Haben Sie noch kein Abo der BauernZeitung?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits BauernZeitungs-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 17:00 Uhr

 

Haben Sie noch kein Abo der BauernZeitung?
Ein Produkt auswählen und bestellen

Sie sind bereits BauernZeitungs-Abonnent - haben aber noch kein Online-Login?
Die sofortige Freischaltung anfordern

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?
Passwort vergessen

Haben Sie Fragen?
Infohotline: 031 958 33 33
Montag bis Freitag 8:00 - 17:00 Uhr

 

Werbung

"Beschönigung von Scheisse" auf dem Bahnhofsplatz

Am Donnerstag standen 10 Tonnen Kuhmist auf dem Bahnhofsplatz in Bern bereit, um in einer Kunst-Performance sorgfältig aufgestapelt zu werden. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich.


Publiziert: 26.04.2019 / 08:57
Previous Next

Die Szenerie ist ungewohnt: auf dem Bahnhofsplatz, mitten im abendlichen Pendlerverkehr, schichtet eine Frau in weissem Hosenkleid emsig Mist zu einem kunstvollen, quadratischen Haufen auf. Mit dem Mist wollte die Künstlerin Barbara Kiener ein Stück Land(wirtschaft) in die Stadt bringen.

Das Publikum ist Teil der Performance

Barbara Roggwiller, Kieners Managerin, gab Auskunft über das Projekt. Die Künstlerin selbst sprach mit niemandem, was einerseits zur Performance gehörte. Andererseits war sie ja auch mit den 10 Tonnen Mist beschäftigt, die sie von 16 bis 20 Uhr umstach. 

Wie Roggwiller ausführte, habe das "Miststock Zöpfeln" nicht in dem Sinne eine konkrete Aussage. Viel mehr seien die Reaktionen der Zuschauer das Ziel. Man wolle zum Nachdenken anregen, schliesslich seien die Interpretationsmöglichkeiten vielfältig. Daher auch die Wahl des Standorts: am Bahnhofplatz seien immer viele Leute unterwegs, auch Touristen.

Eine bäuerliche Helvetia

Zügig aber sorgfältig legt Kiener zwei bis drei Gabeln voll Mist bereit, stampft das Paket fest, lädt es auf die Gabel und erklimmt den wachsenden Mistwürfel. Dieser sieht gut aus, wenn auch nicht gezopft, so aber sorgsam gestapelt. Pausen gönnt sich die Künstlerin wenig. Zwischendurch bezieht sie Stellung auf dem etwa 2 Meter hohen, noch ungeordneten Misthaufen. Dort oben sieht sie aus wie eine Helvetia mit Mistgabel, violettem Haar und ernstem Gesicht.  

Details mit Bedeutung

Kieners Managerin erklärte auch, weshalb sie mit blossen Füssen arbeitete: so komme sie direkt in Kontakt mit dem Material, spüre den Mist. Das weisse Kleid sei wie eine Leinwand, die sich im Lauf des Stapelns praktisch nebenbei selbst gestalte. Das Ende der Kunstaktion sei offen, wie es bei einer Performance typisch sei, erklärte Roggwiller; "Es kann sein, dass sie irgendwann die Kräfte verlassen und sie sich in den Mist legt. Wir wissen es nicht.". 

Gemischte Reaktionen der Zuschauer

Bei längerem Beobachten des Schauspiels hört man so einige Statements der Passanten. Die Szenerie scheint ein Mitteilungs-Bedürfnis zu wecken. Hier eine Auswahl:

  • Ältere Dame: "Eine Superidee!" 
  • Junger Mann: "Barfuess...?!"
  • Mutter zu ihren beiden Kindern: "Ja, wenn sie nüt angers ztüe het..."
  • Älterer Mann: "E settige huere Seich!"
  • Mann mittleren Alters, mit Anzug: "Das isch kei Kunscht – das isch Mischt."

Eine alte Tradition

Roggwiller bezeichnete die Künstlerin als Traditions-bewusste und naturverbundene Frau. Sie stamme aus dem Berggebiet bei Interlaken und sei beeindruckt gewesen von der alten Tradition des Mist-Zöpfelns. "Zu einem schönen Bauernhaus gehörte einst auch ein kunstvoller Misthaufen", so die Managerin. 

Organisatorisches hinter dem Misthaufen

Für den Transport des Mists habe man die Firma Ruegsegger aus Belp BE gewinnen können. Diese würde das Material nach Ende der Performance auch wieder abtransportieren. Man habe eine Bewilligung beim Tiefbauamt für die Aktion eingeholt. Angst vor aggressiven Zuschauern habe sie nicht, erklärte Roggwiller. "Die Performance ist zu wenig konkret dazu. Sie bietet keine Angriffsfläche und niemand kann sich wirklich angegriffen fühlen".

Eines ist bei der Aktion sicherlich gelungen: man kam ins Gespräch. Manch einer mag gegrübelt haben, wie unpassend ein Misthaufen mitten in der Stadt sei. Dies, obwohl die Landwirtschaft doch alle etwas angeht.

Werbung
Werbung
Verwandte Themen
War dieser Artikel lesenswert?
Kommentar erfassen
Der Picasso im Stall
18.04.2019
An der Wand eines alten Stalls erwartet man kein Bild – sicherlich keines von einem berühmten Maler. Bei Hanspeter Benz in Wettingen AG hingegen hing für 24 Stunden ein Picasso.
Artikel lesen
Nein, Hanspeter Benz ist kein Kunstdieb. Er ist ein 20-Minuten-Leser und kreativ. So las er in der Gratiszeitung von der Aktion «#myprivatepicasso» und nahm am Wettbewerb teil. Prompt wurde er von den 400 Bewerbern als Gewinner ausgewählt. Ein konkreter Plan In seiner Bewerbung beschrieb Benz, er würde zuerst morgens alleine mit dem Bild einen Kaffe trinken. Ausserdem würde er Nachbaren und ...
Werbung
Werbung
Werbung
Leser-Schnappschüsse Weitere Schnappschüsse Senden Sie uns Ihre Schnappschüsse!