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Migros-Chef kritisiert Bauern - Bauernverband schlägt zurück

Migros-Chef Herbert Bolliger teilte in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» kräftig aus. Die Schweizer Bauern würden Abschottungspolitik betreiben, dies schade dem Schweizer Detailhandel. Der Schweizer Bauernverband kontert mit einem offenen Brief an Bolliger.


Beim Lesen des Interviews in der Schweiz am Sonntag dürfte so einigen Landwirten die Sunntigszüpfe im Hals stecken geblieben sein. Während 
Bundesrätin Doris Leuthard als Wirtschaftsministerin noch versucht habe, die Märkte zu öffnen, gelinge es den Bauern unter Leuthard-Nachfolger Johann Schneider-Ammann zunehmend wieder, den Markt geschickt abzuschotten, so Migros-Chef Herbert Bolliger im Interview. «Dabei geht es ihnen nicht um mehr Qualität oder Swissness, wie sie sagen, sondern vielmehr um Protektionismus.» Ein Schuss ins eigene Bein sei das, hielt Bolliger fest. «Am Schluss schrumpft die Produktion in der Schweiz, weil die Konsumenten ins Ausland flüchten.» 


Beim Schweizer Bauernverband stiess Bolliger mit seinen Aussagen auf wenig Gegenliebe. Das Präsidium griff zur Feder und verfasste einen offenen Brief – hier im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bolliger

Die Migros ist ein wichtiger Partner der Schweizer Landwirtschaft. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der Werbung Ihres Unternehmens, in der Sie massiv auf die Landwirtschaft setzen, die gute Zusammenarbeit mit Produzenten aufzeigen oder Tiere in origineller Art in Szene setzen.

Dezidiert wird von Seite der Migros auch immer wieder die gute Zusammenarbeit mit den Schweizer Bauern – unlängst wieder an den Gesprächen zwischen den Führungsspitzen der Migros und des Schweizer Bauernverbands (SBV) – betont. Die Zeiten als wütende Bauern die Verteilzentren der Migros blockierten, sollten vorbei sein.

Umso überraschter waren wir vom Rundumschlag gegen die Bauern und den SBV am letzten Wochenende in der Schweiz am Sonntag. Sie werfen den Bauern vor, sie wollten mit ihrer “Initiative für Ernährungs-sicherheit“ die Schweiz abschotten und den Protektionismus ausbauen und würden mit ihrem Verhalten zur Förderung des Einkaufstourismus beitragen. Mit seiner Initiative möchte der SBV die inländische Lebensmittelproduktion stärken. Dies scheint uns angesichts eines Nettoselbstversorgungsgrades von 60 Prozent absolut berechtigt.

Es geht vor allem darum, dass dieser – auch angesichts der weltweiten Entwicklung – nicht weiter sinkt. Bei diesem Selbstversorgungsgrad und bei gänzlich offenen Grenzen beim Käse, dem nach wie vor bedeutendsten Exportprodukt der Schweizer Landwirtschaft, von Protektionismus und Abschottung zu sprechen, scheint uns gänzlich deplatziert.

Mit Ihren Vorwürfen machen Sie es sich zudem etwas gar einfach. Die Fleischpreise wären in der Schweiz in verschiedenen Bereichen für die Konsumenten sogar dann teurer als in umliegenden Ländern der EU, wenn die Schweizer Bauern die Tiere gratis abgeben würden. Denn auch die Migrostochter Micarna oder die Migrosläden müssen in der Schweiz höhere Löhne oder Mieten zahlen. Von den Auflagen in den Bereichen Ökologie oder Tierschutz für die Landwirtschaft wollen wir an dieser Stelle gar nicht reden.

Als Denkanregung einfach noch Folgendes: Falls die Preise in der Schweiz zu hoch sind, liegt die Ursache somit nicht nur bei den Landwirten, sondern vor allem auch bei allen nachgelagerten Stufen. Gerade mal 25 Prozent des Konsumentenfrankens landen heute beim Produzenten. Vor 25 Jahren waren es noch knapp 40 Prozent. Das muss auch zu denken geben.

Wir empfehlen Ihnen, anstelle von undifferenzierten und unqualifizierten Vorwürfen an die Landwirtschaft, einmal eine breit angelegte Kampagne über den Wert von Lebensmitteln zu lancieren. In einer solchen Kampagne sollte auch enthalten sein, dass Herr und Frau Schweizer weniger als sieben Prozent ihres Haushaltbudgets für Lebensmittel ausgeben müssen, ein weltweiter Tiefstwert. Die Bundesausgaben für die Landwirtschaft müssen übrigens mit einem Anteil von unter sechs Prozent den internationalen Vergleich ebenfalls nicht scheuen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ausgaben sinken sie zudem stetig.

Die Landwirtschaft ist bereit, die Partnerschaft mit der Migros fortzusetzen und diese gar auszubauen. Dafür sind unhaltbare Vorwürfe aber eine schlechte Voraussetzung. Viel mehr braucht es die gemeinsame Suche nach Lösungen und intelligente, zukunftsorientierte Projekte zugunsten der inländischen Produktion. Da stehen auch die Detailhändler in der Verantwortung.

Präsidium des Schweizer Bauernverbands

jw/pd

 

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