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Alte Zäune müssen weg

Stacheldrahtzäune sind für Wildtiere eine Gefahr. Weil der Rückbau aufwendig ist, bleiben sie oft stehen, auch wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Im Toggenburg werden Landwirte beim Rückbau der Zäune unterstützt.


Publiziert: 24.05.2019 / 14:31

Der Stacheldraht zieht sich am steilen Waldrand entlang. Benötigt wird er schon lange nicht mehr, jetzt muss er weg. Einige Männer in Zivilschutzuniform entfernen Meter für Meter und rollen den Draht zusammen, um ihn ins Tal zu bringen.

Stacheldraht an Bäumen

Werner Schelbert, der den Hof «Stämisegg» oberhalb von Wattwil auf 940 m ü. M. vor drei Jahren übernommen hat und mit seiner Familie Milchschafe und -ziegen hält, wollte die zweieinhalb bis drei Kilometer überflüssigen Stacheldraht rund um sein Land loswerden und meldete sich deswegen beim Bauernverein Toggenburg. «Der Hag stört mich, niemand braucht ihn, und für das Wild ist er eine Gefahrenquelle», meinte Schelbert bei einer Begutachtung des Rückbaus am vergangenen Mittwoch. Der Zaun ist vermutlich Jahrzehnte alt und war ursprünglich für weidende Rinder angebracht worden.

Tatkräftige Hilfe erhalten hat Schelbert von der Zivilschutzorganisation Toggenburg, die für Arbeiten dieser Art eingesetzt wird. «Wir sind zurzeit vor allem mit Schäden beschäftigt, die während des Winters entstanden sind, beispielsweise durch Lawinen. Zwischendurch können wir aber auch einen Zaun zurückbauen, obwohl dies nicht zuoberst auf unserer Prioritätenliste steht», sagte der stellvertretende Kommandant Samuel Fust.

Bauern handeln selbst

Der Stacheldraht hier auf der «Stämisegg» sei vergleichsweise einfach zu entfernen. Schwieriger sei es, wenn Drähte in den Boden und in Bäume regelrecht eingewachsen seien und zuerst ausgegraben werden müssen. Zudem: «Sind Drähte mit Bäumen verwachsen, kann dies später beim Holzen oder in der Sägerei zu Schäden führen», sagte Andreas Widmer, Geschäftsführer vom St. Galler Bauernverband.

Koordiniert wird die Aktion vom St. Galler Bauernverband (SGBV) sowie dem Bauernverein Toggenburg im Rahmen des Projektes «Rückbau von nicht mehr notwendigen Zäunen.»

Dieses wurde 2018 lanciert, womit die Arbeit der Wald-Wild-Lebensraum-Kommission (WWLK) konkretisiert und als Zusammenarbeit mit Forstwirtschaft und Jagd weitergeführt wird. Ziel dabei ist es, überflüssig gewordene Zäune wie Maschendraht, Flexinetze und Stacheldraht im Offenland und im Wald zu entfernen. «Dies soll ohne neue gesetzliche Regelungen und Vorschriften erreicht werden», sagte Widmer. «Das scheint auch nicht nötig zu sein. Wir haben festgestellt, dass die Bauern von sich aus aktiv werden.»

Hundertjährige Zäune

Kleinere Rückbauten können Landwirte selbständig erledigen, bei grösseren wie bei Werner Schelbert jedoch kann mit Unterstützung gerechnet werden. Im laufenden Jahr beschränkt sich der Fokus vor allem auf das Toggenburg, das mit seiner höheren Lage und einer beträchtlichen Anzahl von Alpweiden besonders häufig vom Problem zurückgelassener Zäune betroffen ist. Zurzeit geht es in der Region um 26 Rückbauten. Die meisten betreffen alte Stacheldrahtzäune, die teilweise seit Jahrzehnten bestehen und schon lange nicht mehr gepflegt wurden. «Man geht sogar davon aus, dass die ältesten Zäune bereits an die 100 Jahre alt sind», stellte Andreas Widmer fest. Da häufig nicht bekannt ist, wer die Zäune wann gebaut hat, kann auch niemand mehr dafür verantwortlich gemacht werden. «Es geht hier nun darum, den Rückbau für das Gemeinwohl zu erledigen». Nebst dem Zivilschutz Toggenburg helfen auch Gemeindebauämter und Jäger mit.

Gefahr für Wildtiere

Immer wieder geraten Wildtiere in Zäune, bleiben hängen und können sich nicht mehr befreien. Auf diese Weise können Tiere qualvoll verenden. Die Bevölkerung, Jäger wie auch die Landwirtschaft seien für das Thema sensibilisiert, sagte Andreas Widmer. Für das Wild gefährlich sind nicht nur Stacheldraht, sondern auch Maschendrähte und sogar Flexizäune.

Zurzeit läuft die Unterschriftensammlung für die kantonale Initiative «Stopp dem Tierleid – gegen Zäune als Todesfallen für Wildtiere», lanciert unter anderem von den Jägern, von Pro Natura und dem WWF. Die Vorlage will Stacheldraht generell verbieten und dafür sorgen, dass mobile Weidenetze und elektrische Zäune nur aufgestellt sein dürfen, solange auf den Weiden tatsächlich Tiere grasen.

Modernes Zaunmanagement

Die Bauernverbände sind jedoch gegen ein Verbot: «Die Landwirtschaft hat sich in den letzten 30 Jahren stark verändert. Das Zaunmanagement ist heute sehr vielfältig. Je nach Tierart braucht es unterschiedliche Zäune», betonte Andreas Widmer. «Für ­Ziegen und Schafe beispielsweise reicht ein Zaun mit Holzpfählen und einem Draht nicht aus, da eignet sich ein Flexizaun besser. Muss man diesen aber immer wieder umstecken, ist das sehr aufwändig», meinte Werner Schelbert.

Auch betreffend Stacheldraht ist laut den Bauern eine differenzierte Sichtweise nötig: «Wird mit Stacheldraht sorgfältig umgegangen, ist er nicht gefährlich», betonte Mathias Ammann, Vorstandsmitglied vom Bauernverein Toggenburg. Es gebe Situationen, wo Drahtbefestigungen wichtig seien, zum Beispiel um Kulturen vor Wildschweinen zu schützen oder in Berggebieten abschüssige Stellen zu sichern.

Sorgfältiger Umgang

«Die Bauern sind heute besser informiert und gehen mit Zäunen verantwortlicher um als früher», stellte Andreas Widmer fest. Stacheldraht direkt an Bäumen zu befestigen sei gestern gewesen. Wer zudem auf einer Alp an steilen Stellen Befestigungen installiert, baue sie Ende Saison alleine schon aus Eigeninteresse wieder ab, da Zäune kostspielig sind und über den Winter leicht beschädigt werden.

Über den Sommer werden im Toggenburg laufend weitere ungenutzte Zäune zurückgebaut, insgesamt 30 Kilometer Stacheldraht. Nächstes Jahr soll das Projekt weitergeführt werden, der Schwerpunkt wird dann auf den Rückbau von Zäunen speziell auf Alpgebieten im ganzen Kanton St. Gallen gelegt.

 

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