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Analyse: Smart waren die Farmer schon vor der Erfindung der App

Sein wichtigstes Arbeitsgerät sei das Smartphone, sagte kürzlich ein Landwirt an einer Agroscope-Tagung zum Thema Smart Farming. 


Publiziert: 29.05.2017 / 07:08 | Aktualisiert: 18.04.2019 / 09:46

Das ist wohl etwas übertrieben, denn mindestens so wichtig dürfte auch das Desktop-Gerät sein, in dem er seine Daten eingeben muss, und das nicht zu knapp. Der durchschnittliche Produzent hat heute rund ein halbes Dutzend Portale zu befüttern, auf denen er dem Informations- und Kontrollbedarf von Behörden, Labelorganisationen und Firmen nachkommen muss.

Die Digitalisierung und Automatisierung schreitet voran, es gibt zurzeit kaum ein Thema, welches die Landwirtschaft derart in Trab hält, einmal abgesehen von der miserablen Einkommenssituation vieler Industriemilchproduzenten vielleicht. Dabei gilt es zunächst etwas zu relativieren. Es ist nicht so, wie man zuweilen meinen könnte, dass die computergetriebene Automatisierung die Branche unvorbereitet getroffen hätte. Landwirtschaft 4.0, wie das Phänomen in Anlehnung an den Computerjargon oft genannt wird, ist die vorläufig letzte Stufe der Modernisierung der agrarischen Produktion. Diese hat in grauer Vorzeit angefangen, als Jäger und Sammler zu Bauern wurden. Der technische Fortschritt ist seither kontinuierlich und hat mit dazu beigetragen, dass die Bauern weltweit trotz ihrer stark abnehmenden Zahl die ebenso stark wachsende Weltbevölkerung nach wie vor überversorgen können.

Mit anderen Worten: Smart, innovativ und lernfähig waren die Bauern schon immer, dafür musste nicht erst eine Flut von Apps entwickelt werden. Und selbst wenn der moderne Digital Farmer behauptet, sein Handy sei das wichtigste Arbeitsgerät, gilt unverändert: Ohne Kuh keine Milch, ohne geeignete Unterlage und taugliches Saatgut kein ansprechender Ertrag. Diesen goldenen Boden ihres Handwerks sollten sich die Landwirte von Programmierern und anderen, oft branchenfremden Fortschrittseuphorikern nicht ausschwatzen lassen.

Es geht nicht darum, den Nutzen  von Digitalisierung und Automatisierung in Abrede zu stellen, sondern um gesundes Selbstvertrauen gegenüber allen möglichen Interessierten, die sich von Landwirtschaft 4.0 vor allem ein gutes Geschäft erhoffen. Denn die Bilanz für die Landwirte ist durchzogen. Was war die Folge der Modernisierungsschritte, welche die Landwirtschaft in den vergangenen 100 Jahren geradezu revolutionierten? Die ökonomische Lage der Bauern ist weltweit vorwiegend prekär, während Lieferanten, Verarbeiter und Handel ihre Margen mindestens halten, in den meisten Fällen aber kontinuierlich ausbauen konnten. 

In Sachen Smart Farming gilt es deshalb Lehren zu ziehen. Denn nichts deutet darauf hin, dass die nichtbäuerlichen «Daten-Staubsauger» privatwirtschaftlicher Herkunft plötzlich das bäuerliche Wohlergehen als wichtigste Motivation betrachten wollen. Gewinnstreben ist auch in der Landwirtschaft 4.0 das oberste Ziel der vor- und nachgelagerten Stufen. Nicht, dass man dies verbieten könnte oder sollte, aber es schadet nichts, dies vor Augen zu halten. 

Deshalb ist es essenziell, dass die Bauern die Hoheit über ihre Daten behalten. Dabei geht es nicht einmal prioritär um Datenschutz. Wenn man sieht, wie grosszügig wir heute im Privatleben mit Daten umgehen (oder haben Sie schon einmal die Nutzungsbestimmungen von Google durchgelesen?), drohen in dieser Beziehung relativ wenig Schäden, es sei denn, man betreibe halbseidige Geschäfte. Der «gläserne Bauer» wird früher oder später ebenso Tatsache sein, wie der «gläserne Konsument». Diese Transparenz kann im Gegenteil auch von hohem Nutzen sein, beispielsweise beim Abbau von Bürokratie oder präziseren und damit nachhaltigeren Anbaumethoden. 

Deutlich wichtiger ist die Kontrolle über die Daten aus kommerzieller Sicht. Diese haben einen Wert, und heute müssen die Weichen gestellt werden, dass dieser der Landwirtschaft nicht ebenso abgezügelt wird, wie die Fortschrittsgewinne der vergangenen Jahrzehnte. Essenziell ist deshalb, dass sich Behörden und bäuerliche Organisationen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen, neutrale Datenplattformen zu schaffen, die Verwendung kontrollieren und bei Bedarf  im Dienste der Bauern auch kommerzialisieren können. Der Wunsch ist fromm, aber die gegenwärtigen Bemühungen in der Schweiz und die sprichwörtliche Schläue der Bauern lassen darauf hoffen, dass er nicht ganz unerhört verhallt.

Adrian Krebs

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