29.07.2010 - 16:07

    «Unsere Hauptbotschaft an die Migros war die Forderung nach Fairness»

    Martin Haab, Landwirt aus Mettmen­stetten ZH und Co-Präsident der Basisorganisation BIG-M, zieht im Interview mit der «BauernZeitung» eine positive Bilanz der Kundgebung vor der Migroszentrale in Zürich.

    Martin Haab

    Bauernzeitung: Welche Bilanz können Sie über die Kundgebung beim MGB in Zürich ziehen?
    Martin Haab: Über die Kundgebung vor dem Migros-Genossenschaftsbund (MGB) in Zürich kann ich eine durchwegs positive Bilanz ziehen. Das Hauptziel der Kundgebung bestand darin, bei der Migros, der Öffentlichkeit und den Konsumenten Aufmerksamkeit für die Probleme der Milchproduzenten zu erzeugen. Dieses Ziel haben wir voll und ganz erreicht. Unsere Hauptbotschaft an die Migros war die Forderung nach Fairness gegenüber den Milchproduzenten. Diese Botschaft kam sehr gut hinüber. Ob die Kundgebung für die Milchproduzenten die erhofften Ergebnisse bringen wird, muss sich aber erst noch erweisen.

    Warum hat sich die BIG-M entschieden, die Kundgebung vor dem Hauptsitz des MGB in Zürich durchzuführen?
    Haab: Die Migros-Molkerei Elsa hat sich als einzige grosse Molkerei der Schweiz geweigert, den Milchpreis für die Bauern per 1. Juli 2010 zu erhöhen. Die unternehmerischen Entscheide der Migros werden am Hauptsitz des MGB gefällt. Dort wollten wir hin, um unsere Botschaften zu überbringen. Dazu kommt, dass die Medien im Grossraum Zürich konzentriert sind. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für Anlässe in Zürich ist aus diesem Grund überdurchschnittlich gross.

    Aus welchen Gründen hat die Migros aus Ihrer Sicht eine rote Karte verdient?
    Haab: Erstens haben die beiden Vertreter der Migros in der BO Milch bisher jeden Vorschlag der Produzenten zur Mengenführung bekämpft. Zweitens vermissen wir bei der Migros die Fairness gegenüber den Milchproduzenten. Drittens weigert sich die Migros-Molkerei Elsa, den Milchpreis für die Produzenten zu erhöhen. Viertens wurde den Konsumenten im «Migros-Magazin» vorgegaukelt, dass die Migros die Margen zugunsten der Milchproduzenten kürze. Fünftens missbraucht die Migros die Schweizer Landwirtschaft in der Werbung zur Darstellung einer «heilen Welt» und «schröpft» die Schweizer Bauern gleichzeitig mit einem permanenten Preisdruck.

    Die Migros sagt, Elsa bezahle den Lieferanten bessere Preise als andere Milchverarbeiter. Was sagen Sie dazu?
    Haab: Diese Behauptung der Migros kommt bei mir schräg an. Es trifft zu, dass die Elsa den Direktlieferanten einen durchschnittlich hohen Milchpreis bezahlt. Den Marktorganisationen bezahlt die Elsa aber einen tieferen Preis als andere Verarbeiter. Als Beispiel nehme man die ­Miba, die der Elsa zwar sehr viel Milch verkauft, den Miba-Lieferanten aber nur einen tiefen Preis ausbezahlen kann.

    Die Migros liess verlauten, sie sei zum Gespräch mit der Basisorganisation BIG-M bereit. Welche Forderungen stellt die BIG-M an die Migros?
    Haab: Die Migros hat BIG-M zu einem Gespräch am runden Tisch eingeladen. Sobald die ­Elsa den Milchpreis für die Milchbauern erhöht, nehmen wir das Angebot des Migros-Genossenschaftsbundes gerne an. Bevor die Elsa den Milchpreis für die Bauern verbessert, haben aber Gespräche mit der Migros aus unserer Sicht wenig Sinn.

    Interview Anton Haas


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