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Auswanderer: An allen Enden der Erde

Die Schweiz ist mit Horrornachrichten nicht alleine. Als Ausgleich eine Geschichte von neuem Leben.


Erdrückende Schlagzeilen, erschlagende Bilder, verurteilte Tierhalter, untätige Behörden, schweigende Nachbarn. Zeit soll ja Wunden heilen, anscheinend doch nicht. Hefenhofen im Mittelpunkt. Dank sei der Person, die die Öffentlichkeit nun wachgerüttelt und damit dem Ganzen endlich ein Ende gesetzt hat. Man spricht von Einzelfall. Alleine ist Hefenhofen damit aber nicht.

Auch hier in Neuseeland wurden Besitzer und Manager einer Grossfarm wegen grober Vernachlässigung von Einrichtung und Tieren verurteilt. Leidtragend waren auch hier die Tiere. 10% der Herde musste auf der Stelle eingeschläfert werden, weitere 35% benötigten zum Teil intensive Pflege. Auch hier schockierte Kommentare auf allen Seiten.

Die Frage nach dem Warum

Man kann davon ausgehen, dass die zwei (geografischen) Gegenpole Schweiz und Neuseeland nicht die Einzigen sind, die schwarze Schafe in der Herde haben. Und sicher bin ich auch nicht der Einzige, der die Frage nach dem Warum stellt. Der normale Menschenverstand, Tierschutzgesetze und auch wirtschaftliche Hintergründe sprechen dagegen ein (Nutz-)Tier so zu behandeln. Warum also?

Während eines Gesprächs hat mir kürzlich jemand die Frage nach dem Warum umgedreht und mich gefragt: Warum passiert es trotzdem, obwohl wir wissen, dass wir «unsere» Kinder nicht missbrauchen dürfen? Natürlich bleibt einem da nicht mehr viel zu sagen. Vielleicht ist es ein kleines Überbleibsel eines Gens, das aus dem Menschen ausbricht und das innere wilde Tier freisetzt, oder so ähnlich. So etwas wie ein nicht zu beseitigendes Restrisiko? Auf jeden Fall wird es nötig sein, sich darüber ernsthaft Gedanken zu machen: Wie können wir als Gesellschaft hier in Neuseeland, in der Schweiz oder anderswo solche Fälle in Zukunft verhindern oder zumindest frühzeitig erkennen? 

Frühling kommt früher

Nun schwenke ich wieder nach Neuseeland, denn ich möchte heute noch ein paar schöne Dinge aus unserer hektischsten Jahreszeit berichten. Unsere Ablammzeit hat den Zenit bereits überschritten. Innerhalb von drei Wochen haben sich die weissen Wollknäuel mehr als verdoppelt. Meistens geht das alles ohne unsere direkte Hilfe. Dennoch mache ich zwei Mal am Tag die Runde durch die Weide, um nach dem Rechten zu schauen. Ich bin vor allem daran interessiert, welches Schaf wann ablammt, wie viele Lämmer es hat und wie gross ihr Mutterinstinkt ist. Wir haben 80 Schafe von vier verschiedenen Rassen respektive Farmen. 

Die Ergebnisse sollen uns bei der Entscheidung helfen, von welcher Farm wir in Zukunft unsere Schafe kaufen. Versehen mit verschiedenfarbigen Ohrmarken kann ich sie leicht unterscheiden. Der Feldstecher hilft meinen Augen, der Notizblock meinem Gedächtnis. Im Rucksack ein ganzes Arsenal an Geburtshilfeutensilien. Nachhelfen muss ich nur selten: Zwillinge in Rückenlage, oder ein Einzellamm, das einfach zu gross geworden ist. Es kann auch vorkommen, dass ein Schaf sich in einer kleinen Mulde niederlässt. Dreht es sich dann auf den Rücken, kann es nicht mehr aufstehen, weil dies hoch schwanger und voller Wolle noch viel schwieriger ist.

Waisenlämmer und jeweils das Kleinste von Drillingen nehme ich mit nach Hause. Wir gewöhnen diese an die Flasche und verkaufen sie fünf Tage alt an Familien mit Schulkindern, die sie grossziehen und an ihrer Schule zur Schau stellen. 

Bis jetzt hatten wir einen sehr nassen Winter, fast keinen Tag ohne durchnässende Regenschauer. Es wurde schwierig, die relativ schweren Rinder auf der Weide zu halten, ohne den lehmigen Boden in einen Morast zu verwandeln. Natürlich haben die Schafe zu dieser Jahreszeit Vorrang und kriegen die frischen Weiden. Die Rinder müssen jeweils danach «aufputzen», was verständlicherweise nicht ihr Lieblingsjob ist. Etwas Heu oder Grassilo helfen dabei als Zückerchen.

Obwohl wir erst Ende August haben, fühlt sich das Wetter bereits wie Frühling an. Milder Wind und viel Sonne wärmen Gross und Klein. Langsam verschwindet das Winterbraun der Weiden und wird durch ein sanft zartes Hellgrün ersetzt, allerdings noch etwas zaghaft, als ob das Gras dem Frühling noch nicht ganz trauen würde. Wer weiss, ob der Winter uns allen nochmals eine reinhaut.

Der Braten wächst Bis jetzt hatten wir Lammglück und nur wenige tote Lämmer. Hoffen wir, dass der frühe Frühling auch ein Guter wird und wir an Weihnachten ein zartes, stramm gewachsenes Lamm geniessen können. Ein bisschen wie ein Osterlamm in der Schweiz.

Beni Aeschbach

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