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Avenir Suisse: Selbstversorgung ist die falsche Strategie

Bei einer Re-Nationalisierungsstrategie hätte die Schweiz laut Avenir Suisse wirtschaftlich viel zu verlieren. Besser solle man Handelshemmnisse wie Importzölle abschaffen und Bezugsquellen diversifizieren.


Die Covid-19-Pandemie befeuere Ängste vor Mangellagen. Vielerorts werde deshalb eine Rückverlagerung von Produktionsstätten in die Schweiz gefordert, konstatiert die liberale Denkfabrik. Sie stellte am Montag an einer virtuellen Medienkonferenz eine neue Studie vor mit dem Titel «Sackgasse Re-Nationalisierung: Versorgungssicherheit und Wohlstand durch Globalisierung statt Selbstversorgung».

Verschiedne Bezugsquellen sollen Sicherheit geben

Die Autoren der Studie ziehen mehrere wirtschafts- und gesundheitspolitischen Lehren aus der aktuellen Pandemie, und sie setzen zur Vermeidung zukünftiger Mangellagen auf das Prinzip Versorgungssicherheit statt Selbstversorgung. Versorgungssicherheit könne mit einer breiten Diversifikation der Bezugsquellen garantiert werden, während selbst bei einem hohen Selbstversorgungsgrad die Schweiz immer noch auf die Importe von Hilfsstoffen angewiesen wäre.

Wirtschaftlich sei viel zu verlieren

Auch wenn die Forderungen nach «De-Globalisierung» immer lauter würden: «Eine Re-Nationalisierung von Wertschöpfungsketten ist keine geeignete Strategie zur erfolgreichen Bewältigung der aktuellen und keine Vorsorge für künftige Pandemien - Viren werden nicht durch Güter übertragen», heisst es. Als «Globalisierungsweltmeisterin» und grösste Nutzniesserin des EU-Binnenmarkts hätte die Schweiz wirtschaftlich viel zu verlieren.

Jeder zweite Beschäftigte profitiert vom Aussenhandel

Seit 2002, dem Inkrafttreten der Bilateralen I, sei die Aussenhandelsverflechtung um über 15 Prozentpunkte gestiegen. Insgesamt profitierten rund 1,9 Millionen Beschäftigte direkt vom Zugang zu ausländischen Märkten. Zusammen mit den indirekten Effekten dürfte es jeder zweite Beschäftigte in der Schweiz sein.

Keine Mangellage trotz leerer Regale

In der Corona-Krise sei es zur befürchteten Mangellage an Gütern des täglichen Bedarfs trotz temporär leerer Regale nicht gekommen, schreibt Avenir Suisse. Nun den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen, wie oft gefordert, führe in die Irre, denn der Import von Hilfsstoffen in der Lebensmittelproduktion würde weiter zunehmen.

Handelshemmnisse ab- um Sicherheit aufzubauen

Besser sei es, in die Versorgungssicherheit zu investieren. Sie sei dann am besten garantiert, wenn die Bezugsquellen breit diversifiziert seien, beispielsweise durch den Abbau von Handelshemmnissen mittels entsprechender Abkommen. Die Diversifikation auf Beschaffungs- wie Absatzseite stärke die Krisenfestigkeit einzelner Unternehmen wie der Volkswirtschaft insgesamt.

Offenheit statt Abschotttung auch bei Gesundheitsversorgung

Auch für essenzielle Güter wie Strom oder Produkte der Gesundheitsversorgung sollte die Strategie nicht Abschottung und Selbstversorgung, sondern Offenheit heissen. Im globalen oder zumindest europäischen Kontext liessen sich die Herausforderungen besser meistern. Das Strom- sowie das Gesundheitsabkommen mit der EU bildeten dazu wichtige Grundlagen.

Lehren aus der Corona-Krise

Die Studie von Avenir Suisse zieht aus der Corona-Pandemie eine Reihe von wirtschafts- und gesundheitspolitischen Lehren:

  • Exportrestriktionen verschärften die Folgen der Pandemie
  • Die Schweiz sollte sich gegen Hürden bei der Ausfuhr und für den Multilateralismus einsetzen
  • Importe sollten dauerhaft finanziell und administrativ entlastet werden durch eine unilaterale Abschaffung der Schweizer Zölle
  • Auf Investitionskontrollen sei zu verzichten. Sie trügen weder zur nationalen Sicherheit noch zur Versorgungssicherheit bei
  • Statt eines möglichst hohen Selbstversorgungsgrads sollte Versorgungssicherheit angestrebt werden
  • Dazu gehöre die Diversifikation der Bezugsquellen essenzieller Güter
  • Die Schweiz sollte sich aktiv um den Abschluss eines bilateralen Gesundheitsabkommens mit der EU bemühen
  • Die Personenfreizügigkeit sei beizubehalten. Grenzgänger und die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte - insbesondere solche aus der EU - stützten die Schweizer Wirtschaft
  • Die Bewirtschaftung der Pflichtlager müsse optimiert werden und solle sich auf die wirklich lebensnotwendigen Güter beschränken. Dazu gehörten unter anderem Produkte für die Gesundheitsversorgung und Lebensmittel.
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