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Agrar-Initiativen: LBV-Präsident will das Vertrauen zurückgewinnen

Der Abstimmungskampf um die Pflanzenschutz-Initiativen ist in seiner heissen Phase: Der Luzerner Bauernpräsident Markus Kretz zu seinen Erfahrungen und zur Stimmungslage.


Wie viele Bauern engagiert sich auch der Luzerner Bauernpräsident Markus Kretz vehement und aktiv gegen die Pflanzenschutz-Initiativen. Wir befragten den Präsidenten, erst seit vergangenem Herbst im Amt, zu seinen Erfahrungen.

Haben Sie derzeit, in Anbetracht des Abstimmungskampfes, noch Kapazitäten für Ihre berufliche Tätigkeit?
Markus Kretz: In der Tat absorbiert die aktuelle Abstimmungskampagne enorm viel Zeit. Trotzdem darf die angestammte Tätigkeit nicht darunter leiden. Aktuell sind einfach die Nächte etwas kürzer und Hobbys und Freizeit kaum möglich.

Sie sind auch selber an Standaktionen mit dabei. Wie beurteilen Sie die aktuelle Stimmung bei der bäuerlichen Basis und bei der Gesellschaft?
Der Grossteil der Landwirtschaft kämpft für ein gemeinsames Ziel. Es ist schön zu erleben, wie die Bauern in dieser Zeit zusammenstehen. Gemeinsam sind wir stark! Die übrige Gesellschaft ist gespalten. Auf der einen Seite die Leute, welche die Wichtigkeit einer produzierenden Landwirtschaft sehen. Auf der anderen Seite jene, die keinen Bezug mehr zur Nahrungsmittelproduktion haben. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die Landwirtschaft gestärkt aus dem Abstimmungskampf hervorgeht, denn eine so geballte Ladung an Öffentlichkeitsarbeit, mit Videobotschaften, Bildern, Aufklärungsarbeit und vielem mehr gab es in der Geschichte des Bauernstandes noch nie.

Die Biobauern scheinen eher gespalten, zumindest bei der Trinkwasser-Initiative. Was sagen Sie Befürwortern, bzw. wie begegnen Sie möglichen Spannungen mit Bio Luzern?
Ich scheue keine Begegnung, denn ich respektiere alle Meinungen. Ich habe die letzten Wochen viele Gespräche mit Biobauern geführt. Dabei habe ich festgestellt, dass nicht alle die Tragweite der Initiative erkannt haben. Ich bin auch überzeugt, dass nach den Abstimmungen allfällige Wunden rasch heilen werden. Denn mit den heutigen Spezialisierungen in der Landwirtschaft wird es nicht möglich sein, immer einer Meinung zu sein.

Offensichtlich zeigt die aktuelle Kontroverse im Abstimmungskampf aber, dass es wieder einen grösseren Graben zur Gesellschaft gibt, trotz vermeintlich gutem Image der Landwirtschaft. Besonders die städtische Bevölkerung selbst oder gerade im tierintensiven Agrarkanton Luzern scheint sehr kritisch geworden zu sein gegenüber Reizworten wie Pflanzenschutzmittel, Trinkwassersicherheit, Futtermittelzufuhren usw. Wo liegen die Ursachen?
In der Tat wird es bei diesen beiden Vorlagen einen grossen Stadt-Land-Graben geben. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass diesbezüglich die Presse nicht unschuldig ist. Es ist extrem schwierig, gute Botschaften aus der Landwirtschaft platzieren zu können. In diesem Bereich werden wir künftig neue Wege beschreiten müssen, um das Vertrauen der ganzen Bevölkerung wieder gewinnen zu können.

Auch zu den Umweltverbänden ist das Klima wieder frostiger geworden. Eine Zeitlang schienen diese sowie Links-Grün eher Verbündete zu sein aufgrund gemeinsamer Anliegen. Diese Partnerschaft scheint wieder vorbei. Wie beurteilen Sie das?
Sobald der 13. Juni vorbei ist und wir Klarheit haben, werden wir uns innert Kürze wieder zusammenraufen und die Kontakte mit Umweltschutzverbänden und linken Kreisen wieder aktivieren. Ich glaube, es wäre falsch, wenn die Landwirtschaft einseitige politische Partnerschaften eingehen würde. Wir brauchen eine starke Schweizer Landwirtschaft mit einem hohen Selbstversorgungsgrad, dabei spielt es keine Rolle, aus welcher politischen Ecke Ideen dafür eingebracht werden.

Die Schuld für den Graben wird auch der Bauernlobby, bzw. dem SBV zugeschoben. Die hätten sich nicht bewegt, würden nötige Verbesserungen blockieren, deshalb brauche es nun deutliche Zeichen ... Was sagen Sie zu solchen Vorwürfen?
Auf die starke Bauernlobby dürfen wir auch stolz sein. Im Parlament gelingt es, die Innovationskraft der Landwirtschaft aufzuzeigen, was uns die nötigen Mehrheiten generiert. Leider werden Vorwürfe oft auf Behauptungen aufgebaut, welche in einem klärenden Gespräch relativ schnell aus dem Weg geräumt werden können. Diese Aufklärungsarbeiten gilt es auch nach den Abstimmungen weiterzuführen. Denn nach der Abstimmung ist vor der nächsten Abstimmung.

