Tanten. Geiss Blüemli mag es besonders gerne, vielleicht, weil Blüemli mit ihren 10 Jahren bereits die Würde einer Grossmutter ausstrahlt. Saugen tut das Kleine erstaunlicherweise ausschliesslich bei seiner Mutter. «Würde es auch bei anderen Ziegen trinken, würde ich das beim Melken sofort anhand der geringeren Milchmenge merken», sagt die passionierte Ziegenzüchterin.

Gemolken wird von Hand

Elisabeth Egli melkt ihre Ziegen zweimal pro Tag aus Überzeugung von Hand. «Wenn ich mich mit dem Melkschemel hinsetze, wird es ganz immer ganz still um mich herum», erzählt sie. Sie spreche jeweils kaum während des Melkens, solche Momente seien ein Genuss für alle. Ruhige Momente, die ihr viel Kraft geben und ihr helfen runterzufahren. Ihre Ziegen sind jedoch auch an die Melkmaschine gewöhnt. Hanspeter melkt, falls Elisabeth mal nicht zuhause ist, lieber maschinell. «Ich findet es gut, dass die Tiere an beides gewöhnt sind», sagt sie.

Ihre Leidenschaft für die kecken Tiere begann schon früh, denn auch auf dem Hof in Furna auf 1400 Metern über Meer, wo Elisabeth aufgewachsen ist, gehörten Ziegen immer dazu. «Die Geiss ist einfach meine grosse Leidenschaft», sagt die Prättigauerin. Sie habe schon Ziegen gemolken als sie kaum laufen konnte. «Als ich dann vor vielen Jahren hier zu meinem Mann auf den Sananggahof gezogen bin, begann ich schon bald mit der Geissenzucht – zuerst nur als Hobby», erzählt die fünffache Mutter und vierfache Grossmutter. Im «Bündner Bauer» sei damals ein ganzer Bestand an Strahlenziegen ausgeschrieben gewesen. Damit habe alles begonnen.

Ihr Mann Hanspeter betrieb damals noch Milchwirtschaft mit Brown Swiss-Kühen. Gemeinsam entschieden sich die beiden aber schon bald, auf Tiroler Grauvieh umzusteigen. Diese Rasse passt ebenfalls sehr gut zum 30 Hektar grossen IP-Betrieb auf 600 Metern über Meer. Aktuell befinden sich die Grauvieh-Kühe hoch oben auf der Alp, geniessen die saftigen Kräuter und produzieren Milch für Alpkäse.

Nicht nur die inneren Werte zählen

«Wie bei den Geissen, spielt für mich auch bei den Kühen das Aussehen, also das Exterieur, eine wichtige Rolle», sagt Elisabeth. «Ich will eine gesunde, hübsche Geiss, die gut Milch gibt», lautet ihre Philosophie. Wichtig ist ihr dabei auch, dass die Produkte der hübschen Tiere auch wirklich verwendet werden. So produziert sie jeden Morgen frische «Geiss-Zigerli». Aus der anfallenden Milchmenge ergeben sich etwa 70 bis 80 Stück pro Woche. Die frischen Zigerli, die etwa zehn Tage haltbar sind, vertreibt sie über die Landi, Volg, andere Shops sowie diverse Hofläden – inklusive ihrem hofeigenen «Verkaufshüschi».

Bis sie das richtige Ziger-Rezept hatte, habe sie lange geübt, sagt sie. Als sich die Landfrauen dann vor etwa 10 Jahren vom Resultat begeistert zeigten, nahm alles seinen Lauf. Mittlerweile gelangen immer öfters Anfragen an sie, ob sie Ziger liefern könne. Aus dem Fleisch der Ziegen stellt ein Metzger für sie Salsiz und Mostbröckli her.

«Ich will einfach widerlegen, dass Ziegenhaltung und -zucht nicht rentiert. Das muss doch möglich sein», sagt sie. Sie sei halt auch wirklich eine Züchterin aus Leidenschaft, wie sie selber sagt. «Ich selektiere bei der Zucht sehr stark. Das ist vielleicht manchmal etwas widersprüchlich, da es sich ja um eine gefährdete Rasse handle». Doch der Erfolg gibt ihr Recht: Sie hat eine Herde beieinander, die in der Milch einen besonderen Kappa Kasein-Typ produziert, der sich sehr gut zum Verkäsen eignet und keinerlei «Bockgeruch» aufweist. Zudem ist ihre ganze Herde serologisch pseudo-frei. Das heisst, dass alle Tiere via Bluttest auf Pseudo-Tuberkulose getestet worden sind und alle negativ waren. «Mir liegt die Tiergesundheit sehr am Herzen», sagt Elisabeth, die mit ihren Tieren auch gerne an Schauen wie die Agrischa oder nach Rothenthurm geht.

Bestand erholt sich langsam

Der Rassestandard sei im Laufe der letzten Jahre strenger geworden, sagt Elisabeth. So dürfen die Tiere, die es früher auch als fast schwarze Variante vorkamen, heute keine weissen Flecken am falschen Ort mehr haben, die grösser sind als ein Fünfliber. Und auch die Bäuche dürfen nicht weiss sein. Diese strengeren Vorgaben habe auch damit zu tun, dass der Bestand der Bündner Strahlenziegen leicht gegen oben zeigt und damit die Auswahl an Tieren allmählich breiter wird.

Anfang der 1990er-Jahre war die Bündner Ziegenrasse mit den typischen weissen Strichen im Gesicht, den «Strahlen», fast ausgestorben. Heute ist sie in ihrer Heimat kulturell wieder recht stark verankert. Von der Milchleistung her gibt es sicher leistungsfähigere Ziegenrassen wie die Gämsfarbige Gebirgsziege und die weisse Saanengeiss, das ist sich auch Elisabeth Egli bewusst. Doch sind die Strahlenziegen dafür «spritziger» und berggängiger als diese beiden weit verbreiteten Rassen. Bündner Strahlenziegen sind richtige Berglerinnen und auch im unwegsamen Gelände äusserst trittsicher. «Und sie sind enorm lernwillig, intelligent und folgsam», weiss die Ziegenzüchterin aus Erfahrung. Und sehr menschenbezogen. Das glaubt man ihr gerne, wenn man sieht wie sich das kleine Gitzli gerade sanft an Elisabeths Hals anschmiegt.

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