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Boden ist mehr als nur Dreck

2015 steht der Boden im Rahmen des «internationalen Jahr des Bodens» der UNO im Scheinwerferlicht. Die Bevölkerung soll während dieses Jahres auf seine Wichtigkeit sensibilisiert werden.


Der Boden ist für die Menschheit von unermesslicher Bedeutung. Ihm kommen zahlreiche Funktionen zu: Er speichert und filtert Trinkwasser, liefert Nahrung, Biomasse, Erdwärme sowie mineralische Rohstoffe und ist die Grundlage der Biodiversität. Geht es dem Boden gut, geht es uns gut. Um die Bevölkerung auf dieses Thema zu sensibilisieren, wurde  2015 von den Vereinten Nationen zum Jahr des Bodens erklärt.   


Positives Licht auf die Landwirtschaft


«Das UNO-Jahr ist eine Chance, die Menschen für den Boden zu sensibilisieren und aufzuzeigen, welche wichtigen Leistungen der Boden für die Allgemeinheit erbringt», zeigt sich Beatrice Kulli von der Bodenkundlichen Gesellschaft der Schweiz (BGS) überzeugt.

Ins gleiche Horn bläst Jörg Amsler vom Bundesamt für Landwirtschaft. Er erhofft sich eine Sensibilisierung der Bevölkerung für die nachhaltige Nutzung der Ressource Boden: «Das UNO-Jahr soll Zusammenhänge sichtbar machen und insbesondere zeigen, dass Boden nicht einfach ‹Dreck› ist.»

Alexandra Cropt betreut beim Schweizer Bauernverband das Dossier Boden und hofft, dass das UNO-Jahr 2015 – wie das Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe 2014 – ein positives Licht auf die Landwirtschaft und die für sie «so wichtige Ressource Boden werfen wird». Cropt, Kulli und Amsler sind Mitglieder im Netzwerk Boden für das UNO-Jahr des Bodens.

Verlust von Fläche und Qualität als Hauptproblem

Fruchtbarer Boden geht weltweit durch Überbauung, Schadstoffeintrag, Erosion, Versalzung, Dürre und Unwetter für die Nahrungsmittelproduktion verloren. Und der Klimawandel verschärft diese Bedrohung zusätzlich. In der Schweiz, da sind sich die Experten einig, ist der Bodenverlust das Hauptproblem. «Dem Bodenverlust muss unbedingt Gegensteuer gegeben werden», ist Alexandra Cropt überzeugt. «Der Verschleiss und die Zerstückelung grosser, einstmals zusammenhängender Flächen von bester Qualität erschweren die landwirtschaftliche Produktion», erläutert Jörg Amsler.


Aber nicht nur die Fläche, auch die Qualität des Bodens ist bedroht: Verdichtung, Erosion und Verschmutzung sind nur einige. «Der Verlust von Bodenqualität ist weniger offensichtlich als Bodenflächen und ist der breiten Öffentlichkeit deshalb weniger bewusst», gibt Cropt zu bedenken.

Bewusstsein für einen gesunden Boden ist nicht neu


Boden ist neben Kapital und Arbeit einer der drei definierten Produktionsfaktoren der klassischen Volkswirtschaftlehre. Bereits im Landwirtschaftskalender vor 300 Jahren wird festgehalten, was der «Hauss-Vatter» bei der Bestellung der Böden zu beachten hat:

  • Er sollte sich Zeit für die Beobachtung des Wachstums nehmen.
  • Er sollte stets die Witterung berücksichtigen.
  • Er sollte die Bodenunterschiede kennen.
  • Er sollte die Felder sorgfältig und mit Fleiss für die Saat herrichten.


Die Problematik der Bodenbearbeitung ist alles andere als neu. «Mit dem Sachplan Fruchtfolgefläche (FFF) versuchte der Bund bereits vor mehr als 20 Jahren, die besten ackerbaulichen Böden besser zu schützen», führt Jörg Amsler als Beispiel auf.