 

«Tierhaltung und Umweltschutz müssen im Einklang stehen.»

Markus Kretz zu den Herausforderungen wegen der hohen Luzerner Tierbestände.

Wieso hat es die Landwirtschaft in den letzten Jahren nicht besser geschafft, auf ihre Veränderungen hinzuweisen?
Obwohl viele Anstrengungen unternommen wurden, ist es uns zu wenig gelungen, die positiven Veränderungen der Landwirtschaft in der Bevölkerung bekannt zu machen. Der aktuelle Abstimmungskampf hat uns gezeigt, dass sich die Sozialen Medien zum wichtigsten Kommunikationskanal gemausert haben. Dies gilt es künftig vermehrt zu nutzen. Ich durfte die letzten Wochen viele positive Beiträge, arrangiert von der Basis sehen, die mir Freudentränen in die Augen trieben. Diese Beiträge werden auf dem Netz weiterleben. Auch wird es vielen innovativen Bäuerinnen und Bauern Auftrieb geben, diese Kommunikationsform aufrecht zu erhalten.

In Kommentaren ist zu lesen, dass unabhängig vom Abstimmungsergebnis viel zerschlagenes Geschirr bleiben wird.
Nein, das glaube ich nicht. Ich gehe schwer davon aus, dass wir diese Abstimmungen für uns entscheiden werden. Trotzdem haben die Initianten mit der vom Parlament verabschiedeten Parlamentarischen Initiative, welche aktuell in der Vernehmlassung ist und als Antwort auf die Initiativen gilt, viel erreicht.

Im Agrarkanton Luzern bewegt vor allem die Tierhaltung. Der Druck ist gross für Bestandesreduktionen. Wie begegnet der LBV dem politischen Druck?
Der Kanton Luzern ist ein bedeutender Agrarkanton, der wertschöpfungsmässig rund 10 % der Schweizer Landwirtschaft ausmacht. Gut 13 000 Personen arbeiten auf den 4500 Landwirtschaftsbetrieben. Der Produktionswert liegt bei rund einer Milliarde Franken pro Jahr, und 80 % stammen aus der tierischen Veredelung. Im Kanton Luzern ist jeder elfte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig. Diese Gegebenheit gilt es zu wahren. Ich bin überzeugt, dass wir dank unserem Projekt «Geruch und Ammoniak», wo wir die Projektleitung innehaben, und dank der Zusammenarbeit mit dem neuen Agroscope-Stützpunkt in Sursee in Bezug auf die Nährstoffflüsse viele neue Erkenntnisse gewinnen werden. Daraus erhoffe ich mir, dass wir für die Tierhalter erträgliche Massnahmen ausarbeiten und finden können, damit Tierhaltung und Umweltschutz im Einklang stehen.

«Wir können nicht alle einer Meinung sein.»

Die Spezialisierung in der Landwirtschaft führt zu unterschiedlichen Interessen. 

Ihr Rückblick auf die bisherige Amtszeit?
Die hervorragend aufgestellte Geschäftsstelle und meine erfahrenen Vorstandskollegen haben mir den Einstieg sehr erleichtert. Dafür bin ich ihnen zu grossem Dank verpflichtet. Natürlich habe ich mir mein zeitliches Engagement etwas geringer vorgestellt, doch ich hoffe, dass sich dieses nach der Abstimmung etwas normalisiert. Doch trotz dieser intensiven Startphase bin ich nach wie vor motiviert, mich für unseren Berufsstand einzusetzen und beste Bedingungen für eine produzierende Landwirtschaft auszuhandeln. Dafür ist ein grosses Beziehungsnetz unabdingbar. Die Kampagne gegen die Agrar-Initiativen war für mich der Wegbereiter, um dieses wichtige Netz zu Politik, Verbänden, Ämtern, aber auch zur Basis aufzubauen.

Ihre Ziele als Präsident in Zukunft?
Sobald der Vorstand wieder physisch tagen kann, werden wir die strategische Stossrichtung des LBV überprüfen und ergänzen. Ich persönlich werde alles daran setzen, dass der Kanton Luzern ein starker Agrarkanton bleibt. Dafür müssen wir bereit sein, uns zu bewegen und für Innovationen offene Ohren haben Es ist auch ein offenen Geheimnis, dass es mir ein grosses Anliegen ist, die Öffentlichkeitsarbeit auszubauen, damit die ganze Bevölkerung, egal mit welcher politischen Einstellung, uns Bauern wieder vertraut.

Zur Person

Markus Kretz wohnt in Schongau, ist 45-jährig, verheiratet und hat drei Kinder. Er ist Teilhaber einer Betriebsgemeinschaft zusammen mit drei weiteren Landwirten. Der 61 ha grosse Betrieb wird mit Ackerbau, Milchwirtschaft, Schweinezucht und Mastpoulets bewirtschaftet. Markus Kretz präsidiert den Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband seit Oktober 2020.

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