Gute Raps-Erträge trotz Trockenheit
Der Rapssorten- und Intensitätsversuch wurde an vier Standorten angelegt. Der Praxisversuch umfasste zwölf Sorten.
Die anhaltende Trockenheit in weiten Teilen der Schweiz war das dominierende Thema in der ersten Jahreshälfte. Mit umso grösserer Spannung war die Rapsernte erwartet worden. Der Rapssorten- und Intensitätsversuch des Forum Ackerbau wurde 2010/11 an den vier Standorten Landquart GR (Plantahof), Lindau ZH (Strickhof), Suhr AG (Liebegg) und Zuchwil SO (Wallierhof) angelegt. Der Praxisversuch umfasste insgesamt zwölf Sorten, sowohl Sorten der empfehlenden Sortenliste als auch Prüfsorten.
Die diesjährigen Erträge lagen im Durchschnitt der Sorten, Standorte und Verfahren mit 45,3 dt/ha nur wenig unter dem dreijährigen Durchschnitt (46,9 dt/ha). Trotz Trockenheit traten also in den Versuchen keine markanten Ertragseinbussen auf und entsprechende Befürchtungen wurden nicht bestätigt. In den Verfahren mit Fungizideinsatz wurde ein durchschnittlicher Ertrag von 47,1 dt/ha erzielt, ohne Fungizideinsatz lag der Ertrag bei 43,6 dt/ha.
Die Hauptsorte Visby fiel an zwei Versuchsstandorten (Suhr AG und Landquart GR) ertragsmässig ab und musste den Spitzenplatz dieses Jahr an Standing abtreten. Dies sowohl im Verfahren mit Fungizid als auch im Verfahren ohne Fungizid.
Dieser Einbruch könnte ein Hinweis darauf sein, dass Visby unter der Trockenheit etwas stärker gelitten hat als andere Sorten. Dies lassen auch einzelne Rückmeldungen aus der Praxis vermuten.
Drei Sorten gleichauf
Im Mittel der letzten drei Jahre teilen sich im intensiven Verfahren nun die Sorten Visby, Standing sowie der Halbzwerghybrid PR45D03 mit jeweils knapp
über 50 dt/ha den Spitzenplatz. PR45D03 wird für die Aussaat 2011 neu empfohlen. Im Verfahren ohne Fungizid hat Standing mit 48 dt/ha die besten Erträge gezeigt. Standing steht nicht mehr auf der empfehlenden Sortenliste, kann aber noch vermarktet werden, solange Saatgut vorhanden ist. Die Sorte ist gestrichen worden, weil sie in der Vergangenheit eine schwache Resistenz gegen Phoma gezeigt hat.
Die bekannte HOLL-Sorte V141OL musste sich in den diesjährigen Versuchen gleich zwei neuen Konkurrenten stellen. Die neue Sorte V140OL ist seit letztem Jahr provisorisch auf der Liste der empfohlenen Sorten aufgeführt und weist ähnliche
agronomische Eigenschaften auf wie V141OL, ist allerdings etwas spätreifer. Ertraglich lag sie denn auch auf einem vergleichbaren Niveau und somit deutlich unter den klassischen Sorten. Da für die HOLL-Sorten jedoch ein um Fr. 10.-/dt höherer Preis bezahlt wird, reichen die Erträge, um finanziell ein ebenbürtiges Resultat zu erzielen. Ebenfalls zum ersten Mal geprüft wurde die neue Sorte V280OL, die im Gegensatz zu den anderen HOLL-Sorten keine Liniensorte sondern eine Hybridsorte ist. Der Ertragsvorteil im Vergleich zu den Liniensorten zeigte sich deutlich, indem sie mit 48,4 dt/ha (mit Fungizid) bzw. 44,1 dt/ha (ohne Fungizid) mit Visby vergleichbare Resultate erzielte. V280OL ist seit diesem Jahr neu auf der empfehlenden Sortenliste aufgeführt. Da V280OL zudem ein für die Verarbeitung günstiges Ölsäuremuster aufweist, dürfte es sich um eine viel versprechende neue Sorte handeln.
Fungizideinsatz ja oder nein?
Um die in den Versuchen gewählte Fungizidstrategie finanziell zu rechtfertigen, ist ein Mehrertrag von zirka 3,5 dt/ha notwendig. Im Mittel der letzten drei Versuchsjahre wurde dieser Mehrertrag im Durchschnitt der Standorte nicht erreicht
(3 dt/ha Mehrertrag). In diesem Versuchsjahr beträgt der Mehrertrag durchschnittlich genau 3,5 dt/ha. Auch dieses Jahr zeigte sich, dass der Mittelwert keine geeignete Grösse darstellt, um eine allgemein gültige Aussage zu machen. So wurde der notwendige Mehrertrag an einzelnen Standorten deutlich übertroffen, während er an anderen nicht erreicht werden konnte. Entscheidend bleiben somit der Standort sowie der Jahreseinfluss.
Olivier Zumstein
Forum Ackerbau
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