Zum Glück bewahrheitete sich der nächtliche Albtraum der Präsidentin der Bärner Bio Bure Kathrin Schneider nicht, und die Biobauern fielen weder der Grippe zum Opfer noch sassen sie im Billig-Shopping-Sonderzug nach Konstanz. Und auch ohne die explizite Erwähnung durch die Vorsitzende, hätte wohl am Mittwoch keiner darauf bestanden, seinen Essensbon in Euro zu begleichen. Gemäss ihrer Philosophie und Überzeugung waren die Mitglieder wie jedes Jahr zahlreich der Einladung zur General­versammlung (GV) gefolgt und versammelten sich auf dem Bioschwand.

Offene Türen wurden eingerannt


Kathrin Schneider rannte offene Türen ein, als sie betonte, den Biobauern gehe es darum, auf ihre Produkte stolz zu sein und entsprechend Anerkennung für ihre erbrachten Leistungen zu bekommen. Es befremde sie, teilte sie im Saal mit, dass es plötzlich für gleich viel Aufwand und gleich viel Freude am Bauern so viel weniger Direktzahlungen geben solle. Auf der einen Seite wünsche sich die Gesellschaft eine naturnahe, nachhaltige Landwirtschaft, auf der anderen Seite renne man für billigste Lebensmittel ins nahe Ausland, beschrieb sie die Schizophrenie des Konsumenten treffend.

Nicht nur gute Produkte, sondern auch gutes Marketing

Zum Thema Konsum hatte Niklaus Messerli, Lehrer am Bio-Schwand, den Teilnehmern zwei Jogurt mitgebracht. Nach einer unterhaltsamen Versteigerung unter den Vorstandsmitgliedern offenbarte Messerli, dass nicht etwa das Biojogurt das teurere der beiden sei und dass er plane, mit den Milchlieferanten des anderen Jogurts über deren Milchpreis zu sprechen. Er betonte, wie wichtig ein gutes Marketing bei der Preisbildung sei und dass der Biolandbau aufpassen müsse, preislich nicht in die Mittelklasse und damit zu den Durchschnittsprodukten abzurutschen.


Keineswegs vom Mittelmass musste die Geschäftsführerin Francine Bürki sprechen, als sie die Rechnung für das vergangene Jahr präsentierte und einen Gewinn von 5495 Franken auswies. Dass auch sie dafür von der Präsidentin mit Schokolade belohnt wurde, überraschte irgendwie nach dem berühmten «Mistzetter» nicht mehr. Es scheint, als würde es dank der «BauernZeitung» in diesem Jahr zumindest für die Kassiere eine süsse Versammlungszeit geben.

Rechnungsjahr wird neu dem Kalenderjahr angepasst


Die 72 Stimmberechtigten hatten im Anschluss über einen Antrag der beiden Revisoren Paul Wüthrich und Aschi Daepp abzustimmen. Sie beantragten, dass das Rechnungsjahr neu dem Kalenderjahr und somit auch dem Geschäftsjahr der Bio Suisse angepasst werden soll, um damit die Rechnungsabgrenzung zu erleichtern. Das Argument, dass damit auch die GV später stattfinden müsse und dann vielleicht mehr Mitglieder in den Ferien seien, war mit der Bemerkung, man solle doch mal fragen, wer von den Biobauern in die Ferien fahre und dem darauffolgenden Gelächter im Saal schnell entkräftet. Neu rechnen also die Bärner Bio Bure am 31. Dezember ab und nicht mehr wie bisher am 30. Oktober.  

Rechnung ist nicht Mittelmass und schliesst im Plus

Nach dem Rücktritt von Adrian Knuchel aus dem Vorstand war ein neues Vorstands­-

mitglied zu wählen. Mit demAlchenstorfer Schweinezüchter Andreas Bracher ist der Vorstand komplett und um einen wichtigen Betriebszweig, die Schweinehaltung, erweitert. Als Delegierter bei Bio Suisse wird Peter Hofer die Berner vertreten, Adrian Knuchel bleibt für ein Jahr Ersatzdelegierter.

Daniela Joder