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Analyse: Mit Nischenprodukten Milch und Fleisch quer finanzieren?

Wenn wir eine starke Schweizer Landwirtschaft wollen, 
brauchen wir eine, hinter 
der die ganze Bevölkerung steht und deren Mehrwert augenscheinlich ist. 
Solche Projekte, wie die 
Pfirsichzüchtung von Andi Schmid in Scharans GR, erscheinen dabei als perfekte Lösung.


Publiziert: 22.10.2018 / 06:10

Seine Obstanlage ist ein richtiges Biotop. Nicht nur die Pfirsichbäume und die angrenzenden Rhabarber
stöcke, Birnen und Äpfel 
fühlen sich da wohl. Ganz stolz zeigte mir Andi Schmid bei meinem Besuch das Bild eines Segelfalters, das er kürzlich schoss. Ein äusserst seltener Schmetterling, der offensichtlich in seiner Anlage alles findet, was er braucht. Seine Obstanlage ist biologisch zertifiziert. Natürlich fürchtet Schmid auch den Mehltau und die Monilia. Bisher ist er ihnen aber gänzlich ohne Anwendung von Mitteln, auch den im Biolandbau zugelassenen, Herr geworden.

Natürlich trägt der zukünftige Bündner Pfirsich ebenso wenig wie die Aprikose heute, zur Selbstversorgung der Schweiz bei. Und wenn wir uns irgendwo alle einig sind, dann darin, dass der Ernährungssouveränitätsgrad von 60 Prozent gehalten werden soll. Und den erhalten wir vor allem mit Produkten des täglichen Konsums; hauptsächlich Milchprodukte und Fleisch. Da brauchen wir Grenzschutz und müssen so wirtschaftlich wie möglich produzieren. Weil die Kunden (und dabei zähle ich mich dazu) bequem sind. Und weil sie bei der «Grundversorgung» das jeweils Naheliegendste und Günstigste kaufen.

Ganz anders ist das bei Produkten, die mehr mit Genuss verbunden werden. Alkoholische Getränke, Früchte, Süssigkeiten, spezielle Gewürze oder allerlei Zwischenmahlzeiten – dort ist die Lust darauf plötzlich wichtiger als der Preis. Das ist eine Tatsache und lässt sich nicht schönreden. Warum also nicht genau diese Produkte produzieren, und mit Inlandgarantie anbieten?


Je mehr Genussprodukte aus der Schweiz im Laden um die Ecke erhältlich sind, desto einfacher ist es für die Kunden,  auf Schweizer Herkunft zu achten: Mit Freude einzukaufen und dabei ein reines Gewissen behalten. Nicht die guten Argumente sind ausschlaggebend, sondern die Verfügbarkeit und die Lust. Die guten Argumente sind

erst beim zweiten und dritten Kauf von Vorteil. Und bei der Mund-zu-Mund-Propaganda: «Hast Du schon von den

Pfirsichen aus der Schweiz probiert? Sind ganz neu.»


Andi Schmid setzt der Vision vom Bündner Pfirsich noch die Krone auf, und will Sorten in die Produktion bringen,

die gänzlich ohne Pflanzenschutzmittel auskommen. Würden sie konventionell produziert in die Läden kommen, würde sich wohl kaum jemand darum scheren. Sind sie aber biologisch produziert, ist das ein zusätzliches Verkaufsargument für alle. Und rechtfertigt einmal mehr, dass der Schweizer Pfirsich doppelt bis dreifach so viel kostet wie der Spanische im Nebenregal.


Die Sensibilisierung auf den Mehrwert von Schweizer Produkten, das ist doch die Hauptstossrichtung, ob biologisch, IP-Suisse oder konventionell. Bis der Schweizer Pfirsich allerdings tatsächlich ein Verkaufsschlager wird wie die Walliser Aprikose, fliesst noch viel Wasser  von den Büdner Bergen bis nach Basel den Rhein hinab. Und die Bevölkerung wird bis dahin mit weiteren Agrarinitiativen konfrontiert werden. Vielleicht fällt die Entscheidung für eine landwirtschaftsfreundliche Politik  mit einem schmackhaften Biss in einen Schweizer Pfirsich ja leichter?


Wie die neuesten Statistiken zeigen, sind Höfe mit Spezialkulturen wesentlich rentabler als Milch- und Fleischproduktions-Betriebe. Müsste nicht jeder Milchbauer und Schweinemäster ein Nischenprodukt zusätzlich anbieten, einfach auch, um diese etwas irrational hohe Wertschätzung der Konsumenten mitgeniessen

zu können? Und auch, um mit den Spezialkulturen besser gewappnet zu sein gegen Preisbaissen bei  Milch und Fleisch?

Natürlich, auch das ist keine rundum befriedigende Strategie. Aber die meistgekauften Lebensmittel sind am wenigsten geschätzt. An diesem Punkt waren wir schon, und entweder hängen wir uns daran auf, oder gehen damit um. Die Schweinemast ist genauso nicht aus der Schweiz wegzudenken, wie der Ackerbau, der mithilfe von Pflanzenschutzmitteln einen hohen Ertrag bringt, und damit Futter für die Nutztiere. Das wird die Konsumenten wohl auch immer wieder von neuem empören. Mit einem Bio-Pfirsich aus dem Bündnerland sind sie dann aber auch wieder besänftigt. Hoffentlich.

Nadine Baumgartner

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