27.01.2012 - 08:06

    Emmentaler-Käser ergreifen die Flucht nach vorne

    Der Emmentaler AOC steckt in der Krise. Jetzt haben die Käser genug. Ihre Organisation, Fromarte, will eine Firma für Ein- und Verkauf gründen und die Produktionsmenge regulieren. Der Handel reagiert verhalten positiv.

    Seit die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland Ende Februar 2011 die Mengensteuerung aufhob, brachen die Käse- und Milchpreise beim traditionsreichen Schweizer Käse dramatisch ein. Und das Exportgeschäft harzt. Ein weiteres Problemen: Insgesamt gibt es auch zu viele Käsereien – rund 30 Prozent seien zu viel, munkelt man in Fachkreisen. Jetzt zeichnet Fromarte einen Weg aus der Krise auf.

    Angebot auf Stufe Käserei bündeln und Menge steuern
    Fromarte, der Dachverband der gewerblichen Käsereien, erarbeitete zusammen mit den Emmentaler-AOC-Käsereien und -Milchproduzenten ein Konzept zur Angebotsbündelung auf Stufe Käserei. Zentrales Element ist dabei die Gründung einer neuen, eigenständigen und von den Käseproduzenten finanzierten Firma. Die neue Firma übernimmt sämtliche Handelsaktivitäten, kauft den Emmentaler AOC bei den Käsereien ein und verkauft ihn weiter an die Handelsfirmen – und zwar zu fixen Preisen. Eine weitere Aufgabe ist die zentrale Steuerung der Menge. Wichtigste Voraussetzung für den Erfolg der Angebotsbündelung ist, dass mindestens 85 Prozent der Produktionsmenge in der neuen Firma gebündelt werden können.

    Vorgesehen ist, dass die Käser im März an einer Landsgemeinde über das Konzept entscheiden. Die neue Firma könnte bereits im Spätsommer starten.

    «Grundsätzlich positiv», sagt Emmi
    Das Konzept für die Angebotsbündelung wird zurzeit bei den Emmentaler-AOC-Käsereien und den Handelsfirmen diskutiert. Die «BauernZeitung» hat sich im Käsehandel umgehört: Emmi habe sich stets für eine Mengen- und Preisstabilisie-rung eingesetzt, erklärt Esther Gerster, Leiterin Emmi-Konzernkommunikation. Der Grund: Emmi sei der Meinung, dass ein erfolgreicher Vertrieb des Emmentalers nicht über den Preis passieren könne. Gerster: «Insofern stehen wir dem Konzept grundsätzlich positiv gegenüber.» Eine schlüssige Beurteilung sei aber erst möglich, wenn Details bekannt seien. Zudem könne das Konzept nur funktionieren, wenn ein sehr hoher Anteil der Produzenten mitmache.

    Die Idee sei «nicht negativ», sagt Cremo
    Es sei noch zu früh, um Stellung zu nehmen, winkt Michel Pellaux, Generalsekretär von Cremo, ab. Die Freiburger Firma will zuerst die Informationssitzung mit Fromarte abwarten. Pellaux findet es verständlich, dass die Käser jetzt aktiv werden, um die negative Situation zu ändern. Deshalb beurteilt er das Fromarte-Vorhaben grundsätzlich als «nicht negativ». Auf die Frage nach der Wiedereinführung einer zentralen Mengensteuerung antwortet Pellaux: «Für ein AOC-Produkt braucht es eine Mengensteuerung. Aber auch hier liegt der Teufel im Detail.» Überhaupt müsste überlegt werden, das bestehende Pflichtenheft anzupassen. Dabei sei auch die Frage zu prüfen, ob es sinnvoll wäre, einen Nicht-AOC-Grosslochkäse zuzulassen, um den zunehmenden Importen in diesem Käsesegment wirkungsvoll begegnen zu können.   

    Christine Caron-Wickli


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