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Bafu ortet Nitratüberschüsse und Pflanzenschutz-Rückstände im Grundwasser

Die Nitratbelastung der Schweizer Gewässer ist nach wie vor zu hoch, hat aber leicht abgenommen. Grenzwertüberschreitende Pflanzenschutzmittel-Rückstände fand man hingegen nur an wenigen Messstellen. Hauptverursacherin ist laut Bafu die Landwirtschaft.


Publiziert: 15.08.2019 / 11:45

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat am Donnerstag die Ergebnisse der Grundwasser-Analysen (Naqua) aus den Jahren 2007 bis 2016 vorgestellt. Das Grundwasser sei als wichtige Trinkwasser-Reserve unter Druck, erklärten die Bafu-Vertreter vor den Medien.

Nitrateinträge nehmen ab

Das Grundwasser weise "zunehmend Verunreinigungen auf, die mehrheitlich aus der Landwirtschaft stammen", heisst es in einer Mitteilung. Dies stimmt allerdings nur beschränkt. Zwar sind die Grenzwerte der Gewässerschutzverordnung für Nitrat laut dem Bericht an 15% bis 20% der Messstellen überschritten, in den letzten Jahren der Messperiode war aber ein rückläufiger Trend zu verzeichnen (s. Grafik oben).

Wie die Analysen der Naqua zeigen, lag der Nitratwert zwischen 2007 und 2014 aber an 80& der Messstellen im Mittelland über 10 mg/l, der natürlichen Konzentration dieses Stoffs im Grundwasser.  

An 2 bis 4% aller Messstellen in der Schweiz wurden die Höchstwerte für Nitrat nach der Verordnung über Trinkwasser, öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (40 mg/l) überschritten. Betroffen war z.B. das Seeland, die Broye-Ebene, das Zürcher Unterland und Weinland. Das heisst aber auch, dass die gesetzlichen Grenzwerte in 96 bis 98% der Fälle eingehalten wurden.

Faktor Klimawandel

Im Naqua-Bericht ist zu lesen, dass längere Trockenperioden erhöhte Nitratwerte im Grundwasser begünstigen können. Dies, weil die Kulturen ihr Wachstum einstellen und den Stickstoff im Boden nicht mehr aufnehmen. Ein starker Regen kann im dann den Nährstoff auswaschen.

Mit dem Klimawandel wird erwartet, dass beides, Sommertrockenheit und starke Niederschlagsereignisse zunehmen. Daher dürfte es umso wichtiger sein, Massnahmen gegen Nitratauswaschungen zu treffen.

PSM-Grenzwerte bei 2 Prozent überschritten

Auch die Belastung mit Pflanzenschutzmittel (PSM)-Rückständen sei hoch, erklärten die Bafu-Vertreter vor den Medien. Die PSM-Wirkstoffe überschritten 2014 den Grenzwert von 0.1 Mikrogramm (µg/l) an 2% der Messstellen. Weiter verbreitet waren laut Bafu die sogenannten PSM-Metaboliten, die an  20% der Messstellen über den Grenzwerten lagen.

Auch bei den PSM-Rückständen war das Mittelland besonders stark betroffen, insbesondere vereinzelt der Nordwestschweizer Tafeljura, der Region Basel, im Rhonetal und der Mogadinoebene.

Mässige verbale Kritik

Die Verantwortlichen betonten, dass sie in der AP 22+ und die gemeinsamen Anstrengungen der kantonalen Landwirtschafts- und Wasserzuständigen um einen Absenkungspfad für Nitrateinträge begrüssen. Mit Kritik an der Landwirtschaft hielt man sich verbal einigermassen zurück. Dass man die Ergebnisse ausgerechnet während des Abstimmungskampfs zu  den PSM-Initiativen publiziere, sei reiner Zufall.

Schnelles Handeln gefordert

In der schriftlichen Mitteilung  und im Naqua-Bericht klingt es etwas anders:  Angesichts seiner Analysen stuft das Bundesamt die Schweizer Grundwasserqualität beeinträchtigt ist. Da 80 Prozent des Trinkwassers daraus gewonnen werden und heute getroffene Massnahmen erst mit grosser Verzögerung greifen, fordert sie gerade in der Landwirtschaft zu schnellem Handeln auf. So sind auch heute noch Rückstände von Atrazin im Grundwasser, obwohl das Herbizid seit zehn Jahren verboten ist.

In die gleiche Richtung gehen auch die Forderungen von Umweltorganisationen. Greenpeace verweist auf seine Vision einer «tiergerechten ökologischen Produktion»

In diesem Zusammenhang steht auch das aktuell verhandelte Verbot von Chlorothalonil, das an verschiedenen Stellen im Grundwasser in hohen Konzentrationen gefunden wurde.

Nationale Grundwasserbeobachtung

Im Rahmen der Naqua werden in Zusammenarbeit von Bund und Kantonen 600 Messstellen in der ganzen Schweiz kontrolliert. Die am 15. August veröffentlichten Ergebnisse sind Analysen der Jahre 2007 bis 2016.

"Landwirtschaft macht die Hausaufgaben"

Der Schweizer Bauernverband (SBV) erklärte in einer Mitteilung, die Landwirtschaft mache ihre Hausaufgaben. Die untersuchte Zeitperiode liege vor der Einführung des Aktionsplans PSM im Spätsommer 2017. Seither geniesse der Gewässerschutz noch höhere Priorität. Die Metaboliten würden von der Wirtschaft als weder problematisch noch relevant eingestuft, heisst es weiter. Der Umgang mit Chlorthalonil zeige im Übrigen, dass das behördliche Kontrollsystem funktioniert.

Grenzwerte auch bei Chemikalien überschritten

Auch die Grenzwerte nach Gewässerschutz-Verordnung für halogenierte Kohlenwasserstoffe wurden an vier Prozent der Messstellen überschritten. Diese Substanzen stammen aus Altlasten (etwa alte Industriestandorte oder Deponien). Auch defekte Kanalisationen beeinträchtigten die Grundwasserqualität.

Diese Stoffe traten aber insgesamt seltener auf, als PSM-Rückstände, so der Naqua-Bericht. Trotzdem wurde offenbar häufiger der Grenzwert überschritten.

Genug Grundwasser vorhanden

Das Bafu kommt zum Schluss, dass es im Prinzip genügend Grundwasser auch in Zukunft geben würde; jährlich könnte das 10-fache des Schweizer Bedarfs (18 Milliarden m3) an Grundwasser ohne Beeinträchtigung der Umwelt oder der Wasserversorgung genutzt werden. Probleme könnte es aber durch Nutzungskonflikte geben, etwa zwischen Landwirtschaft, Industrie oder Siedlungsentwicklung.

Auch im Zuge der Klimaänderung rechnet das Bafu damit, dass die Grundwasserreservoirs stabil bleiben werden.

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