15.12.2011 - 07:00

    Max Binder: «Nachfrage und Preis müssen stimmen»

    Der Präsident von Waldwirtschaft Schweiz, Max Binder, rät jedem Waldeigentümer, vor dem Holzschlag einen Abnehmer zu suchen. Das UNO-Jahr des Waldes sei sehr positiv verlaufen, hielt er in einem Interview mit der „BauernZeitung“ weiter fest.

    Max Binder. (Bild Julia Schwery)

    BAUERNZEITUNG: Das UnoJahr des Waldes neigt sich dem Ende zu. Was für eine Bilanz ziehen Sie?

    MAX BINDER: Eine sehr positive. Der offizielle Start im Frühling zusammen mit dem Bafu respektive mit Bundesrätin Doris Leuthard im Wald gelang optimal. Zahlreiche nationale, regionale und kommunale Veranstaltungen im ganzen Land wurden sehr gut besucht. Die Bevölkerung strömte in Scharen in den Wald. Angefangen haben wir mit der Sonderschau nach dem Motto «Unser Wald: Nutzen für alle» bereits an der Olma in St. Gallen im letzten Jahr. In diesem Jahr folgten die Ausstellungen an der Luga in Luzern, am Comptoir in Lausanne und an der Expolegno in Bellinzona.

    Was für konkrete Ziele hatte sich die Waldwirtschaft Schweiz für das Jahr des Waldes vorgenommen? Wurden diese Ziele erreicht?

    MAX BINDER: Im Zentrum stand für uns unsere weitergehende Kampagne «Unser Wald. Nutzen für alle». Damit wollten wir die Bevölkerung für die Funktionen des Waldes sensibilisieren, vor allem auch für die Nutzfunktion. Denn auch der Teil des Schweizer Waldes, der sich in Privatbesitz befindet, ist öffentlich zugänglich. Daran wollen wir auch nichts ändern, aber dennoch muss der Wald genutzt werden. Zudem konnten wir verschiedene Projekte unterstützen, leider nicht alle. Insofern haben wir die Ziele erreicht.

    Die Waldbesitzer sehen sich durch Bestrebungen des Bundesamts für Umwelt (Bafu) in ihrem Handlungsspielraum zu stark eingeschränkt. Konkret wird dem Bafu vorgeworfen, die Nutzungsfunktion des Waldes zugunsten seiner Schutzfunktion zu benachteiligen. Das Bafu hat jetzt die neue Kampagne «Stolz auf Schweizer Holz» gestartet, mit der sie in der Bevölkerung für die Nutzung des Waldes werben will. Nehmen Sie ein Umdenken wahr?

    MAX BINDER: Diese Kampagne ist eine gute Werbung und wird natürlich von uns unterstützt. Die Frage ist jedoch, ob das Bafu die angestrebte Nutzungssteigerung nicht behindert durch mehr und zum Teil produktionskostensteigernde Auflagen und Massnahmen. Hier stellen wir oft Widersprüche fest. Zu diesen Themen werden immer wieder Diskussionen geführt, und es liegt auf der Hand, dass die Waldwirtschaft nicht immer gleicher Meinung sein kann wie das Bafu. Stichwort Biodiversität. Das Zeugnis für den Wald in Sachen Biodiversität ist sehr gut. Die Forderung, die Biodiversität im Wald zu steigern, hat wenig Sinn. Vor allem nicht in privaten Wäldern, denn hier werden die damit verbundenen Leistungen nicht honoriert.

    Die Landwirtschaft hat das Begehren geäussert, einen Teil der von der Schweiz mit dem Nagoya-Protokoll eingegangenen Biodiversitätsverpflichtungen im Wald erbringen zu können. Was halten Sie davon?

    MAX BINDER: Wenn die Forderung dahin geht, dass dem Landwirt die bestehende Biodiversität in seinem Wald angerechnet wird, spricht nichts dagegen. Ich bin aber gegen eine solche Forderung, wenn sie bedeutet, dass dafür alle Waldbesitzer zusätzliche Auflagen erfüllen müssen. Ich habe Verständnis für die Forderungen der Landwirtschaft. Im Prinzip bleibt der Landwirtschaft nichts anderes übrig, als ihr Kulturland besser zu schützen, wie das bereits beim Wald der Fall ist. Auch ich befürworte eine produzierende Landwirtschaft. Das Einkommen soll zu wesentlichen Teilen durch den durch Arbeit erwirtschafteten Produkterlös zustande kommen. Dies sollte eigentlich auch für den Wald gelten. Wer für den Wald mehr Biodiversität fordert, muss bereit sein, dafür auch zu bezahlen. Es geht aber nicht, dass auf der einen Seite die Auflagen und damit der Aufwand steigen und auf der anderen der Ertrag weiter sinkt.

