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Analyse: Unser Berufsstand wird nur noch gemolken

Die Bauern werden nur noch gemolken und schikaniert. Bei keiner anderen Berufsgattung scheint es mehr Vorschriften, Auflagen und Volksinitiativen zu geben wie bei der Landwirtschaft.


Publiziert: 10.12.2018 / 06:54

Der Überwachungsapparat droht aus allen Nähten zu platzen. Hier wird noch eine neue Stelle in einem Amt geschaffen, dort noch einen gut bezahlten Posten aus dem Boden gestampft – natürlich alles zum Wohle der Schweizer Landwirtschaft.

Diese «Fachpersonen» wissen natürlich dann viel besser wie man einen Betrieb rentabel führen muss, ohne jemals selber einen Fuss in einen Stall gestellt zu haben. Den Lohn bezieht man aber anderswo. Ihre Ratschläge, Ideen und Anforderungen, sind manchmal so viel Wert wie eine gefälschte Schweizer Uhr. Die vielen Verbände, Ämter oder Branchenorganisation – ja mit der Landwirtschaft ist immer noch viel Geld zu verdienen. «Äs isch haut eifacher vo dä Bure z läbe, aus vom Bure säuber.»

Die Bauern bezahlen die Beiträge ja, mehr oder weniger freiwillig. Wenn nicht, werden diese vorsorglich schon mal von den Produkten oder von den Direktzahlungen abgezogen. Den Nutzen dieser Organisationen und Verbände zu beurteilen überlasse ich jedem selber. Dieser ist aber vielfach kleiner als man eigentlich erwarten könnte. Und wenn man noch nicht genug hat, tischt man eine weitere Vorschrift oder Schikane den Bauern auf.Das Neuste ist ja, dass jeder, welcher eine Feldspritze betätigt, in Zukunft einen Weiterbildungskurs mit Prüfung besuchen muss – bezahlt natürlich vom Bauer selber.

Hinzu kommen weitere hohe Anforderungen an die Landwirtschaft: Direktzahlungen bekommt nur, wer genau geregelte Vorgaben erfüllt. Und die werden in Zukunft sicher nicht leichter. Auch die ÖLN-Vorschriften werden dauernd verschärft, ohne dass die Bauern zusätzlich honoriert werden. Im Gegenteil, man schaut diese Leistungen schon bald als Standard an. Zwar ist die Schweizer Landwirtschaft dadurch ein Vorbild in Sachen Ökologie und Tierschutz.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Bauern mit einer zunehmenden Bürokratie zu kämpfen haben. Die vielen Vorschriften senken aber die Motivation, um weiter zu machen, viele Jungbauern überlegen sich, ob man bei diesem Klotz den elterlichen Betrieb überhaupt noch übernehmen soll. Während die Landwirtschaft immer mit tieferen Produzentenpreisen zu kämpfen hat, bezahlt der Konsument seit Jahren ähnlich viel für landwirtschaftliche Produkte im Laden.

Grosse Gewinner sind nur noch die Detailhändler. Und der Landwirtschaft rechnet man vor, man sei immer noch zu teuer, koste dem Steuerzahler zu viel Geld und eigentlich habe es immer noch zu viele Bauern. Die Bauern hemmen nicht nur das Wirtschaftswachstum, sondern blockieren auch die Grenzöffnung und den globalen Welthandel. Diese happigen Vorwürfe erhoben kürzlich Wirtschaftsvertreter gegen die Landwirtschaft. Mit dem neuen Agrarminister oder -ministerin, welcher diese Woche bestimmt wird, könnte dieser Trend noch weiter verschärft werden.

Derweil verschwindet die fruchtbare Erde immer wie mehr unter dem Beton. Ein Quadratmeter Land wird pro Sekunde in der Schweiz verbaut. Wie wird es in der Schweiz in 25 Jahren aussehen, wenn die jetzigen Trends fortdauern? Überbauen wir Boden wie bisher, erhalten wir zwar Wohnraum, Arbeitsstätten und Verkehrsanlagen, aber auf Kosten von Kulturland, Erholungsraum und Natur.

Und da bekannt ist, dass der Konsument nicht bereit ist, auf seinen Luxus und Gewohnheiten zu verzichtet, holt er den Erholungsraum und die Natur dort wo sie noch zu finden ist, und zwar draussen, bei den Bauern. «Wir bezahlen ja Direktzahlungen, das ist unser gutes Recht», ist seine Argumentation. Dabei stört er sich aber, wenn es stinkt, es laut ist oder man mit Pflanzenschutzmitteln hantiert. Wie die Bauernfamilien mit diesen Vorwürfen umgehen, interessiert den Konsumenten am wenigsten. Hauptsache er kommt auf seine Kosten. Und wenn der Bauer nicht spurt, kann man auch hier zusätzlich noch eine Arbeitsstelle schaffen. Geld ist ja bei der Landwirtschaft noch genug vorhanden.

Peter Fankhauser

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