Aber auch sonst ist die Politik vielerorts aktiv geworden. Als Meilenstein kann sicherlich die Einführung des ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) als Voraussetzung für den Erhalt von Direktzahlungen im Jahr 1997 bezeichnet werden. Mit dem ÖLN wurde eine ausgeglichene Düngerbilanz Pflicht, genau so wie eine geregelte Fruchtfolge oder ein geeigneter Bodenschutz.

Ein jüngeres Beispiel ist die aktuelle Revision des Raumplanungsgesetzes. Zentrales Element der zweiten Etappe: Bauen ausserhalb der Bauzonen und somit Schutz der Fruchtfolgeflächen. Mit der neuen Agrarpolitik wurde weiter versucht, Anreize für eine bodenschonende Bewirtschaftung zu schaffen.


Auch abseits der Politik ist das Bewusstsein für eine bodenschonende landwirtschaftliche Nutzung nicht neu. Ende 1995 wurde die Interessengemeinschaft «No-Till» Direktsaat von einer kleinen Gruppe von Landwirten und Lohnunternehmern gegründet. Als jüngeres Beispiel kann die Initiative für Ernährungssicherheit vom Schweizer Bauernverband aufgeführt werden. Diese fordert unter anderem, dass der Bund wirksame Massnahmen gegen den Verlust von Kulturland trifft.

Unsachgemässe Bearbeitung schadet

«Boden ist die wichtigste Produktionsgrundlage für die Landwirtschaft», ist Jörg Amsler überzeugt. Die starke Abhängigkeit der Landwirtschaft vom Boden ist für den Boden aber nicht nur positiv. Die drei Experten sind sich einig, dass die Verdichtung durch unsachgemässe Bodenbearbeitung den grössten Schaden anrichtet: «Die landwirtschaftliche Nutzung kann zu Bodenverdichtung führen, wenn Böden in feuchtem Zustand mit zu schweren Maschinen befahren werden», führt Beatrice Kulli von der bodenkundlichen Gesellschaft aus.

Kulli bricht aber eine Lanze für die Bauern: «Ich denke, dass die Landwirte auf diese Probleme durchaus sensibilisiert sind. Manchmal sind es aber die Rahmenbedingungen, die es schwierig machen.»

Diese Meinung teilt Alexandra Cropt: «Eine ungeeignete landwirtschaftliche Praxis kann die Bodenqualität negativ beeinflussen. Die Sensibilität für einen sorgsamen Umgang mit dem Boden ist heute bei den 
Bäuerinnen und Bauern ausgeprägt.»


Die Landwirtschaft kann aber durchaus einen positiven Einfluss auf den Boden ausüben. «Eine schonende und angepasste Bodenbearbeitung oder die Anreicherung von Humus sind zum Beispiel Massnahmen, die die Qualität des Bodens verbessern», führt Cropt weiter aus. Auch die nachhaltige Bewirtschaftung zum Beispiel durch eine abwechslungsreiche Fruchtfolge fördere die Bodenqualität, führt Jörg Amsler an.


Klimawandel als eine der Herausforderungen


Den Status quo der Bodenqualität aufrechtzuerhalten oder gar zu verbessern, dürfte schwierig werden. «Durch den Klimawandel könnte es zu heisseren und trockeneren Sommer kommen. Möglicherweise wird dadurch Wasserknappheit und Bewässerung ein Thema», vermutet Beatrice Kulli. Ausserdem werde zum Beispiel Phosphor als wichtiger Düngung weltweit langsam knapp.


Jörg Amsler verweist auf den Druck auf das Kulturland, «der bei weiterhin prosperierender Wirtschaft kaum abnehmen wird.» Gleicher Meinung ist Alexandra Cropt. Sie geht davon aus, dass es auch weiterhin regelmässig zu Nutzungskonflikten zwischen Lebensmittelproduktion, Biodiversität, Bedarf nach Wohnraum und dem Wunsch nach einer intakten Landschaften kommen werde. «Ziel war, ist und muss sein, die fruchtbare und produktive Ressource Boden an die nächste Generation weiterzugeben», so Cropt.


Julia Schwery

Unter www.boden2015.ch finden sich allerlei Informationen zum Thema Boden.

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