    Wegen der Währungskrise kann Schweizer Holz nicht mehr kostendeckend auf den Markt gebracht werden. Wie soll sich der private Waldbesitzer in der laufenden Schlagsaison verhalten? Soll er Holz anbieten?

    MAX BINDER: Ich rate jedem Waldbesitzer, dass er vor einem Holzschlag immer überprüft, ob er einen Käufer hat, der ihm das Holz abnimmt. Auch der Preis, die Menge, das Sortiment und die Konditionen sollten im Vorfeld klar geregelt sein. Die derzeitige Marktlage ist nicht sehr vielversprechend. Klar können wir auf den Holzeinschlag verzichten, aber damit bringen wir die einheimische Sägereiwirtschaft in Schwierigkeiten. Hier besteht eine untrennbare Schicksalsgemeinschaft. Denn wenn Rundholz exportiert und Schnittholz importiert wird, ist das ebenso unsinnig. Die Wertschöpfung soll in der Schweiz behalten werden. Aber ein Waldbesitzer kann nicht zu jedem beliebigen Preis Holz liefern.

    Was für eine Bedeutung bekommt Holz in der so genannten Energiewende?

    MAX BINDER: Ich glaube, dass die Renaissance von Holz bereits stattgefunden hat. Holz ist ein hervorragender Baustoff. Dies sieht man, wenn man die zahlreichen modernen Holzbauten wie beispielsweise die Welle beim Bahnhof in Bern, oder exzellente mehrstöckige Bauten unter die Lupe nimmt. Es lohnt sich, Holz zuerst als Baumaterial und dann erst als Energieträger einzusetzen. Die Diskussion momentan geht für mich zu einseitig in Richtung Energie, ohne zu verkennen, dass Holz ein wichtiger einheimisch nachwachsender Rohstoff ist.

    Im letzten Vierteljahrhundert wurde vermehrt Laubholz gefördert. Die Folge ist, dass inzwischen zu wenig Fichtenholz angeboten wird. Wie kann Waldwirtschaft Schweiz Gegensteuer geben?

    MAX BINDER: Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig Fichtenholz anbieten, sondern, dass wir in mittelfristiger Zukunft vielleicht zu wenig Fichten haben werden. Für das Portemonnaie des Waldeigentümers zählte immer die Fichte, sprich, am meisten Geld konnte immer mit Fichtenholz resp. Nadelholz gelöst werden. Grundsätzlich sollte es den Waldeigentümern überlassen werden, welche Bäume sie anpflanzen. Sie sollen in Eigenverantwortung handeln, letztlich müssen sie den Entscheid spätestens bei der Schlagreife des Holzes auch selber verantworten. Waldwirtschaft Schweiz kommuniziert offen die verschiedenen Möglichkeiten und deren Auswirkungen. Das Verhältnis Nadel- und Laubholz sollte unserer Meinung nach aus übergeordneter Sicht nicht noch mehr zugunsten des Laubholzes verschoben werden. Allerdings trägt die Natur selbst am meisten zu dieser Verschiebung bei.

    Doris Leuthard zeigt sich überzeugt, dass 1 Million m3 Holz zusätzlich geerntet werden könnten. Ist nach der Schliessung von Domat/Ems die notwendige Sägereikapazität überhaupt vorhanden?

    MAX BINDER: Es trifft zu, dass nach der Schliessung von Domat/Ems Absatzprobleme entstanden. Es stimmt, dass mehr Holz im Wald nachwächst, als genutzt wird. Doch der Wald wird vor allem in den Voralpen und Alpen zu wenig genutzt. Eine Erschliessung in diesen Gebieten ist sehr schwierig, daher finanziell aufwendig oder oft gar nicht möglich. In gut erschlossenen Wäldern wie im Mittelland wird zum grossen Teil der ganze Zuwachs genutzt. Und ausserdem, warum sollten Waldeigentümer mehr Holz ernten, wenn Nachfrage und Preis nicht stimmen?

    Interview Julia Schwery

    (das vollständige Interview ist in der neusten Ausgabe der „BauernZeitun“ zu lesen)


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