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Analyse: Was die Freiberger von den Simmentalern lernen könnten

Der Freibergerzucht ist unter Druck. Dies obwohl die Freiberger vom Bund grosszügig unterstützt werden. Ganz anders sieht es bei der Rinderzucht der Simmentaler aus. Eine Anlayse über die Frage, warum die beiden Zuchten sich so unterschiedlich gut machen.


Publiziert: 18.02.2019 / 07:14

Die Freibergerzucht leidet. Die Anzahl geborener Fohlen ist seit 2005 von 2806 Stück auf unter 1900 gesunken. Und das, obwohl der Freiberger das derzeit unterstützungswürdigste Nutztier der inländischen Landwirtschaft zu sein scheint.

400 Franken pro Fohlen

Ein Blick in den Katalog «Förderung der Tierzucht» des Bundesamts für Landwirtschaft, verdeutlicht diese Aussage mit Zahlen. Unter die Bundesbeiträge zur Förderung der Tierzucht fallen unter anderem Herdebuchbeiträge. Pro identifiziertes und im Herdebuch eingetragenes Fohlen berappt der Bund 400 Franken. An die Herdebuchführung der Rindviehzucht zahlt der Bund pro eingetragenes Tier zwölf Franken pro Jahr. Ein markanter Unterschied.

Bund investiert in die Erhaltung der Rasse

Auch die anderen Förderungsmassnahmen zugunsten der Freibergerrasse lässt sich der Bund etwas kosten. So fliessen jährlich knapp eine Million Franken in das Erhaltungsprogramm der Rasse, direkt zum Schweizerischen Freibergerverband. Stellt man diesen Mitteln die Zahlen der Geburtenrate gegenüber, taucht unweigerlich die Frage auf: Was läuft hier falsch? Warum zeigen diese Unterstützungsmassnahmen kaum oder ganz sicher aber zu wenig Wirkung? Ist es für den Erhalt dieser Rasse vielleicht noch zu wenig Geld? Oder wird dieses an der falschen Stelle eingesetzt?

Simmentaler haben es besser drauf

Ein Blick über den Zaun zu den Viehzüchtern lohnt sich. Auch sie bemühen sich um den Erhalt einiger Rassen, die ihren Ursprung in der Schweiz haben. So auch die Simmentaler. Durch das Einkreuzen anderer Milchrassen in die Schweizer Bestände in den 70erJahren wurde die Rasse stark zurückgedrängt. Ein Vergleich mit der Verdrängung des Freibergers durch die Industrialisierung ist naheliegend. Traktoren ersetzten die Pferdestärken.   

Die Simmentaler können weltweit einen Bestand von über 40 Millionen Tieren aufweisen, wenn auch nicht reine. Von solchen Zahlen können die Freiberger nur träumen. Die Simmentaler und Freiberger verbindet noch mehr, als der Swissness-Bonus. Beide kämpfen immer wieder um Anteile am Kuchen des Markts, um Anerkennung und Respekt durch die Züchter von «Konkurrenzrassen» und ganz aktuell, um die Reinheit der Rasse.

Ähnliche Interessenskonflikte

Während in der Simmentalerzucht Milch- und Fleischtypen eine teilweise gegenläufige Ausrichtung haben, diskutieren die Züchter des Freibergers um Freizeit- und Sportpferde, um moderne und alte Typen und um Einkreuzung und Linienerhalt. Das heisst, dass die Züchter beider Rassen mit ähnlichen Interessenskonflikten innerhalb der Züchterschaft konfrontiert sind.
Doch was liegt, ob all der Ähnlichkeit dieser Rassen, hinter den Zahlen? Was ist der Grund, dass der Freibergerbestand trotz intensiver Unterstützungsmassnahmen rückläufig ist? Und was ist der Grund, dass sich der Simmentaler weiterhin behaupten und sogar mit steigenden Anteilen am Kuchen der Viehzucht rechnen kann?

Vorteil der tierischen Produktion

Ein erster und entscheidender Grund dürfte die Wirtschaftlichkeit sein. Ein wichtiger Eckpfeiler der Schweizer Landwirtschaft ist die tierische Produktion. Milch und Fleisch. Die Kuh ist des Bauern täglich Brot. Der Simmentaler hat es geschafft, sich auf Betrieben zu etablieren, die auf seine Milch und sein Fleisch setzen. Er konnte sich trotz hoher Attraktivität anderer Rassen gerade in seinem Ursprungsgebiet, dem Berner Oberland, halten. Der Freiberger ist nicht, oder nur ganz bescheiden, Teil dieser tierischen Produktion. Er ist in den allermeisten Fällen heute nicht mehr als ein Hobby. Beim Konsument, aber auch beim Züchter.

Freibergerzüchter stehen alleine da

Ein weiterer entscheidender Punkt dürfte in der Verbandslandschaft zu suchen sein. Vor 22 Jahren haben sich die Freibergerzüchter vom damaligen Schweizerischen Pferdezuchtverband abgespalten. Sie wollten ihren eigenen Weg gehen, getrennt von Warmblütern und Haflingern. Das Aufsplitten brachte Unabhängigkeit, aber auch kleinere Strukturen mit höheren Kosten.
Die Freibergerzüchter haben keine Wahl, es gibt nur einen Verband, der das Herdebuch ihres Pferdes führt. Bei den Simmentalern sind gigantische Strukturen im Hintergrund. Swissherdbook oder die Schweizerische Vereinigung der Ammen- und Mutterkuhhalter bieten schlagkräftige und dadurch günstige Dienstleistungen an. Die Interessen der Simmentaler fliessen via Rassenkommissionen und Vereine in diese Strukturen ein. Und dafür brauchen die «Reinzüchter» zuweilen Leute mit breiten Schultern. Aber sie haben die Dienstleistung dort, wo sie sie haben möchten, und sind auch frei in der Wahl,
wo sie schliesslich Mitglied sein möchten. Der Züchter entscheidet. Nicht der Verband.

Nachwuchs fehlt

Ein dritter und vielleicht der wichtigste Punkt, ist der Nachwuchs. Während unzählige Jungzüchter sich um die Simmentalerkuh bewegen und teils ehrgeizig deren Zucht betreiben, fehlt es im Lager der Freiberger fast vollständig am Nachwuchs.
So ähnlich die Wurzeln der beiden Rassen sind, so unterschiedlich ist heute ihr Platz in der Gesellschaft. Der Freiberger wird alle Kraft brauchen, sich  zu halten. Erfolgsrezepte ähnlicher Rassen könnten eine Hilfestellung sein.

Simone Barth

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